Jahrgang 
1870
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und Naturwiſſenſchaften. 20) Ludwig Wagner aus Griesheim, Beruf: Militär. 21) Jonas Loeb aus Pfungſtadt, St.: Theologie. 22) Joſeph Allmann aus Bingen, widmet ſich dem Kaufmannsberufe. 23) Wilhelm Riedeſel zu Eiſenbach aus Darmſtadt, St.: Jurisprudenz. 24) Adolph Morneweg aus Groß⸗Bieberan, St.: Jurisprudenz. 25) Adolph Hepding aus Offenthal, St.: Theologie. 26) Ernſt Kühn aus Darmſtadt, widmet ſich dem Kaufmannsberufe. 27) Karl Wagner aus Michelſtadt, St.: neuere Sprachen. 28) Karl Roeder aus Heidel⸗ berg, St.: Medicin.

IV. Chronik des Gymnaſiums. Von Herbſt 1869 bis Herbſt 1870.

Nach der am 15. und 16. October abgehaltenen Aufnahmeprüfung begann der Unterricht des neuen Schuljahres am 18. October; der Schluß deſſelben wird am 30. September 1870 ſtattfinden.

Durch Allerhöchſtes Decret vom 29. September 1869 war der bisherige Hülfs⸗ lehrer Dr. Leopold Conzen definitiv zum Lehrer am hieſigen Gymnaſium ernannt worden. Derſelbe macht über ſeinen bisherigen Lebenslauf folgende Mittheilung:

Dr. Leopold Conzen, geboren zu Darmſtadt am 2. März 1842, beſuchte das Gymnaſium zu Gießen von Oſtern 1853 bis Weihnachten 1858, wurde im Jannar 1859 durch Reſcript Großherzoglicher Ober⸗Studiendirection zu einer außerordentlichen Matu⸗ ritätsprüfung zugelaſſen und bezog im Herbſte 1860 die Landesuniverſität Gießen, um ſich dem Studium der Philologie zu widmen. Er verließ die Univerſität im Herbſte 1863, war dann längere Zeit an Privatinſtituten in Langen und Darmſtadt thätig und machte von Oſtern 1867 bis dahin 1868 ſeinen Acceß an dem Gymnaſium zu Darm⸗ ſtadt. Durch Verfügnng Großherzoglicher Ober⸗Studiendirection vom 3. September 1868 wurde er als proviſoriſcher Hülfslehrer am Gymnaſium ernannt und durch Allerhöchſtes Decret vom 29. September 1869 definitiv als Lehrer an derſelben Anſtalt angeſtellt.

Am Anfange des Schuljahres ſah ſich der Senior unſeres Lehrercolleginnis, Hof⸗ rath Friedrich Haas, in Folge wiederholter ſchwerer Krankheitszufälle, durch die ſein Unterricht ſchon im vergangenen Jahre mehrmals längere Unterbrechungen erfahren hatte, genöthigt, um Verſetzung in den Ruheſtand nachzuſuchen. Durch Allerhöchſtes Decret vom 10. December 1869 wurde dieſer Bitte willfahrt. Hofrath Haas gehörte ſeit dem Jahre 1829 als Lehrer der franzöſiſchen, engliſchen und italieniſchen Sprache und Lite⸗ ratur dem hieſigen Gymnaſium an, dem er als gründlicher und feiner Kenner ſeiner Mutterſprache bei vielfeitiger Bildung in Sprachen und Wiſſenſchaften überhaupt und durch eine ungewöhnliche Arbeitskraft die erſprießlichſten Dienſte leiſtete. Den Stand der Ruhe hat er nur kurze Zeit genoſſen; ſchwere Krankheit ſuchte ihn auch ferner heim, der ſeine ſonſt ſtarke Natur erliegen mußte. Schon am 30. Mai dieſes Jahres umſtanden Schüler, Collegen, Freunde und Angehörige in zahlreicher Betheili⸗ gung die letzte Ruheſtätte des Entſchlafenen, tief ergriffen von den auch ihnen aus der