Jahrgang 
1927
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Zur Ausſtellung an Oſtern 1925

Frauenſchule

Abbildung 1 zeigt die Arbeiten der Frauenſchule II: Wäſchegegenſtände, verziert mit Techniken verſchiedenſter Art, feinere Handarbeiten wie Kaffeewärmer, Stickdecken, Lampen⸗ ſchirme, Sofakiſſen, Schlummerrollen, Vorhänge in Filet, duftige Decken und Deckchen aus Häkelſpitze.

Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Arbeiten der Frauenſchule I. Kleider und Wäſche aller Art, ſowie Handarbeiten aus vielen Gebieten der Technik, wie Kunſtſtricken, Filet, Lochſtickerei, Ausſchnittſtickerei, Hedebo, Bunt⸗ und Weißſticken, Häkeln und ſchließlich auch noch Flick⸗ und Ausbeſſerungsarbeiten.

Was die Frauenſchulküche zu bieten vermag, ſehen wir auf Abbildung 3. Alle Arten Torten und Kuchen, von den einfachſten bis zu den feinſten, kleines Gebäck, ferner Puddings und verſchiedene Cremearten, Platten mit belegten Brötchen, Appetitſchnittchen, ruſſ. Eiern, verſch. Sülzen(Fleiſch und vegetariſche), Mayonnaiſe und verſch. gemiſchte Salate. Und daß wir auch Wert darauf legen, dem Auge einen äſthetiſchen Genuß zu bereiten, das zeigt der weihnachtlich aufgebaute Tiſch mit den vielen Arten von Weihnachtsbäckereien, wie auch der zierlich gedeckte Teetiſch, der gar zu einladend in der lauſchigen Ecke ſteht.

(Regina Büchner, Eliſabeth Hiemenz, Klara Schmuck.)

Der Handfertigkeitsunterricht in der Frauenſchulklaſſe I litt während der vergangenen Jahre unter dem Mangel an geeignetem Material. Im Schuljahre 1924/25 konnte zum erſten Male wieder etwas vielſeitiger gearbeitet werden. Verſchiedene Techniken wurden aufs Neue ausprobiert, ſodaß dieſes Unterrichtsfach ſowohl in praktiſcher als auch in ideeller Hinſicht den Schülerinnen manch wertvolle Anregung gab. In den erſten Monaten ſtand die Anleitung der Schülerinnen für ihre Hilfstätigkeit in den Kinderhorten und im Kinder⸗ garten im Vordergrunde, damit ſie fähig waren, dieſe Kinder in richtiger Weiſe zu beſchäftigen. Einfache Papier⸗ und Kartonarbeiten wurden angefertigt, auch Flechtarbeiten in Baſt und Rohr ganz leichter Art wurden ausprobiert. So entſtanden Lottoſpiele, geklebt und gemalt, oder mit Ausſchneidearbeit verziert, Aufſtelltiere, ausgeſchnitten und ausgeſägt, Bälle aus allen möglichen Reſten von Leder, Stoff und Wolle, auch zuſammenlegbare Puppenſtuben mit leicht herzuſtellenden Möbeln. Unſere Abbildung 4 zeigt links etwas undeutlich einige dieſer Arbeiten. Alle Arbeiten dieſer Art wurden ſo angeleitet und ausgeführt, daß ſie von Kinderhand leicht nachzuarbeiten waren. In der weitaus längſten Zeit des Jahres, beſonders vor und nach Weihnachten, arbeiteten die Schülerinnen mehr Dinge zu eigenem Gebrauche. Beſonderen Anklang fand die wieder neu aufgenommene Herſtellung verſchiedenſter Peddigrohr⸗ arbeiten. Auf dem Bilde heben ſich gerade einige Peddigrohrarbeiten beſonders heraus aus der Menge der Kleinarbeiten; Papierkörbe, in Form und Geflecht oft ſehr verſchieden, und eine ganze Reihe kleiner Körbe und Servierbrettchen, die mit Vorliebe gearbeitet wurden. Die Farbe kam bei den Baſtarbeiten mehr zu ihrem Recht; hier ergaben die vielen Farben⸗ abſtufungen und Farbenkontraſte des bunten Baſtes oft ſehr gute Wirkungen, z. B. bei den Baſttaſchen und vor allem bei den Baſtwebereien. Zeichneriſche Begabung einiger Schülerinnen brachte durch geſchickten Entwurf manche originelle Idee zur Ausführung. So entſtand u. a. ein Puppenladen mit Wänden, die einen gut gelungenen Linoleumdruck brachten. Auch die Buchbinderei wurde eifrig betrieben. Kleiſterpapiere für Bucheinbände wurden verſucht, fein abgetönte andere Papiere in Verbindung mit koſtbarerem Material wie Leder und Pergament ergaben gute und wertvolle Bucheinbände. Gerade bei der Buchbinderei erhielten

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