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wegen des merkwürdig hurtigen Schrittes auffällt, mit dem ſie hin und her läuft, ſondern auch wegen der für unſere Begriffe ſeltſamen Uniform. Tragen doch die ſchottiſchen Soldaten zu dem kakigelben engliſchen Waffenrock ein Käppi und den kurzen ſchottiſchen Rockſchurz, den„kilt“, beides in karrierten ſchottiſchen Farben.
Noch intereſſanter als das„Caſtle“ von Edinburg iſt ein anderes Schloß am Ende der Stadt. Nahe einem aus der Ebene ragenden Hügel, auf dem einſt der ſagenhafte Britenkönig Arthur gewohnt haben ſoll, ſteht in einem Park Holyrood Palace, Maria Stuarts einſtiger Wohnſitz. Mit einer gewiſſen Ehrfurcht betrat ich die Zimmer im erſten Stock, in dem die junge Schottenkönigin ein paar ſchöne Jahre ihres Lebens verbrachte, bevor das harte Los neunzehnjähriger Gefangenſchaft die Unglückliche traf. Ihre Räume ſind heute noch eingerichtet wie früher. Auch ſie könnten erzählen von Frohſinn und heiterer Lebensbejahung, doch auch von Leichtſinn, Verrat, Überfall und Mord. Dicht bei dem Schloſſe befindet ſich die Ruine einer im 12. Jahrhundert erbauten Kapelle, und etwas abſeits ſteht einſam im Garten ein ſeltſames Häuschen: Maria Stuarts Bad. Darin ſoll die ſchöne Königin in Weißwein gebadet haben, um ihre Reize zu bewahren. Mit meinen Gedanken war ich ganz in der Vergangenheit, als ich nach längerem Verweilen Holyrood Palace verließ.
Noch viel könnte ich erzählen von der herrlichen Stadt, doch die Fülle ihrer Sehenswürdigkeiten iſt ſo groß, daß ich mich mit dieſem knappen Auszuge begnügen muß. Erwähnen will ich nur noch die gewaltige Eiſenbahnbrücke über den ſehr breiten Fluß Forth, an deſſen Mündung Edinburg liegt. Die 2,4 km lange Brücke gilt als ein Wunder der Technik. 45 m über dem Waſſerſpiegel fahren die Züge. Der Bau wurde 1890 vollendet und koſtete 3,25 Millionen Pfund oder 65 Millionen Goldmark. Nach engliſcher Gewohnheit werden die Baukoſten jedesmal beſonders betont.
50 km landeinwärts liegt am Forth noch eine Stadt, die für den Hiſtoriker von Intereſſe iſt: Stirling, Hier führte früher die einzige Brücke über den Fluß, weshalb man den Ort mit ſeiner ſteilen Burg als den Schlüſſel zum Hochland bezeichnete. Kein Wunder iſt es darum auch, daß in dieſer Gegend im Lauf der Jahrhunderte mehrere Schlachten ſtattgefunden haben. Schon im 9. ſtritt der Skotenkönig Kenneth mit den Pikten. Später kämpften die Schotten mehrmals gegen den verhaßten engliſchen Nachbarn, der ſeine gierigen Hände nach Norden hin ausſtreckte. 1297 beſiegte hier der ſchottiſche Nationalheld Wallace mit einem raſch geſammelten Heer die vordringende Übermacht der Engländer, indem er wartete, bis ſie halb über der Brücke waren. Durch ſeinen Sieg ſäuberte er Schottland von engliſcher Beſatzung. Ein gewaltiges Nationaldenkmal, das ihm die dankbare Heimat ſetzte, krönt heute den Hügel, von dem aus er ſeinen Angriff machte. Siegreich drang Wallace in England ein, wurde dann aber geſchlagen und geriet durch Verrat in die Hände ſeiner Feinde, die ihn hinrichten ließen. Ein paar Jahre ſpäter nahm Robert Bruce den Befreiungskampf wieder auf und errang 1314 bei dem benachbarten Bannockburn über die Engländer einen großen Sieg, durch den er dem Schottenvolk ſeine Selbſtändigkeit gerettet hat. Von ſeinem Denkmal vor der hohen Burg zu Stirling ſchaut er ſtolz hinab auf die Stätte ſeines Ruhmes.
Von dort oben hat man einen prachtvollen Ausblick in die Ebene, in der ſich der ſilberglänzende Forth dahinwindet, und weit ins ſchottiſche Hochland hinein. Auch dieſe Burg, kleiner zwar, doch ſchöner als die von Edinburg, hat eine reiche Geſchichte. In ihr verbrachte Maria Stuart ihre früheſte Jugend. Hierher wurde das Kind vor dem berüchtigten Heinrich VIII. von England in Sicherheit gebracht, der die kaum geborene Thronerbin mit ſeinem Sohne verloben wollte, um ein Anrecht auf die ſchottiſche Krone zu gewinnen. In der Kirche am Abhang des Schloßberges wurde das Kind, das eine Woche nach ſeiner Geburt den Vater verloren hatte, getauft und gekrönt. Gegenüber der Kirche iſt als Kriegerdenkmal ein Tank aufgeſtellt, der die Gedanken jäh in die Gegenwart zurückruft.
Neben Maria Stuart, Wallace und Walter Scott wird noch ein Name in Schottland viel und mit großer Liebe genannt, der des Nationaldichters Robert Burns, deſſen Bild wohl in kaum einem ſchottiſchen Hauſe fehlt, und deſſen Lied„Mein Herz iſt im Hochland“ ja auch bei uns viel geſungen wird. Er wurde 1759 als Sohn eines Bauern zu Alloway bei Ayr geboren. Dorthin kommen alljährlich Zehntauſende aus allen Teilen der Erde, um die ärmliche Behauſung zu beſuchen, in der er


