daß alle, die an dieſer Stätte zu wirken berufen ſind, mit ſtolzer Freude ihre beſte Kraft in den Dienſt der Eleonorenſchule ſtellen, und daß auch die Schülerinnen beſtrebt ſein werden, der hohen Huszeichnung ſich würdig zu erweiſen. Dank gebührt der Stadt und ihrer Dertretung für die freudige Opferwilligkeit, die ſie in klarer Erkenntnis der heutigen Bedürfniſſe durch die Bereitſtellung dieſes ſchönen Schulgebäudes und ſeiner zweckmäßigen Einrichtung bereits betätigt hat und auch noch weiter zu betätigen gedenkt zur planmäßzjigen Husgeſtaltung und zum Hufbau der zweiklaſſigen Frauenſchule. Die ſich heute voll- ziehende Irennung der beiden Schweſteranſtalten gibt mir willkommenen nlaß, namens der oberſten Schulbehörde dem verdienſtvollen Leiter der ſeitherigen großen Schule die wärmſte Rnerkennung aus-— zuſprechen. fat er doch im berein mit einem arbeitsfreudigen und tüchtigen Kollegium die nſtalt durch alle Fährlichkeiten, die gerade in der Zeit des 6ärens, Werdens und Ringens nach neuen Formen überall drohten, glücklich hindurchgeführt. herr 6eheime Schulrat Dr. Otto hat ſich überdies ein weſent⸗ liches derdienſt erworben durch ſeine erſprießliche Mitarbeit bei der Feſtlegung der Richtlinien, die in Zukunft für die Hleuordnung des höheren ſädchenſchulweſens beſtimmend ſein ſollen, und hat damit die 6rundlage ſchaffen helfen, die bei dem Husbau der Eleonorenſchule den neuen Direktor vor wichtige und große Hufgaben ſtellt, die praktiſches Geſchick, klaren Blick, energiſches hHandeln und freudige Be— geiſterung fordern. Indem ich Sie, Herr Direktor Dr. Cucius, hiermit in Ihr neues fmt einweiſe, ſpreche ich die Zuverſicht aus, daß Sie, wie ſie ſich ſeither in Ihren mancherlei Dienſtſtellungen ſtets bewährt haben, ſo auch nunmehr im dDerein mit dem erprobten Lehrerkollegium die Ihnen geſtellte neue Huf— gabe einer gedeihlichen Löſung entgegenführen werden. Die beiden Schweſteranſtalten ſtreben auf ge— trennten Wegen zum gleichen Ziel: der Frau je nach Eigenart und Deranlagung eine möglichſt voll— kommene Husbildung zu verſchaffen, die ſie befähigt, ihre Stellung im Teben ganz auszufüllen. Die beiden Schulen ſtimmen in ihren Lehrzielen, ſowie in allen éinzelheiten des Tehrplans in den erſten 1o Schuljahren— alſo bis zum 16. Tebensjahre— überein, dann führt die Diktoriaſchule zum Tehrerinnen- ſeminar und zur Studienanſtalt, die Eleonorenſchule aber demnächſt zur Frauenſchule. Die Studien- anſtalt kann nur für eine kleine Mlinderheit unſerer heranwachſenden weiblichen jugend innerlich berechtigt ſein; auch dem Lehrerinnenſeminar können cir nicht alle zuführen, die hinausgreifen wollen über die Bildung, wie ſie die loſtufige höhere Mädchenſchule vermittelt. Für die große Zahl derer, die ihre allgemeine Bildung nicht mit dem Ziel der höheren Mädchenſchule für abgeſchloſſen erachten, die ſie weiterführen und vertiefen wollen, tut uns eine anders geartete Schule not. Das iſt die Frauen- ſchule, die, ohne ſelbſt Fach- oder Berufsſchule zu ſein, auf ſolche Schulen zwar vorbereiten kann, in erſter Linie aber ſich widmen will„den künftigen Tebensaufgaben der Frau und Mutter“. Sie ſoll„ein- führen in den pflichtenkreis des häuslichen und des weiteren 6emeinſchaftslebens, in die Elemente der Kkindererziehung und Kinderpflege, in fauswirtſchaft, 6eſundheitslehre, Wohlfahriskunde, ſowie die 6e— biete der Barmherzigkeit und ſlächſtenliebe“. Das iſt das hohe Ziel, das der heute geweihten Schule vorgeſteckt iſt. Mlöge Ihnen allen, die Sie als Tehrer und Lehrerinnen an der Eleonorenſchule zu wirken berufen ſind, reicher Erfolg bei lhrem redlichen Bemühen beſchieden ſein, die Ihnen anvertraute Jugend auf dem Wege echt deutſcher Frauen-Zucht und Sitte dieſem Ziele entgegenzuführen“.
Hlach dem von einem Schülerinnenchor geſungenen Pſalm 36„herr deine 6üte reicht ſo weit!“ (H. Kroll) trug die Schülerin I. Me tz, Klaſſe I, einen von 6ch. Schulrat Dr. é. Otto gedichteten Feſtgruß in ſchöner Betonung vor. Daran ſchloß ſich die Inſprache des Direktors Dr. Cucius, der folgendes ausführte:
„Königl. Hoheiten! hochgeehrte Feſtverſammlung! Das iſt ein lag, den der herr gemacht hat, darum freuet Euch! Er hat ſeine hand ſchützend über dieſem Bau gehalten, daß er ohne Unglücksfall in ſeiner Schönheit erſtehen konnte. Möge er nun auch über dem vollendeten hauſe ſegnend ſeine hände ausbreiten, daß von ihm Segen ausgehe für unſere liebe Daterſtadt und unſer ganzes Land! Freude bewegt unſere herzen, daß es uns vergönnt iſt, in dieſe freundlichen, lichten Räume einzuziehen. Freude auf die Hrbeit, die für uns dahier zu leiſten iſt, und die in einem ſo ſchönen heim keine Laſt, ſondern eine Luſt ſein wird.
Und mit der Freude verbindet ſich die Dankbarkeit— Dankbarkeit gegen alle die, die uns eine ſo ſchöne Wirkungsſtätte bereitet haben. In erſter Tinie danken wir unſerer geliebten Landes- fürſtin, die die hohe 6nade gehabt hat, patenſtelle für unſere Schule zu übernehmen und dadurch be⸗ weiſt, welch großes Intereſſe ſie an der Bildung unſerer weiblichen Jugend nimmt. Wir alle: Lehrer, Lehrerinnen und Schülerinnen ſind uns der großen Pflichten bewußt, die dieſe hohe Ehre mit ſich bringt, und wollen alles daran ſetzen, was in unſeren Kräften ſteht, um unſere Hnſtalt zu einer Pflanzſtätte des Wahren, Schönen und 6uten zu machen, auf daß ſie den Namen„Eleonorenſchule“ zu tragen ver— diene. Sr. Exz. dem herrn Miniſter des Innern ſage ich herzlichen Dank für ſeine freundlichen Worte, die er vorhin an dieſer Stelle geſprochen hat. Das bertrauen, das die 6roßh. Regierung durch meine Berufung zum Leiter dieſer Schule mir entgegenbringt, gelobe ich durch treue und gewiſſenhafte Hmts⸗ führung zu rechtfertigen. Freudigen ferzens danke ich der derwaltung meiner geliebten hDaterſtadt und der Stadtverordnetenverſammlung für die einmütige Wahl meiner perſon zum Direktor der neuen Schule, ſowie für die ſchöne und reiche Husſtattung dieſes hauſes, das unſer Baurat Buxbaum bis ins Kleinſte mit Tiebe zu einem wahren Schmuckkäſtchen geſtaltet hat. Ihm, den herren vom Elektriſchen-, vom 6as⸗ und vom Waſſerwerk, den herren Bauaufſehern, allen Meiſtern und handwerkern be⸗ ſonderen Dank!


