bauung eines zweiten Schulhauſes nicht mehr aufzuſchieben. Das Stadtbauamt wurde daher nach hor— prüfung der Bedürfnisfrage mit der Husarbeitung und Dorlage von projekten für die Erbauung einer zweiten Hhöheren Mlädchenſchule in derbindung mit einer zweiten Ober-Realſchule auf dem platze des alten Gaswerks an der Lagerhausſtraße beauftragt. Der endgültige Entwurf kam am 4J. IMärz 1900 vor die Stadtoerordnetenverſammlung, wurde genehmigt und ein Betrag von 640 0OO Tark für die Höhere Mãdchenſchule bewilligt. Mit dem Bau konnte erſt im September 1900 begonnen werden, weil vorher noch die auf dem Bauplatz ſtehenden Werkſtätten und das Derwaltungsgebäude des 6aswerks geräumt und niedergelegt werden mußten. Die Bauzeit betrug trotz des umfangreichen Bauarbeiter- ſtreiks bis zur Uebergabe genau zwei jahre. Die Bauſumme cwurde nicht überſchritten, vielmehr konnten nicht unbeträchtlicheé Erſparniſſe gegenüber dem Doranſchlag erzielt werden. Die Bearbeitung der Rusführungszeichnungen geſchah auch hier unter der Leitung des Stadtbaurats Buxbaum durch den Regierungsbaumeiſter Friedrich Becker und den Hrchitekten Karl WMink. Die Bauleitung lag in den händen des ſtädtiſchen Bauführers dam Brunner, und bezüglich der geſamten Inſtallation in den händen des Bauführers Karl Oeſterling.
zur éinweihung der Eleonorenſchule in der Lagerhausſtraße fand in der ſchönen lurnhalle, die gleichzeitig Feſtſaal der neuen Schule iſt, ein Feſtaki ſtatt, dem auch Ihre Königl. Hoheiten der 6rofß- herzog und die 6roßherzogin beiwohnten. Weiter waren erſchienen Miniſter des Innern von fombergk zu Dach Exz., éch. Oberſchulrat Block, pProvinzialdirektor Feu, Oberbürgermeiſter Dr. éläſſing, der Schulinſpektor profeſſor Kiſſinger, Stadtbauräte Jäger und Buxbaum, viele Stadt— verordnete, das Lehrerkollegium und zahlreiche ngehörige von Schülerinnen. Der feſtſaal war ſinnig mit palmen und Blattpflanzen und der Büſte des Landesherrn geſchmückt.
Die Ouvertüre zu„Fidelio“, vierhändig vorgetragen von Frl. H. Metz S. Ila und Frl. J. Bergmann S. Ila, leitete den feierlichen Weiheakt ein. Hls erſter Feſtredner betrat dann herr Oberbürgermeiſter Dr. 6läſſing das Rednerpult und führte etwa folgendes aus:
„In freuͤdiger Stimmung begrüßt die ſtädtiſche derwaltung den lag der Eröffnung der zweiten höheren Mädchenſchule. Wir ſind im Begriffe, das neue ſchöne heim ſeiner Zweckbeſtimmung entgegenzuführen in einem fHugenblicke, der zugleich für die geſamte Entwickelung und Organiſation des höheren Mädchen⸗ ſchulweſens von großer Bedeutung iſt. Die erſten Unfänge der höheren Mädchenſchule in Darmſtadt gehen auf die 1783 eingeführte und ſeit 1820 als höhere fllädchenſchule benannte Schule zurück. Die Entwicklung zeigt bis zu dem Heubau der 1808 übergebenen biktoriaſchule ein ſtetiges Dorwärts- ſchreiten in der Zahl und Husbildung, ſie zeigt die Steigerung in der derwendung weiblicher Lehrkräfte und die Steigerung des Unterrichtsalters für dàs weibliche éeſchlecht. Zu Beginn des Schuljahres 1908/00 zählte die Diktoriaſchule 35 Klaſſen mit 1020 Schülerinnen. Die neue höhere Iädchenſchule war damit zur dringenden Hotwendigkeit geworden. So beſchloß denn am 4. WMärz 1908 die Stadtverordneten⸗ verſammlung die Errichtung dieſes fauſes mit einem Koſtenaufwand von 640 00OO Mark. Fach einer Bauzeit von zwei jahren ſtand das ſchöne und zweckmäßige neue heim, dank der umſichtigen Leitung des Stadtbauamtes vollendet vor uns; bereits im Hpril 101 konnten hier proviſoriſch einige Dolksſchul⸗ klaſſen Unterkunft finden. n der Husführung des projektes waren mit Husnahme der éiſenbeton⸗ arbeiten nur in Darmſtadt anſäſſige hHandwerker und Lieferanten beteiligt. Das neue heim zeigt ſchon äußerlich mit ſeinen Kklaſſenräumen und den 7, den praktiſchen Uebungen und dem naturwiſſenſchaftlichen Studium gewidmeten Lehrſälen die Erweiterung des programms der höheren Mädchenſchule. Schon früher mit der Oberrealſchule gleichgeſtellt, tritt die Schule mit neuen Bildungsmöglichkeiten nunmehr hervor, nachdem die neue Oberrealſchule gleichfalls einen erweiterten und vertieften Lehrgang in Hus- ſicht genommen hat. Möge die Schule, die kraft ſtaatlicher nordnung Schritt für Schritt in ſtetem Zu⸗ ſammenhang mit dem überkommenen éuten die küre nun auch dem ſeuen und den Forderungen einer fortgeſchrittenen Zeit öffnet, ſich erweiſen als eine pflegſtätte intenſiver, den Forderungen der éegenwart und der künftigen Lebensſtellung ſich anpaſſender, gediegener Schulung, als eine Pflege- ſtätte deutſcher perſönlichkeitsbildung“.
Darauf ergriff Miniſter von hombergk zu Dach Exz. das Dort zu folgender Unſprache:
„Königliche hoheiten, meine verehrten Danien und herren! Das prãchtige 6ebãude der Diktoriaſchule, das allen Bedürfniſſen des Unterrichts, allen nforderungen der 6eſundheitspflege und den éeſetzen der Schönheit entſpricht, iſt 2zu eng geworden, um dauernd die alljährlich wachſende Schar der nach höherer Schulbildung ſtrebenden Mädchen aufzunehmen. és iſt aber auch zu eng geworden, um darin die aus dem Bedürfnis unſerer Zeit erwachſenen neuen Hufgaben zu löſen. Heue Wege öffnen ſich der Mädchen⸗ bildung, neue Formen entſtehen, die nicht alle in einem Schulorganismus vereinigt werden konnten. So mußzte denn ein zweites, neues heim bereitet werden, das ebenbürtig dem alten in Würde und Schönheit der Form ſich darſtellt, Licht, TCuft und Raum bietend für neu geſteckte Ziele. Der Weihe dieſes hauſes gilt unſere heutige Feier, der ein ganz beſonderer élanz verliehen wird durch die nweſenheit unſeres andesherrn und ſeiner erlauchten 6emahlin, und durch die dauernde Ruszeichnung, die der fnſtalt dadurch zuteil wird, daß lhre Königliche foheit die 6roßherzogin in Betätigung Hller- höchſtihren beſonderen Intereſſes für die neuen hohen Ziele der Frauenbildung zu genehmigen geruht haben, daß die neue Schule den Namen„Cleonorenſchule“ führen dürfe. Unſeren tiefempfundenen Dank für dieſen 6nadenbeweis darf ich der Hllerhöchſten Protektorin zu Füßen legen mit der berſicherung,


