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Sehpermoden durch eine ſchwere Nervenkrankheit ſehr gelitten hatte, in die V. Klaſſe zurückver⸗ ſetzt werden.—
Am 15. Juni 1867 wurde das Stiftungsfeſt der Anſtalt und am 22. März 1868 der Geburtstag Seiner Majeſtät des Königs auf die übliche Weiſe, des Morgens mit Gebet und einer Anſprache, des Nachmittags durch einen Spaziergang, gefeiert und den Zöglingen als⸗ dann einige Erfriſchungen verabreicht.
Anſtatt der früher gewöhnlich mehrtägigen, größeren Reiſe mit Schuͤlern der beiden Oberklaſſen genehmigte Hohe Königliche Regierung auf den Antrag des Lehrercollegiums einen kleineren Ausflug mit den 3 oberen Klaſſen. Eines ſchönen Tages im Monat Auguſt beſuchten deß⸗ halb dieſe Schüler mit ihren Lehrern Limburg, Diez und Schaumburg. Am erſteren Orte be⸗ ſichtigten ſie insbeſondere den Dom, die Lahnbrücke, die Schleuße und eine Wollſpinnerei und Weberei. Schloß Schaumburg bot durch ſeine herrliche Lage mit entzückender Fernſicht, durch Blumengar⸗ ten, Gewächshaus, lebende ausländiſche Thiere und koſtbare Mineralienſammlung vielfache Gelegenheit die Kinder zu erfreuen und ihren Anſchauungskreis zu erweitern.
Im Laufe des Sommers erhielt der Turnapparat eine ſehr erfreuliche Vermehrung durch Aufſtellung eines Roll⸗ und Hebelgerüſtes unter der gefälligen Anleituug des Erfinders desſelben, des Herrn Dr. Widerſtein dahier. Indem Letzterem für ſeine freundlichen Bemühungen zum Zwecke genauer Anfertigung und richtigen Gebrauches des Apparates hiermit der ſchuldige Dank ausgeſprochen wird, empfiehlt die Anſtalt dieſe Erfindung allen Schulanſtalten auf das Beſte. Am Schluſſe dieſes Berichtes folgt deßhalb eine kurze Darſtellung des Dr. Widerſtein'ſchen Turnſyſtems und der dazu gehörigen Apparate.
Die Herbſtprüfung fand am 3. October in Gegenwart des Herrn Oberregierungsrathes von Prittwitz unter Leitung des Herrn Geheimen⸗Regierungsrathes Dr. Firnhaber ſtatt. Das Winterhalbjahr begann nach dreiwöchentlichen Ferien am 25. Oktober.
Wie früher wurde auch in dieſem Jahre mit vorangehendem Gebet und einer religiöſen Betrachtung eine Chriſtbeſcheerung veranſtaltet und konnten alle Kinder, durch die Gnade Hoher Königlicher Regierung und die Güte einiger ungenannten Freunde der Taubſtummen, anſehnlich beſchenkt werden. 4
Ebenſo beſchloſſen auch wieder Lehrer und Schüler gemeinſam das alte Jahr mit Gebet und einer religiöſen Betrachtung.
Am weißen Sonntag gingen 2 Mädchen und 3 Knaben der I. Klaſſe in der hieſigen Pfarr⸗ kirche zur erſten heiligen Communion, und am Pfingflfeſte werden 2 Knaben und 5 Mädchen aus derſelben Klaſſe durch die in der Pfarrkirche zu Walsdorf ſtattfindende Eonfirmatiön in die evangeliſche Kirche aufgenommen werden.
Der Verein zur Beförderung des Taubſtummen⸗Unterrichts in Naſſau, welcher mit dem hieſigen Taubſtummen⸗Inſtitute verbunden iſt, und deſſen leitende und verwaltende Ausſchußmit⸗ glieder dahier wohnen, hat am 2. Februar 1868 ſeinen 6. Rechenſchaftsbericht veröffentlicht. Nach demſelben iſt die Wirkſamkeit des Vereins durch weiter eingegangene Liebesgaben in ſtetem Wachſen begriffen, wenn guch in dem vergangenen Jahre die fortwährende Geichäßtet eau der geringere Erndteertrag und die dadurch bedingten anderweitigen Nothzuſtände die Zahl und Größe der Liebesgaben beeinträchtigten.
16 aus dem Inſtitute entlaſſene Taubſtumme konnte der Verein, größtentheils zur Erlernung eines ihren ſpätern Unterhalt gewährenden Geſchäftes ganz oder doch theilweiſe unterſtützen. Auch war es möglich, 8 Zöglingen des Inſtituts zur Beſtreitung der Koſten für Kleidungsſtücke, Schulbedürfniſſe und Heilmittel behilflich zu ſein. Für entlaſſene Taubſtumme wurden 367 fl. 52 kr., für Zöglinge 36 fl. 3 kr. verwendet.
Allen Freunden und Gönnern des Vereins wird auch bei dieſer Gelegenheit der herzlichſte Dank ausgeſprochen und zugleich im Namen der armen Taubſtummen um ihre weitere gütige Mithilfe ergebenſt gebeten.


