Jahrgang 
1867
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Freiheiten ohne Anſtand gelegenllich gewährt werden konnten. Als vereinzelt ſtehender Fall ſoll erwähnt ſein, daß ein nur auf Probe in Kl. II. aufgeſtiegener Semenariſt, übele Folgen heimlicher Ausſchreitungen ahnend, ſich am 19. Auguſt eigenmächtig von der Anſtalt entferute, worauf hin auch zum Frommen des Seminars ſeine geſetzliche Ausweiſung erfolgte.

4. Geſundheitszuſtand.

Zwar hatten wir in 186 ⁄37 das epidemiſche Auftreten einer Krankheit nicht zu beklagen; aber güͤnſtig verdient der Geſundheitsſtand der Zöglinge während dieſer Zeit dennoch nicht genaunt zu ſein. Scharlachfrieſel, Halsentzündungen, Kopfroſe, Bruſtaffectionen und gaſtriſche Uebel beunruhigten nicht wenige Zöglinge. Ein Zögling II. Kl., Aug. Müller aus Oberroßbach, erlag ſogar, aller ärztlichen Hülfe ungeachtet, am 15. Juli einer heftigen Unterleibsentzündung und nahm die auf ihn geſetzten Hoffaungen ſeiner betrübten Aeltern mit in das Grab. Die Anſtalt widmete ihm das gebührende, ehrende Gedächtniß. Ein anderer Zögling II. Kl. mußte am 19. Februar um der Folgen einer ähnlichen Erkrankung willen vorläufig in ſeine Heimath entlaſſen werden.

Die Lehrer wurden nur theilweiſe und mäßig durch die Ungunſt der winterlichen Witterung in ihrer Amtsthätigkeit unterbrochen. 4

II. Chronik.

In Folge der vorjährigen Abiturientenprüfung, welche unter Leitung der Herren Regierungscommiſſarien, des Herrn Geheimeregſerungsrathes Dr. Firnhaber und des Harrn Profeſſor Dr. Greiß Statt fand, wurden die 23 Erſtkläſſer ſämmtlich als amtsfähig entlaſſen.

Zu der nach der öffentlichen Seminarprüfung auf den 26. und 27. April ausgeſchriebenen Aufnahmeprüfung der Aſpiranten hatten ſich 32 als Prüflinge eingefunden; das Prüfungsreſultat war der Art, daß 27 als Seminariſten in Kl. III. aufgenommen wurden, unter welchen Einer anfänglich auf Prove, ein Anderer nachträglich im Herbſte auf günſtiger lautendes ärztliches Zeugniß. Zwei wurden auf immer abgewieſen, Drei vorläufig zurückgeſtellt.

Zu der am 6. und 7. Juni abgehaltenen Aſpirantenprüfung der Präparanden waren 28 erſchienen, von denen 24 als in der Prüfung beſtanden und zu Präparanden ange⸗ nommen, 3 nachträglich zu einer zweiten vorläufigen Prüfung in 1867 zugelaſſen wurden, Einer wegen mangelnder Geſangesanlage gänzlich abgewieſen werden mußte.

Am 24. Juli wurde das Geburtsfeſt Sr. Hoheit des Herzogs Adolpb, wie es die Zeit⸗ umſtaͤnde bedingten, von der Anſtalt in ſtiller Wehmuth gefeiert; der Director leitete im großen Saale die Feier und ſprach das Gebet.

Am 12. September fand die gewöhnliche öffentliche Herbſtprüfung Statt, nachdem der Dtrector Tages zuvor das Sommertrimeſter mit einer feierlichen Hauptcenſur beſchloſſen hatte.

Bis zum 10. Oktober wurden die Zöglinge in die Herbſtferien entlaſſen, worauf am 11. durch den Director das Herbſttrimeſter feierlich eröffnet wurde.

Am 14. Oktober feierte die Stadtgemeinde Uſingen das Feſt der Einverleibung Naſſaus in die Königl. Preußiſche Monarchie; auf Wunſch der Feſtordner und der ſtädtiſchen Behörde gewährte der Director die Theilnahme des Seminars an dieſem Feſte; die Anſtalt flaggte, die Seminariſten mit den Herren Seminarlehrern betheiligten ſich an dem Feſtzuge, erſtere führten auch unter Leitung des H. Muſiklehrers einen Feſtgeſang aus, und den Zöglingen der Kl. I. wurde die Theilnahme an dem Feſtballe gerne geſtattet.

Den 11. November betheiligte ſich das geſammte Königl. Seminar an der kirchlichen Feier des von Sr. Majeſtät dem Könige angeordneten Friedensfeſtes.