Jahrgang 
1859
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Der Beſndheitszuſtaah der Lehrer war recht befriedigend. Die wenigen Stunden, welche der eine und andere Lehrer ausſetzen mußte, wurden in kollegialiſchem Zuſammenwirken von den andern Lehrern der Anſtalt mit größter Bereitwilligkeit gegeben.

Herr Medicinalacceſſiſt Dr. Thewalt hat den im Programm von 1857 S. 53 erwähn⸗ ten Funktionen ſich auch in dieſem Schuljahr mit gleich rühmlicher Thätigkeit unterzogen.

II. Chronik.

Die Konkursprüfung zur Aufnahme katholiſcher Schuladſpiranten wurde in Anweſenheit und unter Leitung der beiden Herren Regierungscommiſſäre am 7. Mai abgehalten. Gemeldet hatten ſich 14, von denen aber nur 4 die vorgeſchriebene Adſpirantenprüfung früher gemacht hatten. Unbedingt aufgenommen wurden 9, bedingt zur Probe auf ½ Jahr 3, zurückgeſtellt auf ein Jahr 1, ganz abgewieſen 1, und zwar wegen ungenügender Vorbereitung und zu ho⸗ hen Alters. Im Herbſt wurde noch ein Schüler in die III. Klaſſe aufgenommen.

Zu der am 9. Juni unter Leitung des Direktors von den Seminarlehrern Müller und Meiſter und den ſtädtiſchen Elementarlehrern Hilpiſch und Herber abgehaltenen Adſpi⸗ rantenprüfung hatten ſich nur 6 Präparanden eingefunden, die alle als Adſpiranten aufgenom⸗ men wurden.

Das Schuljahr wurde am 2. Juni eröffnet, die Herbſtferien dauerten vom 17. Septem⸗ ber bis zum 18. Oktober, die Weihnachtsferien vom 23. Dezember bis zum 3. Januar. Som⸗ mer⸗ und Winterhalbjahr wurden um 7 Uhr mit Gottesdienſt in der Hauskapelle eröffnet, dem alle Lehrer und Schüler beiwohnten. Um 8 Uhr war Eröffnung im Schulſaal mit Cho⸗ ralgeſang, Gebet, Mittheilung der Schulgeſetze und Anſprache des Direktors an Lehrer und Schüler.

Die Trimeſtralcenſuren wurden in der im Programm von 1857 S. 53. angegebenen, von der Pädagogik erprobten, von der Herzoglichen Behörde gutgeheißenen Weiſe abgehalten. In einer Lehrerconferenz wurden die Noten der Schüler im Betragen, Fleiß und Kenntniſſen feſt⸗ geſtellt. Darauf hielt der Direktor in Gegenwart aller Lehrer an die im Schulſaal verſammel⸗ ten Schüler, nachdem der Religionslehrer dieſen Akt mit einem Gebet eröffnet, eine Anſprache, worin er über den ſittlichen und wiſſenſchaftlichen Geiſt der Schüler im abgelaufenen Zeitraum Rechenſchaft gab und die geeigneten Lehren und Ermahnungen anknüpfte. Hierauf begaben ſich die Schüler in ihre Klaſſen, wo dann der Direktor wieder in Gegenwart aller Lehrer jedem Einzelnen ſeine Cenſur mittheilte und die Rangordnung bekannt machte.

In religiöſer Hinſicht bemerke ich, daß Schüler und Lehrer an Werktagen der hl. Meſſe in der Hauskapelle der Anſtalt, an Sonn- und Feiertagen dem vor- und nachmittägigen Got⸗ tesdienſt in der Pfarrkirche beiwohnen und regelmäßig alle 8Wochen zum hl. Abendmahl gehen.

An dem vom Hl. Vater Papſt Pius IX. ausgeſchriebenen Jubiläum betheiligte ſich das Seminar, wie es ſich für eine ſolche Anſtalt geziemt, mit dem Beiſpiel in freiwilliger Religions⸗ übung voranzugehen, in folgender Weiſe. Am Sonntag, Montag und Dienſtag der erſten Jubiläums⸗ woche war Abends von 5 ½ bis dei Uhr Andacht, am Mittwoch Beicht und am Donnerſtag Kommunion in der Pfarrkirche. Alle Lehrer und Schüler nahmen freudig Antheil an der gan⸗ zen Feier, die vom Seminar gehalten, aber auch von vielen Bewohnern der Stadt und Um⸗ gegend beſucht wurde.

Das Geburtsfeſt Seiner Hoheit unſers allgeliebten Herzogs war wie jedes Jahr