Jahrgang 
1903
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der Bürgerschaft hege. die Hoffnungen auf Erweiterung der Schule zu einer Oberrealschule. Das Hoch, das dann Heir Beigeordneter Flach aukf die Architekten, sowie die Handwerksmeister und ihre Gehülfen ausbrachte, gab Herrn Baurat Schnitzel Anlass zu mehreren teils ernst, teils launig gehaltenen Ansprachen. Von den sonst noch gehaltenen Reden mögen Erwähnung finden die Worte, mit denen Herr Professor Wamser die früher an der Schule tätig gewesenen Lehrer und die ehemaligen Schüler fcierte..

Nach aufgchobener Tafel begann um 5 Uhr unter grosser Beteiligung der hies. Bevölkerung

der Festkommers.

Dessen geistigen Rahmen bildeten die Lieder, die von einigen Herren, die früher unserer Anstalt als Lehrer oder Schüler angehört hatten, zum Feste gewidmet waren. DasPröffnungslied von Herrn Oberlehrer Otto Altendorf wandte sich in warmen Worten an Lehrer und Schüler, wenn sie zum ersten Mal das neue Haus betreten. Zwei witzsprühende Lieder von Herrn Direktor Dr. Störiko behandelten den Abschied von dem alten Schulhaus und das gegenwärtige Lehrer- kollegium. Herr Hauptlehrer August Storch, der seine freundliche Muse schon so oft erfolgreich in den Dienst örtlicher Veranstaltungen gestellt hat, lenkte in seinem Liede den Blick auf hervor- ragende Gestalten aus unserer Schulgeschichte, auf Landgraf Philipp von Hessen-Butzbach, auf die Rektoren Clermont und Weidig. Der ausgezeichnete Kenner der mittelalterlichen Geschichte unserer Stadt. Herr Direktor Dr. Otto, hatte in feinen, historisch-treuen Zügen ein Kulturbild aus der Zeit der Butzbacher Kugelherren entworfen, und Herr Professor Tasche, der ehemalige Rektor unserer höheren Bürgerschule, schloss den Reigen mit einem humorvollen Lied zum Lobe Butzbachs.

Zwischen den Liedern fand noch manches treffliche Wort seinen Platz; das Erhebendste aber war, in wie herzlicher Weise die verehrungsvolle Liebe und dankbare Anhänglichkeit der früheren Schüler. die z. T. aus weit entfernten Orten herbeigeeilt waren, sich kundgab. Möge es der Schule auch im neuen Hause vergönnt sein, diese Gefühle, die den schönsten Lohn für die dornenvolle Tätigkeit des Lehrers bilden, stets in den Herzen ihrer Zöglinge zur Entfaltung zu bringen!

B) Sonstige Ereignisse des Schuljahres 1902/03.

Die Direktion hatte die Errichtung einer neuen Stelle für einen akademischen Lehrer be- antragt; dieser Antrag wurde genehmigt und die Verwaltung der Stelle Herrn Accessist Dr. Rein- hard Strecker aus Mainz übertragen. Dadurch war es möglich, einerseits die Ueberlastung der Lehrer mit Unterrichtsstunden einzuschränken, andererseits einen Teil der Klassenkombinationen aufzulösen.

Herr Assessor Gustav Spiegel wurde an die Realschule zu Oppenheim versetzt; an seine Stelle trat Herr Assessor Friedrich Glaser, bisher in Oppenheim tätig.

Am 6. Juni beehrten die Herren Ministerialrat Dr. Eisenhuth und Geh. Oberschulrat Nodnagel die Schule mit ihrem Besuch und wohnten dem Unterricht in mehreren Klassen bei.

Verschiedene Krankheitsfälle verursachten beträchtliche Störungen im Unterrichtsbetriebe. Herr Dr. Strecker hatte das Unglück, ein Bein zu brechen, und konnte deswegen vom 22. April bis 4. Juni seinen Dienst nicht versehen. Herr Professor Storck wurde wegen eines chronischen Halsleidens vom 3. Mai bis 28. Juni beurlaubt und während dieser Zeit von Herrn Accessist Gustav Köllner aus Lollar vertreten. In der ersten Hälfte des Winters erkrankte am Schar- lachfieber ein Kind des Herrn Pfarrer Loos, was zur Folge hatte, dass dieser 5 Wochen lang der Schule fern bleiben musste. Die nämliche Krankheit befiel dann Ende Januar zwei Kinder des Direktors, so dass auch dieser mehr als 3 Wochen lang nicht unterrichten konnte.

Ungewöhnlich traurig war das abgelaufene Schuljahr dadurch, dass wir den Tod von drei braven Schülern zu beklagen hatten. Am 27. Juli starb nach kurzem Kranksein der Obertertianer Paul Dern, am 30. November wurde ganz plötzlich der gleichfalls die Obertertia besuchende Heinrich Kissler dahingerafft und am 14. Dezember verschied nach längerem Leiden der Quintaner Heinrich Fourier. Lehrer und Schüler gaben ihnen das letzte Geleite.