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Eine ganz beſondere Freude wurde uns dadurch zu Theil, daß Herr Maler L. Horſt zu Stuttgart, ein früherer Schüler unſeres Gymnaſiums, demſelben das von ihm gemalte Oelbild des im Jahre 1873 ver⸗ ſtorbenen Directors und Oberſtudienraths Dr. Thudichum zum Geſchenk machte. Dr. Thudichum, ein höchſt verdienſtvoller Gelehrter und Pädagog, der in weiteren Kreiſen beſonders durch ſeine Ueberſetzung des Sopho⸗ kles bekannt geworden iſt, war vom Jahr 1818 an Lehrer und von 1829 bis 1862 Director des hieſigen Gymnafiums und hat ſich durch ſeine erfolgreiche Wirkſamkeit ſowohl allgemeine Achtung und Anerkennung als auch in ganz beſonders hohem Grade die treue Verehrung und begeiſterte Liebe ſeiner Schüler erworben. Wie dieſe Anhänglichkeit ſchon vielfach öffentlich zum Ausdruck gekommen iſt— ſo u. A. in dem Trinkſpruch des Herrn Kirchenrats Meyer bei Gelegenheit des Jubiläums des Gymnaſiums im Jahre 1872— vergl. das damals veröffentliche Feſtprogramm pag. 37— ſo wird ſie in gleicher Weiſe bezeugt durch das von Herrn Horſt geſtiftete Bild, auf welchem der Künſtler ſeinen geliebten Lehrer in lebendiger Haltung, mit geiſtvollem Ausdruck und mildem, freundlichem Blick unterrichtend dargeſtellt hat. Das Gemälde, das ein von Herrn Profeſſor Dr. Thudichum in Tübingen, dem Sohn des Genannten, geſchenkter geſchmackvoller und ſchöͤn⸗ gearbeiteter Eichenholzrahmen umgibt, wurde am 28. September 1888 von Herrn Horſt in Gegenwart der Lehrer und Schüler des Gymnaſiums feierlich überreicht. In einer Anſprache berichtete derſelbe unter herzlichen AÄußerungen der Dankbarkeit gegen ſeinen hochverehrten Lehrer von ſeinen Jugendeindrücken und Erinnerungen aus einer Zeit vor vierzig Jahren, worauf der Direktor im Namen der Schule das Geſchenk annahm,„das bis in die ſpäteſten Zeiten eine Zierde unſeres Feſtſaales bilden ſolle, wertvoll durch die Be⸗ deutung der dargeſtellten Perſönlichkeit, wertvoll durch künſtleriſche Vollendung und lebendige und naturgetreue Ausführung, wie nicht minder durch den Ausdruck der Pietät, mit der es dargebracht wurde.“— Den beiden gütigen Gebern ſei auch an dieſer Stelle nochmals der herzliche Dank unſeres Gymnaſiums ausgeſprochen!
Der Aufforderung Großherzoglichen Miniſteriums entſprechend bildeten ſich unter Beteiligung ſämmtlicher Schüler der la und lb und der Mehrzahl der Schüler von Ila Abteilungen freiwilliger Krankenträger. Den Unterricht und die Leitung der Uebungen übernahm mit dankenswerter Bereitwilligkeit der hieſige Kreisarzt, Herr Dr. Brettel, den die Herren Dr. Müller und Dr. Baur bei der Ausführung der Uebungen unterſtützten.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers Wilhelm II. wurde von unſrer Schule durch eine Vorfeier am 26. Januar 1889 unter höchſt erfreulicher Beteiligung der Angehörigen der Schüler feſtlich begangen. Die Feſtrede hielt Herr Dr. Oßwald.
Am 9. März 1889, dem Todestage des Kaiſers Wilhelm 1., wurde eine Gedächtnißfeier abgehalten, bei welcher Herr Gymnaſiallehrer Kölſch in einer Rede der Tugenden und Verdienſte des Begründers des deutſchen Reiches gedachte.
Im Laufe des Schuljahrs ſind der Gymnaſialbibliothek von verſchiedenen Seiten Geſchenke zugekommen, für welche der Unterzeichnete im Namen der Schule den gütigen Gebern hiermit den gebührenden Dank ausſpricht.


