Jahrgang 
1878
Einzelbild herunterladen

12

ſeinen ſtillen Weihern und dem berühmten Irrgarten einen Beſuch abzuſtatten. Die Direktion der Ober⸗ heſſiſchen Ciſenbahn zu Gießen, die der Frankfurt⸗Bebraer Bahn zu Sachſen⸗ hauſen und die der Heſſiſchen Ludwigsbahn zu Mainz hatten mit höchſt dankenswerther Liberalität den Theilnehmern an dem Ausfluge bedeutende Ermäßigungen der Fahrpreiſe gewährt.

Ein öffentlicher Redeakt am Schluſſe des Sommer⸗Semeſters konnte nicht gehalten werden, da wir eines für ſolche Schulfeierlichkeiten geeigneten Saales ermangeln.

Der Geſundheits⸗Zuſtand der Schüler und der Lehrer war im Sommer⸗Semeſter befriedi⸗ gend, aber im Winter⸗Halbjahr ließ derſelbe viel zu wünſchen übrig. Im dritten und vierten Quartal rief die höchſt ungünſtige, ſchnell und oft wechſelnde Witterung zahlreiche Krankheiten hervor. Durch letz⸗ tere veranlaßt, traten leider viele Verſäumniſſe ein. Der unerbittliche Tod raffte einen braven und hoff⸗ nungsvollen Schüler der Anſtalt, den Abiturienten Wilhelm Dechent aus Wallertheim in Rheinheſſen, dahin. Kaum hatte dieſer beklagenswerthe Jüngling die ſchriftliche Maturitäts⸗Prüfung glück⸗ lich beſtanden, als ein hartnäckiges Bruſtübel, an welchem er ſeit einigen Jahren litt, einen höchſt bedenk⸗ lichen Grad erreichte, ſo daß der Patient wenige Tage vor der mündlichen Prüfung der Abiturienten in's Vaterhaus eilte und dort am 25. März, dem Tage des mündlichen Examens ſeiner Commilitonen, in die Ewigkeit hinüberſchlummerte. Herr Dr. Weyerhäuſer bezeigte perſönlich im Namen des Lehrer⸗Kollegiums den Eltern und Angehörigen des Dahingegangenen das wärmſte Beileid und wohnte nebſt mehreren Zög⸗ lingen unſerer Anſtalt dem zahlreichen Leichenbegängniß bei. Die Primaner ſandten zwei ſchöne Kränze als Zeichen ihrer herzlichen Theilnahme an dem Trauerfalle: Möge Gott den trauernden Eltern des Ent⸗ ſchlafnen, die durch den plötzlichen Hintritt des geliebten Sohns ſo ſchwer geprüft ſind, Stärke verleihen, daß ſie dieſen herben Verluſt mit Ergebung tragen! Dem Verblichnen aber rufen wir aus tiefbewegtem Herzen in die Gruft, die ihn zur ewigen Ruhe aufgenommen hat, nach:

Friede, Friede deiner Aſche! Ehre deinem Andenken!

Von den Lehrern ſahen ſich durch Krankheit einige Wochen hindurch der Wahrnehmung ihrer Funktionen entzogen Herr Dr. Weyerhäuſer und Herr Profeſſor Dr. Blümmer. Letzterer liegt ſeit dem 2. April ſchwer erkrankt darnieder.

An Geſchenken ſind der Anſtalt im Laufe der Schuljahrs 1877/78 zugewendet worden:

1) von Herrn Dr. iuris Möbius zu Grünberg 12 werthvolle Werke der ſpaniſchen Literatur;

2) von der Großherzoglichen Centralſtelle für die Landes⸗StatiſtikBeiträge zur Statiſtik des Großherzogthums Heſſen(15. Band, 2. Heft, und 16. Band);

3) von der Jäger'ſchen Buchhandlung in Frankfurt a/M. J. G. Zimmermann's latei⸗ niſche Anthologie aus Phädrus und Ovidius. Siebente mit einem Wörterbuche verſehene Auflage von A. Weidner und L. Conzen;

4) von Herrn Domänenrath Wegelin zu Büdingen ein Sortiment Mineralien;

5) ven Her Karl Stammler zu New⸗York eine aus Kokosnuß⸗Faſern gefertigte Indianer⸗

ütze;

6) von Herrn Lehrer Luft zu Mainz ein Exemplar Onosma arenarium L.;

7) von dem Ober⸗Primaner Georg Hölper aus Königſtein 22 Hefte von Dieffenbach's Großherzogthum Heſſen.

Die Direktion des Gymnaſiums verfehlt nicht, den gütigen Gebern den wärmſten Dank

abzuſtatten.

..-:SE=