4. Chronik der Anſtalt.
Kurz vor dem Beginne des Schuljahrs 1877/78, das mit dem 24. April ſeinen Anfang nahm, ward der bisherige Religionslehrer, Pfarrer Theodor Klein, durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. April 1877 auf erfolgte Präſentation Seitens Seiner Durchlaucht des Fürſten Bruno zu Yſen⸗ burg und Büdingen zum ordentlichen Lehrer am hieſigen Gymnaſium ernannt. Im Laufe des Schuljahrs traten folgende Veränderungen in dem Lehrer⸗Perſonal ein:
1) Durch höͤchſte Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulange⸗ legenheiten, vom 14. Mai 1877 ward dem Gymnaſiallehramts⸗Acceſſiſten Dr. Hermann Geiſt zu Darmſtadt die proviſoriſche Verwaltung der Stelle eines Lehrers am hieſigen Gymnaſium über⸗ tragen. Der Genannte trat ſeinen Dienſt am 18. Juni an.
2) Am 25. Mai 1877 enthob Großherzogliches Miniſterium des Innern, Abtheilung für Schulange⸗ legenheiten, die außerordentlichen Lehrer Fix und Flach„unter dankender Anerkennung der ſeit langer Zeit dem Gymnaſium zu Büdingen mit Treue und Geiſſenhaftigkeit geleiſteten erſprießlichen Dienſte“ ihrer Funktionen mit Wirkung vom 1. Juni. Stadtſchullehrer Wilhelm Flach hat vom Jahr 1833 bis Pfingſten 1877, Stadtſchullehrer Philipp Heinrich Fix vom Jahr 1839 bis Pfingſten 1877 als außerordentlicher Lehrer am hieſigen Gymnaſium gewirkt. Der Unterzeichnete ſprach im Namen des Gymnaſiums unterm 31. Mai 1877 den in Rede ſtehenden Lehrern den ge⸗ bührenden Dank für ihre langjährige ſegensreiche Wirkſamkeit ſchriftlich aus.
Definitive Gehaltszulagen erhielten die nachbenannten(Lehrer:
1) Profeſſor Dr. Franz Blümmer durch Allerhöchſtes Dekret vom 19. Mai 1877,
2) Friedrich Trefz durch höchſtes Dekret vom 19. Mai 1877,
3) Dr. Theodor Walter durch Allerhöchſtes Dekret vom 8. November 1877,
4) Dr. Hermann Borhauer„ 5„„„
5) Ludwig Fink durch höchſtes Dekret vom 8. November 1877.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 24 Februar 1878 wurde Dr. Hermann Geiſt als ordentlicher Lehrer am hieſigen Gymnaſium definitiv angeſtellt. Ueber ſeinen Lebens⸗ und Studiengang theilt derſelbe Folgendes mit:
Dr. Hermann Geiſt, geboren zu Gießen am 3. Februar 1854, Sohn des jetzt penſionirten Gymnaſialdirektors Dr. Geiſt, beſuchte von Herbſt 1863 bis Oſtern 1871 das Gymnaſium zu Gießen. Sodann widmete er ſich auf der Landes⸗ Univerſität dem Studium der klaſſiſchen Philologie und betheiligte ſich an den Uebungen des philologiſchen Seminars, dem er 1 Semeſter als außerordentliches und 6 Semeſter als ordentliches Mitglied angehörte. Im Sommer 1873 beſtaud er die Vor⸗, im Sommer 1875 die Fachprüfung für die Aſpiranten des höheren Lehramtes vom Standpunkte der klaſſiſchen Sprachen aus. Unter die Zahl der Gymnaſiallehramts⸗Acceſſiſten aufgenommen, verwaltete er eine Stelle am Gymnaſium und der Realſchule zu Worms von Herbſt 1875 bis Herbſt 1876, wo er an das Gymnaſium zu Darmſtadt berufen wurde. Vor Pfing⸗ ſten 1877 betraute ihn Großherzogliches Miniſterium des Innern mit der proviſoriſchen Verwaltuug einer Lehrerſtelle am Gymnaſium zu Büdingen und durch Allerhöchſtes Dekret vom 24. Februar 1878 wurde er zum ordentlichen Lehrer an dieſer Anſtalt ernannt..
Da bei Beginn des Schuljahrs die Zahl der Sextaner auf 22 ſtieg und der Raum des Kon⸗ ferenz⸗Zimmers, das zugleich als Lehrzimmer der Sexta diente, ſo viele Schüler nicht faſſen konnte; ſo mußten wir uns nach einem andern Lokale außerhalb des Gymnaſialgebäudes umthun. Ue⸗ ber die nicht geringe Verlegenheit, in welcher wir uns befanden, half uns die Gnade Seiner Durch⸗ laucht des Fürſten Bruno zu Yſenburg und Büdingen hinweg, indem Höchſtder⸗ ſelbe geruhte, uns ein zureichendes Lokal unentgeltlich zur Verfügung zu ſtellen.
Im Juli 1877 und zu Anfang des Monats Februar 1878 hatten wir die Ehre, Herrn Ober⸗ ſchulrath Becker bei uns zu ſehen. Derſelbe nahm Einſicht von dem Gange des Unterrichtes in den ver⸗ ſchiednen Klaſſen.
Am 6. Juli machten die Primaner, Sekundaner und Tertianer mit der Mehr⸗ zahl der Lehrer per Eiſenbahn einen Ausflug nach der altehrwürdigen Stadt Aſchaffenburg, der Ascapha am Main, um dem Pompeianum, dieſem auf einem Hügel prangenden wunderſamen Bau, welchen die Stadt dem kunſtſinnigen König Ludwig lJ. zu danken hat, ſowie dem über ſtolze Baumwipfel majeſtätiſch mit ſeinen vier koloſſalen Eckthürmen emporragenden alten Schloß St. Johannisberg, in dem König Ludwig oft und gern weilte, und dem„Schönen Buſch“ mit ſeinen prächtigen Parkanlagen,
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