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Aus der Quinta ging 1 Schüler in eine höhere Lehranſtalt ſeiner Vaterſtadt, Frankfurts a. M., über. Aus der Sexta trat 1 Zögling wegen Kränklichkeit aus.
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4. Chronik der Anſtalt.
Am 6. April 1875 ward das Schuljahr 1875/76 mit einer Verſammlung der Lehrer und der Zöglinge in der Aula eröffnet, nachdem die Aufnahme und Prüfung der Schüler, die in das Gymnaſium eintreten wollten, während der vorhergehenden Tage ſtattgefunden hatte. Kurz vor dem Beginne dieſes Schuljahres hatte Großherzogliches Miniſterium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, durch hohe Verfü⸗ gung vom 2. April 1875 dem Joh. Friedrich Trefz aus Rottenmünſter die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle am hieſigen Gymnaſium übertragen. Der Genannte trat am 8. April des Vorjahrs in das hieſige Gymnaſiallehrer⸗Collegium ein. Seine Perſonalien laſſen wir hier folgen:
Johann Friedrich Trefz, Sohn des Salinenbeamten Trefz zu Rottenmünſter in Württemberg, wurde am 30. Juli 1834 zu Bonfeld geboren. Seinen erſten Unterricht genoß er in der Lateinſchule zu Brackenheim, woſelbſt er für das Landexamen(Aufnahmsprüfung in eines der niederen theologiſchen Seminare) vorbereitet wurde. Nach Abſolvirnng desſelben beſuchte er das Gymnaſium zu Stuttgart und trat nach beſtandener Maturitätsprüfung in die daſige polytechniſche Schule ein. Zwei Jahre ſpäter ging er auf die Univerſität Zürich, um Naturwiſſenſchaften und neuere Sprachen zu ſtudiren. In Zürich machte er die Bekanntſchaft des Barons von Paravicini, in deſſen Haus er ſpäter 4 ½ Jahre lang als Hofmeiſter fungirte. Eine ähnliche Stellung bekleidete er 5 Jahre lang in Kienitz(Mark Brandenburg) im Haus des Rittergutsbeſitzers Bußler. Hierauf kehrte er nach Württemberg zurück und wirkte mehrere Jahre an dem von Heine'’ſchen Inſtitut in Cannſtatt. Danach beſtand er ſeine Staatsprüfung und wurde als Lehrer an das Gymnaſium zu Stuttgart berufen, woſelbſt er eine Reihe von Jahren wirkte. Im Jahr 1871 machte er eine Reiſe nach Amerika, beſuchte ſämmtliche Staaten des Weſtens der United States, ebenſo die Staaten des mexikaniſchen Golfes und einen großen Theil Mexiko's. Im Jahre 1874 kehrte er von Amerika zurück und wurde durch Miniſterial⸗Dekret vom 2. April 1875 an das Großherzogliche Gymnaſium zu Büdin⸗ gen berufen.
In der letzten Woche des Aprils 1875 und in der erſten und zweiten des Mais unternahmen die Ordinarien Ausflüge mit den Schülern ihrer Klaſſen nach ſchönen Ausſichtspunkten in Büdingens reizeuder Umgebung.
Gegen Ende des Monats Juli wurde unſere Anſtalt durch einen Beſuch des Herrn Oberſchul⸗ raths Becker erfreut. Auch Herr Miniſterialrath Knorr beehrte im Lauf des Schuljahrs 1875/76 Büdingen mit ſeinem Beſuche, und zwar zweimal, und beurkundete ſein warmes Intereſſe für unſere Anſtalt, indem er zwei Conferenzen abhielt, welche ſich mit der Frage betreffs der Errichtung eines neuen Gymnaſialgebäudes beſchäftigten.
Unterm 3. Juni 1875 enthob Großherzogliches Miniſterium des Innern, Abtheilung für Schulangelegen⸗ heiten, Gymnaſialpedellen Johannes Babſt mit Wirkung vom 1. Oktober 1875 ſeines Dienſtes, da er wegen ſeines vorgerückten Alters wichtigen Obliegenheiten außerhalb des Schulgebäudes nicht mehr nachkommen konnte. Babſt hat vom Herbſt 1843 bis zum 21. Oktober 1875, alſo 32 Jahre hindurch, den Poſten eines Pedellen am hieſigen Gymnaſium bekleidet und ſich durch Dienſteifer, Treue und Redlichkeit ausge⸗ zeichnet; daher ſprechen wir ihm hier öffentlichen Dank für ſeine langjährige untadelhafte Dienſtführung aus. Möge ſein Lebensabend ſorgenfrei und ſo hell wie möglich ſein!
Den Dienſt eines Pedellen am hieſigem Gymnaſium verſah proviſoriſch der Gendarme zu Fuß Johann Karl Eller aus Büdingen vom 21. Oktober 1875 bis zum 1. Februar 1876. Seit dem 1. Februar 1876 iſt Inhaber der in Rede ſtehenden Stelle der Feldwebel in Penſion Konrad Schombert, geboren am 9. November 1832 zu Heckersdorf im Kreiſe Schotten. Großherzogliches Minſterium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, hatte die Direction der Anſtalt unterm 18. Januar 1876 ermächtigt, den Dienſt eines Pedellen am hieſigen Gymnaſium dem Letztgenannten proviſoriſch zu übertragen, was unterm 27. Januar 1876 geſchah.


