Durch Verfügung vom 13. November 1920 wurde mit Zustimmung des Staatsministeriums genehmigt, daß die Oberprima deszGymnasiums angegliedert werden könne. Besonderer Dank für die Ausgestaltung zur Vollanstalt(Gymnasium) gebührt neben der Stadtverwaltung und der Stadtverordnetenversammlung dem damaligen vizepräsidenten der hess. Volkskammer, dem Herrn Abgeordneten Heinrich Soherr aus Bingen.
Am 16. März 1921 wurde die kathol. Religionslehrerstelle in eine Oberlehrerstelle umge- wandelt. Die Bemühungen um Erreichung dieser Stelle reichen bis ins Jahr 1886 zurück.
Zur Vertretung weilte hier vom 4. 4. 1921 bis zu den Sommerferien 21 Herr Lehramtsassessor Wilhelm Bernhard Fritz.
Herr Kaplan Friedrich Lennert wurde durch Verfügung des L. f. d. B. vom 17. Aug. 1921 mit Wirkung vom 16. April 1921 ab zum Oberlehrer an der oben erwähnten Religionsoberlehrer- stelle ernannt.
Im Zusammenhang mit der Aufhebung der Vorschule schied Herr Reallehrer Johannes Kopp am 1. 10. 1921 aus unserem Schulverband aus; er war seit 1908 Mitglied des Kollegiums. Ebenso verließ am 25. April 1922 Herr Reallehrer Gustav Steinbach, der seit 1901 hier wirkte, unsere Anstalt. Ersterer trat an die evangelische, letzterer an die katholische Volksschule in Bingen über. Nach ihrem Weggang kamen am 17. 10. 1921 die Herrn Lehramtsassessor Dr. Ludwig Luckhard und Lehramtsreferendar Alexander Müller hierher. Letzterer wurde am 18. 10. 1921 zum Lehr- amtsassessor ernannt.
Die erste Reifeprüfung am Binger Gymnasium fand am 10. März 1922 unter dem Vorsitz des H. Ministerialrats Glückert statt. Sie war für alle Prüflinge von gutem Erfolg.
Herr Studienassessor Dr. Johannes Kohl wurde mit Wirkung vom 1. Februar 1923 zum Studienrat ernannt. Gegen Schluß des Schuljahres 1922/23 kamen die ersten Störungen infolge der Ausweisungen und der Bahnsperre. Durch Verfügung vom 1. 6. 1923 wurde Herr Studien- assessor Johannes Schalk zum Studienrat ernannt. Vom 13. Aug. 1923 bis zu den Weihnachts- ferien war Herr Schulverwalter Jakob Galle zur Vertretung für Herrn Reall. Rügner an der Schule tätig.
Die Schule hat besonders schwer in diesem Schuljahr unter den Besatzungsverhältnissen und den damit zusammenhängenden Verkehrs- und Wirtschaftsverhältnissen gelitten; sie verlor im Laufe dieses Jahres 75 Schüler, weil die Eltern der betr. Schüler zum großen Teil ausgewiesen wurden. Auch wurden drei Amtsgenossen am 4. August 1923 ausgewiesen: die Studienräte Dr. Jungk, Becker und Engelhardt. Ihre Rückkehr konnte erst zu Beginn des Winterhalbjahres 1924 erfolgen.
Zur Vertretung kam Herr Studienassessor Erwin Fritz von Mainz. Im übrigen wurden die Klassen zusammengelegt und so der Unterricht von den Amtsgenossen mitversehen.
Am Nachmittag des 16. November 1923 wurde Herr ObersfudiendireKktor Dr. Johann BaptistISeidenberger
in der Schule, als er gerade mit mehreren französischen Offizieren über die Abtretung verschiedener Räume an die franz. Elementarschule verhandelte, infolge Herzlähmung vom Tode überrascht Tiefe Erschütterung hatte die Schulgemeinde und die Stadtbevölkerung ergriffen ob des jähen Todes dieses um die Schule so sehr verdienten Schulmannes. Die Schule hatte einen schweren Verlust erlitten. Herr Direktor Seidenberger hatte seit Ostern 1916 die Binger höhere Schule geleitet.„Durch seine vorbildliche Pflichttreue, sein mit tiefem Wissen verknüpftes hervorragendes Lehrgeschick, sein offenes, freundliches Wesen hatte er sich die Zuneigung der ihm anvertrauten Jugend, die Hochachtung und Freundschaft seiner Amtsgenossen, die Wertschätzung und das Vertrauen der Eltern gewonnen.“ Zu den großen Verdiensten Seidenbergers gehört der Ausbau des Progymnasiums zum Vollgymnasium. Nicht nur die Binger Schule hat in ihm einen tüchtigen Leiter verloren, sondern die Schule überhaupt beklagte den Verlust eines ihrer Besten und Tüchtigsten. Was er auf dem Gebiete der Geschichte, der Erziehungslehre und der Staatsbürger- kunde in Wort und Schrift geleistet hat, wird unvergeßlich bleiben.
Auf Anregen und Betreiben des Herrn Prof. Como hat die Stadt Bingen die wertvolle Bibliothek des verstorbenen Oberstudiendirektors Dr. Seidenberger gekauft und zum größten Teil der Schule zum Geschenk gemacht. Der Stadtverwaltung gebührt für diese hochherzige Tat der Dank der Schule.
Herr Prof. Erckmann übernahm im Auftrag der Schulbehörde die Amtsgeschäfte des Direktors.
Die Weihnachtsferien mußten wegen Kohlenmangels und zeitweiser Belegung der Schule mit franzõs. Truppen bis zum 4. Februar 1924 verlängert werden.
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