III. Zur Geschichte der Anstalt.
Der letzte Jahresbericht unserer Schule ist Ostern 1917 erschienen. Aus der Geschichte der Binger höheren Schule von Ostern 1917 bis Ostern 1927 tragen wir nur die wichtigsten Ereignisse nach, die Ereignisse in ihrer Gesamtheit seit dieser Zeit sind in schriftlichen Berichten im Archiv der Schule niedergelegt.
Mit Beginn des Schuljahrs 1917/1918 wurde Herr Prof. Ludw. Kreisel auf seinen Wunsch an die Oberrealschule in Mainz versetzt. Seit Sommer 1906 hatte er an der hiesigen Schule mit gutem Erfolge gewirkt. Herrn Lehramtsassessor Rudolf Grosch, der seit Ostern 1917 an unserer Schule tätig war, wurde im Juni 1918 die Verwaltung einer Oberlehrerstelle am Realgymnasium zu Gießen übertragen. Als sein Nachfolger kam Herr Oberlehrer Karl Engelhardt von der Realschule Langen hierher. Zur Vollendung seines Vorbereitungsdienstes wurde nach seiner Rückkehr aus dem Kriege am 4. Dezember 1918 Herr Lehramtsreferendar Adolf Schmahl unserer Anstalt überwiesen. Er wurde am 1. 2. 1919 zum Lehramtsassessor ernannt. Vom 6. 2. 19 ab übernahm Herr Ass. Schmahl eine seither von einer Lehrerin verwaltete Oberlehrerstelle.
Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, daß unsere Schule schwer gelitten hat zur Zeit des Rückzuges der Deutschen Truppen vom 20. 11. bis 14. 12. 1918, und noch mehr unter der Besatzung. Dazu kam gerade in jener Zeit Kohlenmangel, ferner in der ersten Zeit der Besetzung und im Ruhrkampf vielfache Störung im Eisenbahnfahrplan. All das hat den Unter- richtsbetrieb in jener traurigen Zeit sehr stark geschädigt.
Ostern 1919 trat Herr Kaplan Lennert als Religionslehrer an Stelle des Herrn Kaplans Mergler, der Rektor des Konvikts in Bensheim wurde. Am 23. Juli 1919 wurde ein Lehrer- veteran der Binger Schule,
Herr Reallehrer Heinrich Stassen
unter zahlreichem Geleite zu Grabe getragen. Er hat von Ostern 1879 bis Ostern 1908 an unserer Schule segensreich als Zeichen- und Gesanglehrer gewirkt.
Nach längerem Leiden, das er sich im Kriege zugezogen hatte, starb am 27. Juli 1919
Herr Oberlehrer Karl Ensgraber.
Er war am 8. 12. 1881 zu Wimpfen geboren und kam am 7. April 1907 an die hiesige Schule, wo er auch am 2. Mai 1910 definitiv angestellt wurde. Den Krieg hat er vom Mai 1916 bis zum Ende mitgemacht. Selbst ein großer Freund des Sports wußte er auch die Schüler hierfür zu begeistern. Als Verfasser stimmungsvoller Novellen und Erzählungen ist er in der Oeffentlichkeit bekannt geworden. Als Lehrer und Schriftsteller hätte er sich noch bewähren können, wenn ihn der Tod nicht allzu früh hinweggenommen hätte.
Zu seinem Nachfolger wurde am 20. 10. 1919 Herr Lehramtsassessor Adam Ofenloch an unserer Schule ernannt. Er war bis dahin an der Marienschule in Mainz tätig. Herr Lehramts- assessor Dr. Hugo Holzapfel wurde mit Wirkung vom 29. Oktober 1919 an das alte Gymnasium in Mainz versetzt, er war seit 16. April 1917 hier verwandt. An seine Stelle trat Herr Studienrat Prof. Heinr. Luttenberger, seither am Gymnasium in Oberehnheim im Elsaß. Aus dem Elsaß ausgewiesen, wurde er als Hesse(geb. in Fürfeld) in den hessischen Dienst übernommen. Wegen Verzögerung der Einreiseerlaubnis konnte er erst am 20. November 1919 seinen Dienst antreten. Mit Mirkung vom 1. 4. 1920 wurde Herr Luttenberger zum hessischen Oberlehrer ernannt. Am 22. 1. 1920 kehrte Herr Oberlehrer Dr. Brück aus der französischen Gefangenschaft zurück und nahm seinen Dienst wieder auf.
Im Mai und Juni 1920 war die Schule mit französischen Truppen belegt. Der Unterricht konnte nur notdürftig gehalten, zum Teil mußte er ausgesetzt werden. Erst ab 7. Juli 1920 konnte der Unterricht wieder regelmäßig durchgeführt werden, nur die Turnhalle blieb noch bis zu den Herbstferien für Truppen reserviert. Vorübergehend wurden auch einige Räume dem Rheinischen Technikum und der Baugewerkschule zur Verfügung gestellt.
Nach langen Verhandlungen wurde vom Landesamt für das Bildungswesen am 27. 2. 1920 die Genehmigung erteilt, dem Progymnasium die Unterprima anzugliedern.
Durch Verfügung des L. f. d. B. vom 6. April 1920 wurde im Zusammenhang mit der Einführung der Einheitsschule zunächst die unterste Klasse der Vorschule aufgehoben.
Am 8. 4. 1920 wurde Herr Lehramtsassessor Dr. Heinrich Hahn an unsere Schule versetzt, an der er mit Wirkung vom 1. 4. 1920 ab zum Oberlehrer ernannt wurde.
Am 17. 8. 1920 kam Herr Lehramtsassessor Franz Kuhn hierher.
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