Schule ihren Teil daran haben und sagen können:„Das ist mein Stolz!“— Ich komme zum Schluß. Es will mich bedünken, daß die Pietät, die in die Herzen der Schüler r. ge-
pflanzt werden soll, es verlangt, daß wir am heutigen Tage der Männer uns in Dankbarkéit erinnern, die ie von den Anfängen der Schule an bis auf unsere Zeit ihre Kraft der Brziehung
= der Jugend, Sei es als Lehrer, sei es als Leiter, gewidmet und sich besondere Verdienste erworben haben. In erster Linie haben wir dieienigen im Auge, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ich nenne hier den Namen J. B. Mühr, der als Geh. Schulrat vor mehreren Jahren in Bensheim verstorben ist. Er hat lange Jahre an der Schule gewirkt und sich große Verdienste erworben um die herrliche z0ologische Sammlung, die sich durch ihre Reichhaltigkeit neben vielen anderen sehen lassen kann.
3 Namentlich aber gebührt es sich, eines Mannes ehrenvolle Erwähnung zu tun, der 32 Jahre an der Spitze der Anstalt gestanden und dessen Name von der älteren Generation der Stadt mit hoher Achtung genannt wird, ich meine den Direktor Eduard Sander, der
im Jahre 1873 gestorben ist. Dankbare Bürger der Stadt haben seinen Namen im Jahre 1880 neben zwei anderen zum ewigen Gedächtnis in eine Erinnerungstafel eingeschrieben, die seither in der Turnhalle des alten Gebäudes angebracht war. Wir haben es für eine Ehrenpflicht gehalten, dieses Denkmal auch in dem Neubau der Nachwelt zu erhalten.
Und noch eines Mannes wollen wir nicht vergessen. Es ist der im vorigen Jahre in Frankfurt a. M. verstorbene Rentner Dr. iur. Jakob Feist, ein früherer Schüler unserer Anstalt, der sich als warmherzigen Freund der Schule gezeigt hat. Durch seine hochherzige Stiftung von 10 000 Mk. hat er uns in den Stand gesetzt, die Innenräume in künstlerischer Weise auszustatten. Ihm sei noch einmal der öffentliche Dank ausgesprochen.
Im Namen des Lehrerkollegiums darf ich in dieser feierlichen Stunde das Versprechen ablegen, daß auch wir unseren Stolz darein setzen werden, die uns anvertraute Jugend in wahrer Gottesfurcht, in treuer Liebezum Vaterlande, zu wissenschaff- lichem Streben— DEO— PATRIAE— MUSIS*— zu erziehen, und daß wir an unserem Teil dazu beitragen werden, daß unsere Anstalt ihre ehrenvolle Stellung neben den anderen höheren Schulen des Landes behauptet. Das walte Gott!—“
N** *
Zum Weihefeste!
Leis' rauscht des alten Rheines Wellenkranz, Und Drusus' Brücke liegt im Mondenglanz.— Aus seiner Gruft in weihevoller Nacht
Beim festen( Castrum Bingium erwacht Romas Centurio, der einstens trug,
Eh' er gefolgt des Römeradlers Flug,
Den Philosophenmantel zu Athen
Und Romas hohe Schule hat gesehn.
Sein grauer Geisterschatten steigt hervor
Und schwebt den Rhein entlang wie Nebelflor. Er spricht:„lst das die Zeit, die Welt, das Land, Das früher oft mein Geisterauge fand?
Das Land, wo einst geklirrt Cohortenschritt, Das Land, wo einst der Allemanne stritt,
Das Land, wo Winfried einst vorüberzog,
Das einst geseh'n die Kaiser hehr und hoch? Vorbei!— Vorbei!— Die einst der Blüte gleich An Hellas' Sonne sproßte voll und reich,
Die Weisheit, die durch Romas Kraft gereift, Und siegreich durch die alte Welt geschweift, Die Weisheit, die, als Romas Scepter fiel, In stillen Klöstern fand ihr traut Asyl
Und der Germania als edle Braut
*) Inschrift am Portale.


