Jahrgang 
1897
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1. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Das bedeutſamſte Ereigniß im abgelaufenen Schuljahr iſt die proviſoriſche Einrichtung von Pro⸗ gymnaſialabteilungen, womit einem ſchon lange gehegten Bedürfnis entſprochen worden iſt. Nachdem die Stadt Bingen die Koſten einer weiteren Lehrkraft für das Schuljahr 1896/97 bereitwilligſt übernommen hatte, konnten mit Beginn des laufenden Schuljahres 5 Progymnaſialabteilungen eröffnet werden. Der Erfolg war ein überraſchend guter, denn die 5 unterſten Abteilungen wieſen bald eine Schülerzahl von 59 Progymnaſiaſten auf, während die Anmeldungen für das neue Schuljahr 1897/98 bis Mitte März 1897 bereits 22 Schüler betragen. Wir glauben, daß durch dieſe Zahlen die Exiſtenzfähigkeit eines Progym⸗ naſiums in Bingen nachgewieſen iſt und hoffen, daß die neue Einrichtung ſich zum Segen der Stadt Bingen und ihrer Umgebung auch für die weitere Zukunft beſtens bewähren möge.

Für das Progymnaſium kam der Großh. Lehramtsacceſſiſt Karl Rouge aus Darmſtadt an unſere Anſtalt und trat mit Beginn des Schuljahres ſeinen Dienſt an.

Karl Rouge, geboren zu Darmſtadt am 24. Nov. 1870, beſtand Herbſt 1888 an dem Gymnaſium daſelbſt die Reifeprüfung und ſtudierte ſodann an der Univerſität Gießen klaſſiſche Philologie und Geſchichte. Nachdem er im März 1893 das Examen in dieſen Fächern beſtanden, abſolvierte er den Acceß am Gymnaſium zu Gießen und war hierauf an der Realſchule und dem Gymnaſium zu Offenbach a. M., an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Alzey und am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt thätig. Am 27. April 1896 wurde ihm die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Bingen übertragen.

Mit großem Bedauern ſahen wir zu Beginn des Schuljahres einen Kollegen von uns ſcheiden, der es verſtanden hatte ſich die Liebe ſeiner Schüler und die Freundſchaft und Hochachtung ſeiner Kollegen in hohem Maße zu erwerben. Herrn Dr. Johannes Praxmarer. Derſelbe war 7 Jahre an unſerer Anſtalt als katholiſcher Religionslehrer thätig und hat in dieſer Zeit aufs ſegensreichſte gewirkt. Er folgte einem Rufe ſeiner biſchöflichen Behörde als Religionslehrer an die Marienſchule nach Mainz. Unſere beſten Wünſche ſind dem verdienſtvollen Lehrer und verehrten Kollegen in ſeine neue Lebensſtellung gefolgt. An ſeine Stelle kam Herr Kaplan Geck, der ſeither ſchon als Geiſtlicher in Bingen thätig war.

Gottfried Geck, geb. am 3. Juli 1868 zu Ober⸗Mörlen, Kreis Friedberg, beſuchte von Herbſt 1881 bis Oſtern 1889 das Kaiſer⸗Wilhelms⸗Gymnaſium zu Montabaur, Regierungsbezirk Wiesbaden, widmete ſich dann 8 Semeſter dem Studium der kath. Theologie im biſchöflichen Prieſterſeminar zu Mainz, empfing am 26. Febr. 1893 im hohen Dom zu Mainz die Prieſterweihe und wurde durch biſchöfliches Dekret vom 5. März desſelben Jahres zum Kaplan in Bingen ernannt.

Der Großh. Reallehrer Auguſt Braun konnte leider ſeinen Unterricht zu Oſtern 1896 noch nicht wieder aufnehmen, da ſein Geſundheitszuſtand noch immer zu wünſchen übrig ließ. Sein Urlaub wurde bis zum Herbſt verlängert und zu ſeiner Vertretung der Großh. Lehramtsaſſeſſor Karl Zulauf der Anſtalt überwieſen. Auf Rat der Aerzte ließ ſich Herr Braun zu Herbſt nach einer milder gelegenen Stadt verſetzen. Er kam an die Großh. Realſchule zu Heppenheim a. d. B. Wir wünſchen und hoffen, daß der uns lieb gewordene Kollege an der Stätte ſeiner neuen Wirkſamkeit volle Geneſung finden möge. An ſeiner Stelle wurde der ſchon früher hier thätig geweſene Großh. Reallehrer Friedrich Fleiſchhauer von Heppenheim nach Bingen verſetzt.

Friedrich Fleiſchhauer, geb. am 4. Dez. 1860 zu Ermenrod im Kreiſe Alsfeld, beſtand zu Gießen am 12. Mai 1882 die Staatsprüfung in Mathematik, Phyſik und Chemie für alle Klaſſen und war darauf bis Herbſt 1883 Mitglied des pädagogiſchen Seminars zu Gießen. Nachdem er ſeiner Wehrpflicht genügt hatte, war er bis Januar 1886 Volontär an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Mainz, wo er dann die erſte proviſoriſche Verwendung fand. Vom 1. Juli 1886 bis zum 1. Oktober 1892 war er Hauslehrer bei Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Landgräfin von Heſſen in Frankfurt a. M. Vom 16. Oktober 1892 ab an der Realſchule zu Bingen proviſoriſch verwendet, dann am 1. April 1893 an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt verſetzt, wurde er durch Dekret vom 22. Juli 1893 definitiv angeſtellt. Durch Dekret vom 12. Dez. 1894 wurde er an die Realſchule zu Heppenheim(Bergſtr.) und durch Dekret vom 22. Aug. 1896 an die Realſchule zu Bingen verſetzt.

An Stelle des Herrn Dr. Sigmund Feiſt, der zu Herbſt unſere Anſtalt verließ, wurde der Großh. Lehramtsacceſſiſt Jakob Hellwig aus Bensheim hierher verſetzt.