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ſchwunden. Der ſüdweſtliche Turm zeigte bis zuletzt die Kugelſpuren aus der Beſchießung Bingens, die 1793 durch die Preußen vom Niederwald aus ſtattfand. Monumentale Bedeutung hatten. ſie nicht, doch bleibt ja das Verſchwinden, wie auch der Direktor hervorhob, ſolcher Zeugen der Vergangenheit immerhin zu beklagen. Das Haus wurde 1793 franzöſiſches Staats⸗ eigentum; 1795 wohnte Bernadotte darin, 1813 diente es(wie nochmals 1870/71) zu kriegeriſchen und ſanitätlichen Zwecken als Lazarett, und bis zum 1. Juni 1814 ſtarben 322 Soldaten darin. Man vergleiche darüber:„Die Verehrung des heil. Rochus von Dr. Bruder in Bingen“. An dieſen geſchichtlichen Rückblick knüpfte ſich ein Akt der Pietät, indem die dem Andenken der bisher verſtorbenen Mitglieder des Lehrerkollegiums geſtiftete Gedenktafel von Granit enthüllt ward. Dieſelbe trägt in goldenen Lettern die Inſchrift:„Dem Andenken von A. Hänlein, Ord. Lehrer 1847—1863, L. Arzberger I. Direktor 1838— 1830 † 1869, E. Sander, Direktor 1841 bis 1873, gewidmet von Einwohnern Bingens im Jahre des Umbaues 1880“.(Gefertigt von Herrn Leonhard in Eltville.)— Im letzten Teile der Rede ging der Direktor auf die von ihm und dem Lehrerkollegium beobachteten Grundſätze ein. An die Entlaſſung der Abiturienten knüpfte er eine Überſicht der Verſetzungsſtatiſtik und der dabei berückſichtigten Verhältniſſe.
Von den Vorträgen erwähnen wir zwei, den„über die Gletſcher“ und„die Vaterlands⸗ liebe in den Werken unſerer Dichter“. Die letztere Arbeit bewies, daß ein echt vaterländiſcher, auf Betonung der Geſchichte und der Mutterſprache mit geſtützter Geiſt in der Anſtalt gepflegt wird.— Wir verfehlen nicht, dieſem Artikel der„Darmſt. Ztg.“ noch beizufügen, daß der Gr. Direktor nach der Überſicht des Verlaufs des Um⸗ und Neubaues der hieſigen Gemeinde⸗ vertretung den gebührenden Dank für die nunmehr hergeſtellten Verbeſſerungen und die dazu bewilligten Geldmittel ausſprach.
Die Stelle des nach Mainz an das Großh. Gymnaſium durch h. Verfügung vom 5. März v. J. verſetzten Gr. Reallehrers Dr. Schaum wurde durch h. Reſkript vom 11. April dem Gym⸗ naſial⸗ und Realſchul⸗Lehramts⸗Acceſſiſten Dr. Adolf Helmsdörfer proviſoriſch übertragen. Der⸗ ſelbe ward den 27. Nov. 1848 zu Offenbach a. M. geboren, beſuchte die Gymnaſien zu Frankfurt (1856— 64) und Darmſtadt(1864— 66), ſtudierte außer klaſſ. Philoſophie beſonders deutſche Sprache und Geſchichte in Kiel, Berlin und Göttigen und promovierte an letzterer Hochſchule 17. Dezbr. 1873. Er diente vom 21. Juli 1870 bis 20. Juli 1871 als Einjährig⸗Freiwilliger, machte als ſolcher den Feldzug in Frankreich mit und erhielt außer der Kriegsdenkmünze das. Militär⸗Verdienſt⸗Kreuz. Seine Doktor⸗Diſſertation erſchien gedruckt 1873: Forſchungen zur Geſchichte des Abtes Wilhelm von Hirſchau.
Am 30. Juni beehrten die Herren Geh. Staatsrat Knorr und Geh. Oberſchulrat Becker die Anſtalt mit ihrem Beſuche.— Durch h. Verfügung vom 22. Auguſt v. J. ward das bei A. Bergſträßer zu Darmſtadt erſcheinende Regel⸗ und Wörterverzeichnis für die deutſche Recht⸗ ſchreibung in den diesſeitigen Schulen eingeführt.
Die Lehrerkonferenz hat demgemäß beſtimmt, daß alle nach VI über— ſowie alle neu⸗ eintretenden Schüler die bei uns eingeführten deutſchen Leſebücher in neuer Orthographie anzu⸗ ſchaffen haben. Dasſelbe empfehlen Direktor und Lehrerkollegium bei Neuanſchaffungen allen Schülern.— Nach h. Verf. vom, 28. Jan. v. J. gelten die ermäßigten Schulgeldſätze auch ferner für jüngere Brüder in den Vorſchulen; nach der vom 23. Nov. ſoll das Schul⸗ geld fortan vierteljährlich erhoben werden
Von Herbſt ab konnten die neuen Aborte(10) benutzt werden. Der Hof wurde neu gekieſt.
Am 24. Mai und 4. Okt. unternahmen alle Klaſſen mit ihren Ordinarien nähere oder entferntere Ausflüge in die Umgebung.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war befriedigend. Vom Lehrerkollegium fehlte wegen Erkrankung Ref. 3 Tage, R. Ziegler 9, Gr. Reallehrer Haller 11 Tage.
Für die Bewilligung der zur Erweiterung der Anſtalt und Anſtellung des def. neunten und prov. zehnten Lehrers nötigen Geldmittel ſprechen wir der Großh. Regierung, den Landſtänden und dem wohllöblichen Gemeinderate der Stadt Bingen den gebührenden Dank aus.
Ferner ſind wir, abgeſehen von den betr. Verlagsbuchhandlungen oder Autoren, folgenden Korporationen oder Perſonen zu Dank für die beigeſetzten Geſchenke verpflichtet: Dem Verwal⸗ tungsrat der Spar⸗ und Leihkaſſe dahier für 180 Mark zur Anſchaffung nötiger Ausrüſtungs⸗ gegenſtände. Die Schenkung erhielt am 11. Juni die Allerh. Landesherrl. Beſtätigung;
Frau Direktor Sander Erben bezhw. Herrn Heinr. Sander für ein Schränkchen mit Mineralien;


