Jahrgang 
1928
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Technische Arbeit in der Erdkunde.

Handfertigkeit und technisches Geschick der Schüler, wie sie im Werk- und Zeichenunterricht erworben werden, konnten auch in Verbindung mit wissenschaftlichen Fächern nutzbringend verwandt werden. So wurde im Erdkundunterricht in mittleren Klassen am Anfang des Jahres damit begonnen, zunächst den Schülern die Fähigkeit zu übermitteln, auf Grund gegebener Maßstäbe Gradnetzausschnitte zu konstruieren und Karten von Landschaften der Erdoberfläche zu entwerfen, bei denen die Krümmung des Gradnetzes noch keine Berück- sichtigung finden konnte. Eine große Anzahl gut gelungener Karten in kleinem Format konnte der geo- graphischen Sammlung einverleibt werden.

Darauf baute der Versuch auf, Grobßlandschaften in horizontaler und vertikaler Gliederung in der Form des Reliefs nach vorgeschriebenen Flächen- und Höhenmaßstab zu entworfen. Da diese Arbeit sehr zeitraubend ist, konnte sie nur freiwillig geleistet werden. Es wurden jedoch zahlreiche Versuche unternommen, die nach drei Methoden zu gliedern sind:

1. Herstellung des Reliefs mit Hilfe errechneter Profile auf direktem Wege durch Formen von Gips auf

vorgezeichnetem Untergrund,

2. dasselbe mit Hilfe von weicher Papiermasse, die durch Auskochen und Zusatz von flüssigem Leim

zur Erhärtung gebracht werden kann,

3. dasselbe auf indirektein Weg durch Vorformen des Reliefs in Plastilin oder Ton, Abzug eines Nega-

tivs durch Ueberguß flüssigen Gipses, dann endlich Gipsabzug des Positivs.

Das rohe Relief wird durch Auftrag von Farben, Zeichen, Namen und Gradnetz für den Unterricht be- merkbar gemacht. Zwecks Haltbarmachung des Reliefs bauten die Schüler im Werkunterricht Holzrahmen darum.

Aus der Darstellung des Reliefs von Großlandschaften ergab sich der Versuch, einen kleinen Ausschnitt der Erdoberfläche auf Grund genauester Karten im Relief darzustellen. Benutzt wurden hierzu Meßtischblätter, und die gearbeiten Reliefs, bei denen Ueberhöhung fast ganz wegfallen konnte, wurden der engeren Heimat entnommen, die den notwendlgen Formenreichtum bietet. Da diese letzteren Arbeiten wegen der zu fordernden Uebereinstimmung der Darstellung mit der Natur sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, erschien hierfür eine vorübergehende Entlastung der betreffenden Schüler von anderen Arbeiten angebracht. Die letzteren Arbeiten, von denen zur Zeit noch drei in Arbeit sind und bei deren Einzelbearbeitung wieder besondere Methoden ge- wonnen werden, werden ebenfalls über den Weg des Vorformens und des Negativs hergestellt. Einige gut gelungene Arbeiten aus verschiedenen Klassen wurden der erdkundlichen Sammlung von den Schülern zur Ver- fügung gestellt.

Am Unterricht in der Reichseinheitskurzschrift beteiligten sich 32 Schüler.

vVII. Chroöonik der Anstalt.

7 Mai. Durch Erlass vom 7 Mai 1927 U. II Nr. 5648 spricht der Herr Minister für Wissen- schatt, Kunst und Volksbildung die Anerkennung unserer Anstalt als Reformrealgymnasium aus

31. Mai Herr Oberschulrat Prof Dr Zühlke wohnt dem Unterricht in allen Klassen bei.

17 Juni. Reformationsfestspiel in Marburg Es nehmen teil 4 Lehrer und 89 Schüler.

15. August. Vortrag des Herrn Langer über Bismarck und seine Häuslichkeit in Friedrichsruh.

21. August Herr Oberpräsident Dr. Schwander besichtigt die Anstaltsgebäude.

2 4. September. Rheinfahrt der Primaner und Obersekundaner.

4 September. Beerdigung des leider am 2. September verstorbenen Obertertianers Wilhelm Röhr. in Kombach unter Beteiligung der Schule

12 September. Herbstturnprüfung der Abiturienten.

26. Oktober. Oeffentliche Feier aus Anlass der Anerkennung der Schule als Vollanstalt,

Programm:

Festspruch, verfaßt von Studienrat Dr. Gottschalk(Hoos, O).

Das Deutschlandlied des Mittelalters Walthers von der Vogelweide(Bott OII. Vorspiel der OperDie Meistersinger von Nürnberg v. R. Wagner.

Chor:Herr, deine Güte reicht so weit v. Ed. Grell.

Orchester: Krönungsmarsch a. d. OperDer Prophet v. Meyerbeer.