Jahrgang 
1928
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Gartenbau(Mittelstufe).

Zum zweiten Male betreuten wir unsen Obstgarten und die Bienen, und mochten sie uns im Frühjahr und Sommer auch fast täglich rufen, Schüler und Lehrer gingen gern den schon gewohnten Pfad. Den Schülern der mittleren Klassen, für die ja die werkliche Bestätigung im Garten im Vordergrund steht, gebührt unein- geschränkte Anerkennung. Sie verzichteten oft auf Spiel und Bastelei, auf Sta3 und Gesellschaft, wenn es galt, den Garten und die Bienen in Pflege zu nehmen.

Wie im vorigen Jahre so behielten wir auch in diesem Jahre den Drei-Baumbezirk bei; er stärkt die Selbständigkeit und reizt zum Bessermachen gegenüber dem Nachbar an. Die Baumblüte war überreich. Die Baumscheiben waren bald in Ordnung, die Bäume bald geschnitten. Die Bienen fanden im Garten gedeckten Tisch. Schädlinge traten durch geeignete Vorbehandlung der Bäume kaum auf. Etwa 50 Wildlinge wurden im Frühjahr veredelt. Wir werden die Baumaufzucht im kommenden Frühjahr viel stärker betreiben, da wir diesen Herbst 300 Wildlinge das Stück kostet nur 5 Pfg. im Durchschnitt zur Anpfanzung brachten. Pfropfreiser bezogen wir aus der Staatlichen Wein- und Gartenbauanstalt Geisenheim a. Rh. Sie lieferte ge- eignete Sorten, die auch volkswirtschaftlich wertvoll sind. Die Obsternte war reich. Die halbe Ernte kam den Schülern zugute, den Rest verkauften wir und erhielten dafür 11 ½ Zentner Imkerzucker, sowie Kunstwaben für den Frühjahrsbau. Die Wege im Garten wurden verbessert, ein neues Tor im Werkunterricht angefertigt und schließlich entstand ein großes, geräumiges Bienenhaus.

Am schönsten war das Erntedankfest der Gartengemeinde. Eine Anzahl Bänke mit Tischen umrahmten im Reckteck den Festplatz. Es war ein eciites Erntefest. Zwei Zwetschenkuchen und zwei Agepfelkuchen, fast vier Quadratmeter groß, lagen im Bienenhaus aus. Bald loderte das Feuer, der Kaffee kochte; er wurde mit Kuchen aufgetragen. Musik und Spiel, Freude und Ausgelassenheit ließen zu schnell den Nachmittag ver- rinnen. Bei einbrechender Dunkelheit zog man zur Schule. Ein Lichtbildervortrag über Afrika für die Garten- gemeinde, den Herr Dr. Tapp übernommen hatte, beschloß die Erntefeier. Ein glücklicher Tag war zu Ende.

Bienenzucht.

Bereits im vergangenen Jahre hatten wir über die ersten Versuche in der Bienenzucht berichtet. Vier Völker waren in den Winter gebracht worden. Der vergangene Sommer hat uns vor allem Wege gezeigt, wie die praktische Arbeit zu gestalten war. Im Werkunterricht waren nach einem Modell weitere Bienenbaute selbst angefertigt worden. Heute verfügen wir über 14 sachgemäße Bienenkasten, in denen wir über 16 Völker unterbringen können. Ein großes Bienenhaus, 3,20 m lang, 2 m breit und 1,90 m hoch wurde selbst gebaut, das Balkenwerk hergerichtet und zusammengezimmert. Wir können darin über 25 Völker unterbringen. Die Versuche im vergangenen Jahre hatten soviel Schüler für die Bienenzucht interessiert, daß die Bienenzucht- gemeinde zu Beginn des Frühlings 18 Schüler zählte, die sich auch sämtlich im Garten betätigten. Da nur vier Völker vorhanden waren, so mußten Wege gefunden werden, das Interesse der Schüler an diesem reizvollen Gebiet wachzuhalten. Da genügend Bienenbauten zur Verfügung standen, beschafften sich die Schüler selbst die Schwärme. Heute besitzen wir 10 starke Völker, die einzeln von je 2 Schülern in Pflege genommen werden. Anerkennenswert sind auch diesmal die finanziellen Opfer der Eltern, kostet doch ein starker Schwarm durch- schnittlich 12 RM. in der hiesigen Gegend. Von den eigenen Völkern konnten wir 2 Schwärme zur Verfügung stellen. Das war eine Aufregung unter den Schülern beim Schwärmen der Bienen, ein Sorgen und Bangen um den abgehenden Schwarm. Mit einem Gefühl des Triumphes schlugen sie den angelegten Schwarm ein und brachten ihn in die neue Wohnung, um manchmal gar bald dasselbe Schauspiel zu erleben, wenn der Schwarm im Schwarmfieber nicht im Kasten blieb. Sämtliche Schwärme entwickelten sich gut, doch war die Witterung im Sommer so ungünstig, daß Honig nicht geerntet werden konnte. Trotzdem hatten die Schüler viel Freude an der Gartenarbeit und an der Bienenzucht.

Stiftungen.

Für den Schulobstgarten, den Schulgarten und der Ausstattung der Werkräume überwies der Herr Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung 500 RM. Sie fanden folgende Verwendung:

1. Schulobstgarten, Bienenzucht 305,56 RM 2. Schulgarten 161,92 3. Werkunterricht 18,60 4. Frachten 5,30 5. Allgemeines 8,40

499,78 RM

Es stifteten ferner: Unterprimaner Nassauer: 1 Bienenschwarm.