Jahrgang 
1924
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Am 25. Auguſt fand in der Aula eine Feier anläßlich der Wiederkehr des Verfaſſungstages ſtatt, in der Studienaſſeſſor Reichmann über das Weſen und die Bedeutung unſeres Staatsgrundgeſetzes ſprach. Zur Erinnerung an den 50 jährigen Todestag Fritz Reuters hielt Studienaſſeſſor Bauer am 2. Septbr. vor verſammelten Schülern und Lehrern eine Rede über das Leben des Dichters, in der er zugleich geeignete Ab⸗ ſchnitte aus ſeinen Werken zum Vortrag brachte.

Am 4. Oktober ſtarb der Quintaner Helmut Spießmacher aus Quotshauſen nach einem Krankenlager von nur wenigen Tagen. Mit den tiefgebeugten Eltern beklagen auch wir den frühen Tod hieſes freundlichen Knaben. Am 6. Oktober gaben Lehrer und Schüler ihm das letzte Geleite.

Zum 1 November wurde Oberſchullehrer Zimmermann an das Realgymnaſium zu Wiesbaden verſetzt. Seine Stelle blieb bis zum 13. Januar unbeſetzt und wurde von dieſem Tage an bis zum Schluß des Schul⸗ jahrs vertretungsweiſe von Lehrer Klages aus Endbach verſehen.

Am 11. Februar wohnte Herr Oberſchulrat Dr. Zühlke dem Unterricht in ſämtlichen Klaſſen bei.

Am 19. Februar beſichtigten die Schüler der oberen Klaſſen in Begleitung einzelner Lehrer die Wilhelmshütte. Zunächſt hielt Herr Diplom⸗Ingenieur Zimmermann einen klaren, tief in den Stoff ein⸗ dringenden Vortrag über die Einrichtungen des Werkes und die verſchiedenen Gußverfahren und erläuterte auf dem nun anſchließenden Gang durch die Hütte jeden einzelnen Abſchnitt des Herſtellungsprozeſſes.

Am Gedenktag der im Weltkriege Gefallenen hielt Studlienrat Diebel eine Anſprache, in deren Vordergrund er die Pflichten der Lebenden gegenüber den Toten ſtellte. In der Trauerfeier am 4. März gedachte Studienrat Dr. Gottſchalk des dahingeſchiedenen Herrn Reichspräſidenten und ſeiner Verdienſte.

Am 31. März fand unter dem Vorſitz des zum Kommiſſar ernannten Direktors die Schlußprüfung ſtatt. 10 Schüler erhielten das Zeugnis der Reife für Oberſekunda.

VII. Die wichtigſten Erlaſſe und Verfügungen der Behörde.

1. Durch Erlaß vom 12. März 1924 hat der Herr Miniſter feſtgeſetzt, daß für die Aufnahme in die Sexta Folgendes zu fordern iſt:

Heimatkunde Bekanntſchaft mit der heimatlichen Umwelt, Fähigkeit zur Wiedergabe einiger heimatlicher Sagen und Geſchichten, ſoweit die Umwelt Anknüpfungspunkte dafür bietet. Verſtändnis der wichtigſten erdkundlichen Grundbegriffe, für die die Heimat den anſchaulichen Inhalt liefert, e'niges Verſtändnis eines einfachen Planes des Heimatortes und einer einfachen Karte ſeiner nächſten Umgebung(kreiskarte), Kenntnis einiger wichtiger Pflanzen und Tiere der Heimat.

Deutſch. Fähigkeit zur Anfertigung einer kurzen Niederſchrift über einen Gegenſtand, der der kindlichen Erfahrung oder Einbildungskraft naheliegt, ohne weſentliche Verſtöße gegen die Rechtſchreibung (in Bezug auf lauttreue Schreibung, Umlaut, Kürze und Länge der Selbſtlaute, Großſchreibung der Dingwörter, und den Satzbau. Bei der Wahl des Gegenſtandes und der Faſſung der Aufgabe iſt einige Freiheit zu laſſen. Kenntnis der latainiſchen Schrift. Fließendes, lautrichtiges und ſinngemäßes Leſen leicht faßlicher Leſeſtücke in deutſcher und latainiſcher Druckſchrift. Wiedererzählung des Hauptinhalts, ſofern ſich das Stück dazu eignet. Sprechen einiger ſelbſtgewählter Gedichte mit deutlicher Ausſprache und ſchlichtem Vortrag. Einige Sicherheit im Beſtimmen der Teile eines einfachen Satzes(Satzgegenſtand und Satzausſage) und der wichtigſten Wortarten(Dingwort, Zeitwort, Eigenſchaftswort, Zahlwort, Fürwort). Erkennen und Bilden der wichtigſten Biegungsformen des Dingwortes und des Zeitwortes(Gegenwart, 1. Vergangenheit und Zukunft der Wirklichkeit in der Tätigkeitsform).

Rechnen. Schätzen anſchaulich gegebener Längen, Kenntnis der Geldſcheine und Geldſtücke und der wichtigſten Längen⸗ und Flächenmaße und Gewichte. Verſtändige Löſung kleiner Sachaufgaben aus dem Geſichtskreis der Kinder, deren ſprachliche Einkleidung keine Schwierigkeiten bietet. Sicherheit im kleinen