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V. Schulchronik.
Auf Grund der am 23. Januar 1924 einſtimmig geſaßten Beſchlüſſe der hieſigen ſtädtiſchen Körper⸗ ſchaften war am 11. Februar 1924 der Ausbau des Realprogymnaſitums zu einer Vollanſtalt beim Herrn Miniſter beantragt worden. Vorbehaltlich der endgültigen Entſcheidung dieſer Frage wurde zwar durch Min⸗ Erlaß vom 1. April 1924 die Angliederung einer privaten Oberſekunda zu Oſtern 1924 ermöglicht, dagegen ſollte noch einmal von den zuſtändigen Stellen eingehend geprüft werden, ob ein für eine Vollanſtalt aus⸗
reichendes Bedürfnis in Stadt und Umgebung tatſächlich vorhanden und ob die finanzielle Leiſtungsfähigkeit der Gemeinde auch ausreichend für die Uebernahme der durch den Ausbau entſtehenden Koſten ſei. Am 16. April 1925 wurde ſodann von einer Kommiſſion, die ſich aus Vertretern der zuſtändigen Miniſterien, des Prov.⸗Schulkoll. und der Baubehörden zuſammenſetzte, im Beiſein der Mitglieder der ſtädt. Körperſchaften und des Direktors die Frage an Ort und Stelle geprüft, ob die ſür die Vollanſtalt noch erforderlichen Räume durch einen Erweiterungsbau geſchaffen werden könnten.
Durch Erlaß vom 26. Februar 1925 genehmigte der Herr Miniſter den Ausbau der Anſtalt zu elnem Realgymnaſium. Mit dieſer für die Stadt und den Kreis Biedenkopf ſo wichtigen Entſcheidung hat die Entwickelung unſerer aus beſcheidenen Verhältniſſen erwachſenen höheren Schule nunmehr ihren Abſchluß gefunden, und es erſcheint daher angebracht, an dieſer Stelle eine kurze Ueberſicht über ihre Geſchichte folgen zu laſſen.
Dauer des Beſtehens des Staatlichen Realprogymnaſiums zu Viedenkopf 644 2 und Ueberſicht über die bisherige Entwickelung. Im Juli des Jahres 1846 wurde von der großherzoglich⸗heſſiſchen Regierung eine Real⸗ und Höhere Mädchenſchule in Biedenkopf gegründet. Das Lehrerkollegium dieſer beiden, unter gemeinſamer Leitung ſtehenden Schulen beſtand aus 2 hauptamtlichen, wiſſenſchaftlich gebildeten Lehrern. Der Unterricht im Schreiben, Leſen, Rechnen und Singen, z. T. auch in Erd⸗ und Naturkunde ſowie im Deutſchen wurde von den Lehrern der hieſigen Stadtſchule erteilt. Die Realſchule beſtand aus 2 Klaſſen, von denen jede mehrere Jahrgänge umfaßte, die in einzelnen Fächern gemeinſam, in anderen getrennt unterrichtet wurden. Neben „5 Stunden Mathematik wurden wöchentlich 3 Stunden Engliſch, 4 Stunden Franzöſiſch und 2 Stunden Lateiniſch unterrichtet. 8 Nach Uebernahme des Kreiſes durch Preußen im Jahre 1867 wurde zunächſt die Verbindung der „Real⸗ mit der Töchterſchule gelöſt, ſodann erfolgte die Umwandlung und Erweiterung der Anſtalt zu einer ſechsklaſſigen, ſtaatlichen höheren Schule(1870—- 73), welche die amtliche Bezeichnung Höhere Bürgerſchule, ſeit 1883 Realprogymnaſium führte. In den Jahren 1883— 92 beſaß die Schule auch eine Oberſekunda. Deibſt 1881 erhielt die Anſtalt, die bis dahin in den Räumen der Stadtſchule untergebracht war, ein eignes, zu dieſem Zweck errichtetes Gebäude. Der realprogymnaſiale Charakter der Schule blieb in den 50 Jahren von 1873— 1923 unoerändert. Durch Einführung des Engliſchen als erſter Fremdſprache wurde das Real⸗ progymnaſium, Oſtern 1923 beginnend, in eine Reformanſtalt umgewandelt. Oſtern 1924 erhielt die Anſtalt eine Oberſekunda. Oſtern 1925 eine Unterprima. Oſtern 1927 wird der Ausbau des Realprogymnaſiums zu einer Vollanſtalt, Oſtern 1931 die Umwandlung derſelben in ein Reformrealgymnaſium vollendet ſein.
Der Anſtalt gehören ſeit 1922 auch Mädchen an.
Mii Beginn des Schuljahrs übernahm Studienrat Diebel die durch den Tod des Studienaſſeſſor Becker erledigte Stelle, als Erſatz für den am 1. April 1925 in den einſtwelligen Ruheſtand verſetzten Studienrat Vogt wurde Studienaſſeſſor Bauer der Anſtalt überwieſen. Durch Angliederung einer zunächſt privaten Ober⸗ ſekunda an das Realprogymnaſiam wurde die Errichtung einer weiteren Studienratsſtelle erforderlich, mit deren Verſehung Studienaſſeſſor Reichmann beauftragt wurde.


