Jahrgang 
1915
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entrissen wurde, von ganzem Herzen. Trost gewährt uns nur der Gedanke, daß dieser Mann, der Besten einer, wie so viele Tausende anderer Gesinnungsadligen, sein Leben ließ für die heilige Sache unseres heißgeliebten, teuren deutschen Vaterlandes. Wir alle aber, die wir so glücklich sind, ihn wenigstens im Bilde vor uns zu haben, werden diesem ritterlichen Kollegen, Freund und Lehrer, der zum Schutze deutscher Kultur und Sitte den Opfertod starb, über Tod und Grab hinaus ein ehrendes, treues und herzliches Gedenken bewahren. Er ruhe in Frieden!

Am 17. November brachte unser vorzüglich bedienter Hinterländer Anzeiger die freudige

Nachricht, dass auch Oberlehrer Appel mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden sei.

Am 23. Dezember unterzogen sich mit günstigem Erfolg der Kriegsprüfung die Sekundaner Wilhelm Frank aus Fischelbach und Gustav Schmidt aus Friedenthal. Der Unterzeichnete konnte diesen zwei wackeren Jünglingen glückwünschend sagen, dass das Lehrerkollegium stolz sei auf solche Schüler, die das behagliche Leben zu Hause preisgeben, um unter mancherlei Entbehrungen sich an der Verteidigung des bedrängten deutschen Vaterlandes zu beteiligen.

Am 29. November fand hier im Meier'schen Saale ein vaterländischer Vortragsabend statt, zu dem zahlreiche verwundete Krieger und Flüchtlinge aus dem Osten unseres Vaterlandes erschienen waren. Auch unsere Schule beteiligte sich dabei, indem die Kollegen Dr. Gottschalk, Knolle und Henkel im Verein mit Herrn Simmermacher von der Stadtschule und dem Liederkranz ihr tüchtiges musikalisches Können in den Dienst der guten Sache stellten und die Sekundaner Ludwig Reuter, Ludwig Ritter und Rudolf Weber durch den äusserst wirkungsvollen Vortrag passender Gedichte sich den begeisterten Beifall der Zuhörer errangen.

Der Kriegerverein und der Frauenverein hatten unter Mithilfe der gesamten Bürgerschaft am 20. Dezember für alle Kinder der im Felde stehenden Krieger eine einzigschöne und stimmungs- reiche Weihnachtsfeier veranstaltet. Ueber 200 Kinder ohne Unterschied des Standes, der Rang- klasse, des Vermögens usw. wurden mit nützlichen Dingen, Spielsachen und Leckerbissen beschenkt. Herr Kgl. Oberförster Defert, als dessen Verdienst die ganze Veranstaltung in erster Linie anzu- sehen ist, hielt die von Herzen kommende, darum zu Herzen gehende Ansprache. Auch Kollegen und Schüler unseres Realprogymnasiums trugen zur Erhöhung der Feier bei. Oberlehrer Dr. Gottschalk und Zeichenlehrer Knolle eröffneten die Feier mit der Darbietung der Jubelouvertüre von K. M. v. Weber. Unter der Leitung des Kollegen Henkel trug der Sängerchor unserer Anstalt im Ver- lauf des AbendsDas Gebet während der Schlacht,Das Schwertlied,Nie ward Deutschland überwunden,Herr, deine Güte reicht so weit,Es ist ein Ros' entsprungen,Stille Nacht in einer Weise vor, von der der Berichterstatter sagte, dassder Chor hohen Anforderungen genüge und sich hören lassen dürfe. Ferner traten Otto Seipp und Willi Thome, dieser als Pianist, jener als Geigenspieler auf, im Verein mit dem anerkannt guten Cellisten Knolle.

In1914, Ein Kriegsspiel wagten, im Verein mit der gewandten Darstellerin Frl. Else Grünewald, die Sekundaner Weber, Hoch, Lenz und der frühere Schüler Karl Gilbert ihr schau- spielerisches Talent zu zeigen.

Sehr hübsch spielten auch imChristkindlein im Schusterkeller unser Biechtler als Schuster- junge, Willi Thome als Weihnachtsmann neben Klara Achenbach als Schwester Liese und Hedwig Achenbach als Christkindlein..

Mit der recht guten Deklamation von zeitgemässen Gedichten unterhielten der Sextaner Karl Heinzerling(Sprung auf, marsch, marsch!), Fritz Tenbaum aus III(Ballade von den masurischen Seen) und der Obertertianer Hans Köhring(Deutsche Weihnacht) die aufmerksam lauschenden Zuhörer. Besonders ergreifend wirkte der tadellose Vortrag des grossartigen Gedichts

In Sturmes Not von Julius Wolf durch unseren früheren Schüler Herrn Writ⸗ Grünewald, der als verwundeter Feldgrauer zur Kur daheim weilte.