Jahrgang 
1870
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Die Schulzimmer ſind jeden Tag zu reinigen und nach Schluß des Unterrichts 1 ½ bis 2 Stunden Fenſter und Thüren zu öffnen.*)

Während der Pauſen darf kein Schüler im Zimmer bleiben; auch dann wird gelüftet. Die Oefen am beſten ſind natürlich Thonöfen müſſen ſtets in gutem Stande erhalten werden.

Kleider, Eßwaaren ꝛc. ſind außerhalb des Schulzimmers aufzubewahren.

Auf die größte Reinlichkeit an Körper und Kleidungsſtücken iſt ſtrenge zu halten.**)

Vom Licht habe ich weniger zu ſagen, obeglich es ſehr wichtig iſt und namentlich in Bezug auf die Ge⸗ ſundheit der Augen(ich komme ſpäter noch einmal auf dieſe zurück) in Betracht kommt. Iſt das Licht nicht ausreichend, ſo müſſen die Sehnerven natürlich übermäßig angeſtrengt werden, iſt es zu lebhaft, zu grell, ſo wer⸗ den dieſe Nerven überreizt, wechſelt es zu oft, dann kommen die Pupillen durch fortwährende Erweiterung und Verengerung nicht zur Ruhe. In jedem Falle leiden die Augen.

Man ſorge daher für ein gleichmäßiges, ruhiges, ausreichendes Licht, ohne den Sonnenſtrahlen eine directe Einwirkung zu geſtatten; gegen letztere ſchütze man durch Marquiſen. Dem Lichte geſtatte man nur einen Eintritt von der linken Seite und verwende zum Anſtrich der Wände den Grad der Helle berückſichtigende, dem Auge nicht wehthuende Farben. 4.

Ich komme zu den Anforderungen, welche die Geſundheitspflege an die Körperhaltung ſtellt und habe es hier beſonders mit dem Sitzen in der Schule zu thun. Es iſt unbegreiflich, wie man bislang dieſe hochwichtige Frage faſt ganz außer Acht laſſen konnte. Ueber einen Bankſitz, über den ſchlechten Stuhl, mit welchem die Väter im Wirthshauſe bei Wein und Bier einmal vorlieb nehmen ſollen, wird ein Heidenſcandal angeſchlagen, wie ihre Söhne und Töchter in der Schule ſitzen, davon hört man nie ein Wort. Erſt in der neueſten Zeit haben Aerzte und Schulmänner, wie Dr. Cohn und Rector Luchs in Breslau, Prof. Herm. Aeyer, Fahrner und J. Frey in Zürich, Dr. Schildbach in Leipzig, Dr. Buchner, Dir. in Crefeld, Kunze in Chemnitz, Meier, Hermann und Andere dieſe Frage eingehender behandelt. Die Ausſtellungen, welche man an unſern ſeitherigen Schulbänken macht, beziehen ſich:

1. auf das Größenverhältniß der Bank zu dem der Schüler, die Höhe der Tiſche, die Neigung der Tiſchplatte, die Höhe und Breite der Sitze, die Diſtanz,***) die Lehne, das Fußbrett, 8. die Beſetzung der Bänke.

Der mir zugemeſſene Raum geſtattet mir nicht, mich ausführlich über die beregten Punkte zu verbreiten; ich bemerke nur, daß die erwähnten Ausſtellungen wohlberechtigt ſind. Durch die fehlerhafte Conſtruction dieſer Schulbänke und Tiſche iſt ein vorgebeugtes Sitzen des Schülers, im Allgemeinen eine ungeeignete Haltung des

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*) Auch das Lüften vor Beginn des Unterrichts empſiehlt ſich ſehr; für den Sommer leuchtet es von ſelbſt ein; im Winter wird es eine raſchere und intenſivere Erwärmung zur Folge haben. **) Manche Eltern ölen die Köpfe ihrer Kinder obendrein im Winter förmlich ein; ſie ahnen nicht, welche Gefälligkeit ſie durch Herſtellung einer ranzigen Athmosphäre den Schülern und Lehrern erweiſen. 3 **) Der Abſtand zwiſchen dem hinteren Tiſchrande und dem vorderen Bankende. Man unterſcheidet: a. Nulldiſtanz; der Tiſchrand ſteht lothrecht über dem Bankende; b. Plusdiſtanz; zwiſchen beiden befindet ſich ein kleinerer oder größerer Raum; c. Minusdiſtanz; das Bankende reicht noch unter den Tiſchrand.

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