Jahrgang 
1870
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Verbrennungsproducte. Der Sauerſtoff verbindet ſich nun ſehr gern mit dem in unſerm Blute vorhandenen Kohlenſtoff und ſcheidet mit dieſem als Kohlenſäure wieder aus. Zwar ſind nicht die Lungen der eigentliche Heerd der Verbrennung; der durch ſie aufgenommene Sauerſtoff vermiſcht ſich daſelbſt mit dem Blute, jagt mit dieſem durch den Körper und bildet auf ſeinem Wege durch die Oxddationsproceſſe die verſchiedenen Verbren⸗ nungsproducte, namentlich Kohlenſäure. Die Entweichung dieſer Kohlenſäure geſchieht beſonders durch die Lungen, nur ein kleiner Theil wird durch die Blutgefäße der Haut ausgeführt. Die Menge der ausgeathmeten Kohlen⸗ ſäure iſt durchaus nicht gering. Rechnet man 15 Athemzüge pro Minute, auf jede Ausathmung 0,5 Liter, alſo 32 heſſ. Cubikzoll Luft und in dieſer ausgeathmeten Luft nur 5 Procent Kohlenſäure, ſo findet man, daß ein Menſch in Einem Tage 540 Liter oder 34. heſſ. Cubikfuß Kohlenſäure producirt. Die Entweichung dieſer Säure ins Freie und die vermehrte Aufnahme von Sauerſtoff geht um ſo leichter von Statten, je weniger Kohlenſäure die uns umgebende Luft ſelbſt enthält und iſt der vermehrte Kohlenſäuregehalt der athmosphäriſchen Luft darum ein Haupthinderniß der Kohlenſäurebildung= und ausſcheidung im menſchlichen Körper. Im natürlichen Zuſtande enthält die athmosphäriſche Luft etwa 1 ½ pro mille Kohlenſäure. Beſitzt die einzuath⸗ mende Luft dieſelbe Zuſammenſetzung, wie die ausgeathmete, ſo kann ſie ihre Functionen nicht mehr erfüllen, das dunkle, verbrauchte, venöſe Blut nicht mehr in friſches, arterielles verwandeln; es tritt Athemnoth, Beklem⸗ mung, Erſticken ein.

Der Schluß von dem Geſagten auf eine gefüllte Schulklaſſe für die tägliche Unterrichtszeit iſt leicht und leuchtet um ſo mehr ein, wenn ich bemerke, daß die Zahl der Athemzüge ſowohl, als auch der Procentgehalt der Luft an Kohlenſäure ſehr niedrig gegriffen iſt, daß namentlich der letztere mit der vermehrten Anzahl der Athemzüge(bei 18 ſchon um) bedeutend wächſt und daß die an Kohlenſäure reiche Luft, wenn ſie wieder eingeathmet wird, ſich bis zu 10 Procent Gehalt an dieſem ſchädlichen Gaſe ſteigern kann.

Eine Haupturſache der beiden Geſchlechtern ſo häufig auftretenden Blutkrankheiten iſt eine feuchte, dumpfe, kalte, ſauerſtoffäarme Luft. Scropheln kommen im Norden mehr, als im Süden, in Niederungen mehr, als auf Höhen, in Kellerwohnungen und namentlich in Schulzimmern zum Ausbruch, welche keine, oder nur ſchlechte Ventilation haben. Bleichſucht und ſelbſt Lungenſchwindſucht werden durch Einathmung ſchlechter Luft ungemein befördert.

Zu dieſer Verſchlechterung der Luft tragen aber auch die Ausdünſtungen unſerer Haut und Kleidung außerordentlich viel bei. Wer ſich von dem Vorhandenſein dieſer übelriechenden Gaſe überzeugen will, der darf nur einmal am frühen Morgen einen Gang in's Freie machen und dann ſeinem Schlafzimmer noch einen Be⸗ ſuch abſtatten, der trete nnr in einen mit Menſchen gefüllten Warteſaal, öffne einen lange verſchloſſenen Schrank, in dem ſich getragene Kleider befinden, oder beſuche ein Lehrzimmer, worin während 2 bis 3 Stunden bei ge⸗ ſchloſſenen Thüren und Fenſtern Schule gehalten wurde.

Rechnet man hierzu noch den durch die Heizung häufig entſtehenden Rauch, weiter die Gaſe aus den leider! in zu großer Nähe der Schullokale ſich befindenden Abtritten und endlich das durch den Gebrauch eiſerner Oefen entſtehende ſehr ſchädliche Kohlenorydgas, ſo hat man ungefähr ein Bild der ſchönen Räume, in welchen ſich unſere Ebenbilder mit ihren Lehrern befinden.

Was kann da geſchehen?

Vor Allem iſt dafür zu ſorgen, daß nicht zu viele Schüler in demſelben Raume unterrichtet werden, ſo daß für den einzelnen ein Raum von etwa 300 Cubikfuß bleibt.

Durch geeignete Ventilation iſt beſtändiger Erſatz der verbrauchten Luft durch gute herbeizuführen.