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Die beregten Mißgriffe ſtören mit kalter, rauher Hand die geſunde Entwickelung des Kindeslebens; ſie erzeugen Verflachung des Geiſtes, Störung der phyſiſchen Organismen, unzeitiges Grübeln, Hang zum Einhocken, Unſittlichkeit und geheime Sünden aller Art.
Und wie kann dieſen Schäden abgeholfen werden?
Laſſet den eigentlichen Schulunterricht und namentlich denjenigen, welcher wiſſenſchaftliche Ziele verfolgt, vor allen Dingen ſpäter beginnen, kürzet die tägliche Unterrichtszeit ab, ſorget dafür, daß der Unterricht in einer dem Entwickelungsgange der Kindesſeele entſprechenden Weiſe ertheilt werde und ſchließt dann den Bildungsgang der Schüler ſpäter ab.
Was den letzten Punkt anbelangt, ſo ändert namentlich dieſer die ſeither gewohnte Weiſe. Daß ich hier⸗ bei vorzugsweiſe die Realſchulen(höhere Bürgerſchulen) im Auge habe, verſteht ſich von ſelbſt. Freilich war es eine ſchöne Sache, der ſüße Wahn: mit dem 14ten Jahre genug gelernt zu haben; es braucht dann der Herr Sohn ſeine ſchon reſpectable Körperlänge nicht mehr durch einen profanen Schulranzen zu verunzieren. Freilich brachte es Vortheil, wenn der Vater in ſeinem 16⸗ oder 17jährigen Sohne nicht mehr einen Schüler, wohl aber einen treuen Hilfsarbeiter für's Familien⸗Portemonaie erblickte. Aber das iſt anders geworden, und wenn nicht, dann muß es noch anders werden. Bei der ungeheuren Maſſe und Schwierigkeit des Stoffs, welchen dieſe Schulen zu bewältigen haben, iſt es unerläßlich nöthig, daß ihr die Schüler bis zum 16. Lebensjahre ge⸗ laſſen werden. Nur dann iſt es— bei ſoaſt normalen Verhältniſſen— möglich, einen gewiſſen Bildungsab⸗ ſchluß zu erzielen, und nur dann werden dieſe Schulen einen bleibenden Werth für das Leben haben.
II.
Unter den Völkern des Alterthums zwingt uns gewiß keins ſo ſehr zur Verehrung, als das Volk der Griechen; noch heute ſchöpfen wir aus den Producten ſeines Geiſtes Anregung und geiſtige Belebung, noch heute reißen uns die Thaten der Helden von Marathon und Thermopylae zur Bewunderung hin. Aber grade dieſes Volk war ſich auch ſo recht klar darüber, daß die wirkliche Volkswohlfahrt einzig und allein durch die harmoniſche Ausbildung der geiſtigen und leiblichen Kräfte zu erreichen ſei. Die Ausführung dieſes Grundſatzes: die gleich⸗ mäßige Pflege der Künſte und Viſſeſchaften einerſeits und die Gymnaſtik anderſeits erzielte ein geſundes Volk im wahrſten Sinne des Wortes.
Wenn nun, wie ſchon bemerkt, die Anſprüche an unſer Wiſſen in unſerer Zeit ſo bedeutend erhöht ſind, liegt es denn nicht klar auf der Hand, daß wir alle Urſache haben, auf der Wache zu ſein, damit die Jugend auch durch erhöhte Pflege und Kräftigung des Körpers zur Ertragung der größeren geiſtigen Strapazen befähigt werde? Der Schulunterricht hat an und für ſich ſo gar viele Ungehörigkeiten und Beeinträchtigungen für die Geſundheit der Schüler im Gefolge, daß es dringend geboten erſcheint, dieſe, ſoviel es nur irgendwie möglich, zu reduciren. Und es kann dies um ſo mehr geſchehen, als uns hierbei nicht allein die erhöhte allgemeine Bildung ſelbſt, ſondern auch die großartigen Fortſchritte in der Phyſiologie und Baukunſt rüſtig zur Seite ſtehen.
Die wohlberechtigten Forderungen, welche man in Beziehung hierauf ſtellt, betreffen vorzugsweiſe: Luft, Licht, Körperhaltung und körperliche Bewegung.
Es darf als belannt vorausgeſetzt werden, daß die Zunahme des Menſchenkörpers an Maſſe, die Bildung der Organe und die Reproduction derſelben lediglich aus dem Blute geſchieht. Der Hauptregenerator des Blutes iſt und bleibt aber der Sauerſtoff. Wir nehmen denſelben beim Athmungsproceß mit der athmosphäriſchen Luft in uns auf. Seine Vereinigung mit dem Blute geſchieht in den Lungen. Immer und überall, wann und wo ſich ein brennbarer Körper mit Sauerſtoff verbindet, entſteht eine Verbrennung und mit derſelben entſtehen


