Jahrgang 
1915
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Am 4. Mai hielt Herr Sanitätsrat Dr. Happel unseren Schülern einen lehrreichen und mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Vortrag über Aufgabe, Einrichtung, Zweck und Ziel des Roten Kreuzes.

Auch in diesem Jahre unternahmen mehrere Herren freiwillige Ferienwande- rungen mit mehreren Klassen der Anstalt. So führten die Herren Prof. Thurmann und Dr. Klüpfel ihre Schüler durch das Mühlbachtal über Nassau, Ems und die Südwest- ecke des Westerwaldes ins Kannenbäckerland. Herr Dr. Neumann führte Schüler der Quarta und Tertia mehrfach in die näher gelegenen Teile des Taunus und des Rhein- gaus. Am 7. Juli unternahmen sämtliche Schüler den üblichen Klassenausflug in die nähere und weitere Umgebung Biebrichs.

Der Hitze wegen mußte an 7 Tagen des Sommers der Nachmittagsunterricht ausfallen.

Vom 13. Juni ab war Herr Oberlehrer Schneider zu einer achtwöchigen Ubung im 1. Garde-Regiment zu Fuß nach Potsdam einberufen. Er wurde bis zu Beginn der Sommerferien von dem Kandidaten des höheren Schulamts Dr. Mentz vertreten.

Leider sollte Herr Schneider für dieses Schuljahr zur UÜbernahme seines Unter- richts nicht mehr zurückkehren, denn mitten in friedlicher Ferienzeit brach der gewal- tige Weltkrieg aus, unter dem noch jetzt die Erde erzittert. Er entzog dem Kollegium der Riehlschule sofort ein Drittel seines bisherigen Bestandes. Die Herren Prof. Dr. Lewin, Prof. Thurmann, Oberlehrer Dr. Klüpfel, Dr. Neumann und Schneider und Lehrer Steffe wurden sofort cinberufen. Drei von ihnen, Dr. Klüpfel, Schneider und Steffe, rückten bald ins Feld. Herr Dr. Klüpfel wurde einmal schwer, Herr Schneider einmal leicht verwundet, beide erhielten das Eiserne Kreuz. Auch die Jugend wollte in dem uns aufgedrängten Kampfe nicht untätig bleiben. Sobald die Schule das Recht zur Abhaltung der Notreifeprüfung erhielt, waren sämtliche Oberprimaner bereit, als Kriegsfreiwillige ins Heer einzutreten. Sie bestanden alle die am 10. und 12. August angesetzte Prüfung. Einige Wochen darauf folgte ihnen der Unterprimaner H. Simon, der am 10. September die Reifeprüfung bestand. Am 17. September errang der Ober- sekundaner Hans Ferdinand Vogt, ein früherer Schüler der Anstalt, auf Grund einer Prüfung die Reife für Prima, um alsdann als Fahnenjunker ins Heer einzutreten. Am 10. Oktober bestand der Untersekundaner Albert Schmidt, am 21. Januar die Unter- sekundaner W. Hermann und E. Stöbbe die Schlußprüfung, und am gleichen Tage wurde der Untersekundaner des Realgymnasiums K. Bargon durch Konferenzbeschluß nach Obersekunda versetzt. Auch diese 4 Zöglinge unserer Schule sind als Kriegs- freiwillige ins Heer eingetreten. Von Auswärtigen bestand die Notprüfung für den einjährig-freiwilligen Dienst der Kriegsfreiwillige Paul Klau aus Frankfurt a. M. Vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium wurden der Anstalt ferner eine Reihe von aus- wärtigen Prüflingen zur Ablegung der Schlußprüfung überwiesen. Die schriftliche Prüfung fand am 14. und 15., die mündliche am 21. und 22. September statt. Die 10 Prüflinge Jakob Adorf aus Marburg a. L. Wilhelm Bauer, Emil Böttcher, Oskar Koch, Albert Mosthaf, Heinrich Oehl und Wilh. Wolpert aus Frankfurt a. M., Wilhelm Pistorius aus Wiesbaden, Friedrich Rau aus Crefeld und Richard Schmalz aus Bieber- stein bestanden die Prüfung. Endlich legte am 5. Oktober der Apotheker Ernst Kunz von Biebrich eine Ergänzungsprüfung im Lateinischen ab.

Von denjenigen Schülern über 15 Jahren, die sich zum Waffendienst fürs Vater- land noch nicht für tauglich hielten, traten die allermeisten der hier wie überall