begründeten Jugendwehr bei, die unter Führung unseres früheren Direktors, Herrn Hauptmann d. L. Stritter an mehreren Abenden der Woche militärisch ausgebildet wird. Es nahmen daran teil: in U. I. von 17 Schülern 14, in O. II. von 11 Schülern 8, in U. II. Rg. von 18 Schülern 15, in U. II. R. von 19 Schülern 17, in O. III. Rg. von 12 Schülern 5, in O. III. R. von 16 Schülern 12. Diejenigen Schüler der genannten Klassen, die sich ausschließen mußten, sind entweder noch nicht alt und kräftig genug, oder sie wohnen auswärts.
Auch sonst hat die Anstalt lebhaft an den Kriegsereignissen teilgenommen. Schon am 3. August, d. h. dem 2. Mobilmachungstage, versammelte der Direktor die orts- anwesenden Schüler in der Aula der Riehlschule, wies sie auf den Ernst der Lage hin und forderte sie auf, dem bedrängten Vaterland nach Kräften beizustehen. Noch am selben Tage meldeten sich die meisten Primaner und Sekundaner zur Teilnahme am öffentlichen Wachtdienst an Straßenübergängen, Brücken, gefährdeten öffentlichen An- lagen, wie dem Wasserwerk usw. In den nächsten Tagen erklärten sich zahlreiche Schüler zur Hilfeleistung bei den Erntearbeiten bereit, mehr als unsere Landleute brauchen konnten. Als dann im Laufe der Monate August und Anfang September unsere Truppen siegreich in Feindesland vordrangen, trugen wir der allgemeinen Begeisterung mehrfach durch Aussetzen des Unterrichts Rechnung. So fiel der Unterricht teilweise aus am 24. August nach dem Siege des bayrischen Kronprinzen in Lothringen, am 29. August(Erstürmung von Manonviller), am 1. September(Sieg Hindenburgs an den Masurischen Seen), am 3. September(Durchbruch des Kronprinzen Wilhelm in der Champagne). Auch das endgültige Scheitern des großen russischen Vorstoßes gegen unsere östlichen Provinzen und der Rückzug der Russen in Polen sowie der neue große Sieg Hindenburgs in der Winterschlacht in Masuren wurden durch teilweise schulfreie Tage gefeiert.
Natürlich wurden die diesjährigen vaterländischen Gedenktage mit besonderer Begeisterung begangen. Am Sedanstage sprach Herr Professor Rose über die glänzenden Waffentaten unserer Heere und die Opferwilligkeit des ganzen deutschen Volkes, am 27. Januar entwarf Herr Oberlehrer Brücher ein treffendes Charakterbild unseres all- verehrten, vielfach verkannten und gerade jetzt im Ausland viel geschmähten Kaisers. Am 31. März feierte Herr wissenschaftlicher Hilfslehrer Steinebach Bismarck als den Schöpfer des neuen Deutschen Reiches und als Führer und Vorbild unseres Volkes in der gegenwärtigen schweren Zeit. Die an diesen Tagen vorgetragenen Gedichte waren fast alle Erzeugnisse der gegenwärtigen Kriegsbegeisterung und feierten die glänzenden Großtaten unserer Krieger, deren lebendige Zeugen wir selber waren. Auch im Unter- richt, besonders im Geschichtsunterricht haben die Lehrer immer ein paar Minuten geopfert, um mit den Schülern die neuesten Ereignisse zu besprechen und ihnen an der Hand von Karten den Fortgang der kriegerischen Bewegungen klar zu machen. Auch zur Sparsamkeit im Verbrauch von Lebensmitteln, besonders des täglichen Brotes, wurden die Schüler öfter eindringlich ermahnt; die Bedeutung der Goldzufuhr an die Reichsbank wurde ihnen klargemacht. Eine am 22. Februar begonnene Goldsammlung brachte bis zum 25. März 21340.— Mark zusammen. Auch zum Sammeln von Staniol und Zigarrenspitzen wurden die Schüler veranlaßt, deren Betrag in Höhe von 31.25 Mark der Kriegswaisenfürsorge aus der von Major Hille angeregten Sammlung zu gute gekommen ist. So ist alles geschehen, um in den Schülern das Bewußtsein zu wecken von der schweren, aber auch großen Zeit, in der sie leben. Die Lehrer selbst liefern vierteljährlich einen Teil ihres Gehalts zur Unterstützung der Biebricher Kriegsfürsorge sowie zur Unter- stützung der Hilfskasse für die Hinterbliebenen gefallener Standesangehöriger in Cassel ab.


