A. Baubeschreibung.
Von Herrn Baurat Thiel.
Schon lange wurde das Realschulgebäude an der Ecke der Rathaus- und Schulstraße durch die stetig wachsende Schülerzahl immermehr beengt, so daß Klassen in anderen Schulgebäuden und weitere 3 Klassen in einem Schulpavillon auf dem Schulhofe untergebracht werden mußten.
Zunächst wurde eine Erweiterung des alten Schulgebäudes in Erwägung gezogen. Die nähere Untersuchung ergab jedoch, daß sich durch eine Vergrößerung des Gebäudes befriedigende Zustände nicht schaffen ließen, zumal die hygienischen und schultechnischen Verhältnisse völlig un- zureichend waren, ganz abgesehen von der Beschränkung des Schulhofes, welcher wegen seiner dermaligen Grösse bereits zu Klagen Veranlassung gegeben hatte.
Die städtischen Behörden beschlossen daher, ein neues Schulgebäude errichten zu lassen und kauften von der Großherzoglich Luxemburgischen Finanzkammer den zwischen der Hohenzollern-, Regenten-, Bergmann- und Kleinbodenstraße belegenen Baublock, von welchem der größte Teil zum Schulgrundstücke genommen und der Rest zu Bauplätzen verkauft werden sollte.
Der Leiter der Anstalt, Herr Direktor Stritter, stellte das Bauprogramm auf, und es wurden hiernach Skizzen von der Bauverwaltung gemacht; jedoch vergingen noch mehrere Jahre, bis eines der angefertigten Projekte die Genehmigung des Ministeriums und des Provinzial-Schulkollegiums erhielt. Herzlichen Dank gebührt an dieser Stelle Herrn Geheimen Oberbaurat Delius, Vor- tragender Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, welcher durch seine reichen Erfahrungen im Bau höherer Schulen in liebenswürdigster Weise der Bauverwaltung mit seinem wertvollen Rate zur Seite stand.
Am 11. August 1908 wurde der Entwurf mit den nötigen Kostenanschlägen der Stadt- verordneten-Versammlung vorgelegt und von dieser einstimmig die Mittel von 462 500 Mk.(ohne Inventar) zur Ausführung des Baues bewilligt, welche sich wie folgt verteilen:
Für das Hauptgebäude mit Abortanlage....... 351 100,00 Mk. Für die Turnhalle mit Durchgang.... 30 700,00„ Für Anpflanzungen, Regulierung des Spiel- und Turnplatzes,
sowie Einfriedigung....... 9 700,00„ Für Straßenbau- und Kanalbaukosten......... 34 880,00„ Für den Bauplatz............ 36 120,00„
zusammen 462 500,00 Mk.
Die städtischen Behörden erwählten gleichzeitig einen Bauausschuss für die Dauer der Aus- führung des Baues, welcher über die Vergebung der einzelnen Arbeiten beraten und bestrebt sein sollte, den Bau dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechend auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen, ferner um eine enge Verbindung zwischen Bauverwaltung und Schule zu erzielen


