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In den Ausschuß wurden gewählt die Herren:
Oberbürgermeister Vogt, Stadtbaurat Thiel, Stadtrat Boos, Direktor Stritter, Stadt- verordneter Kaufmann Freundlich, Stadtverordneter Prokurist Usener, Stadtverordneter Ingenieur Schröder und Architekt Schnorr.
Der Entwurk und die Ausführung des Baues erfolgte unter Leitung des Vorstandes der Bauverwaltung, Herrn Stadtbaurat Heinrich Thiel, welcher durch die Architekten Herren jJulius Schenk und Heinrich Bordt aufs beste unterstützt wurde. Die Bauaufsicht lag in den Händen des Bauführers Berth. Scheibe.
Am 30. September 1908 wurden die ersten Spatenstiche durch den Leiter der Schule, den Stadtbaurat und den Bauunternehmer vollzogen, und darnach die Erd- und Maurerarbeiten für den Schulbau sogleich in Angriff genommen.
Die feierliche Grundsteinlegung wurde am 7. November 1908 vorgenommen.
An der festlich geschmückten Baustelle versammelten sich auf Einladung des Herrn Ober-— bürgermeisters die Mitglieder des Magistrats, das Stadtverordnetenkollegium, das Kuratorium und das Lehrerkollegium der Schule, die Geistlichkeit, die Schuldeputation, die Leiter der anderen hiesigen Schulen und die Schüler der obersten Klassen der Anstalt.
Herr Oberbürgermeister Vogt verlas, nachdem der die Feier eröffnende Schülerchor„Mit dem Herrn fang alles an“ gesungen hatte, die in den Grundstein zu versenkende Urkunde, hielt eine Ansprache an die Versammlung, welcher die Worte„Bildung macht frei« zu Grunde gelegt waren und vollzog mit dem Wunsche:„Zur Ehre GCottes, zum Besten unserer Stadt und zum Wohle unseres geliebten Vaterlandes“ die ersten drei Hammerschläge. Herr Landrat, Kammerherr von Heimburg tat namens des staatlichen Kompatronats und des Provinzialschulkollegiums drei Hammerschläge mit den Worten:„im Dienste der Jugend, mit Weisheit und Tugend, dem Vaterland zum Nutzen“. Pierauf gab flerr Direktor Stritter seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Lehrerkollegium seinem lange und heiß ersehnten Ziele nunmehr nahe gerückt sei, sprach allen denen, welche den Bau der Verwirklichung entgegen führen wollten, aufrichtigen Dank aus und gab der Hoffnung Raum, daß alle Erwartungen und Wünsche, die sich mit diesem Bau ver- knüpfen, in Erfüllung gehen möchten. Lehrer und Schüler würden ihre ganze Kraft einsetzen, um diesen Bau zu einem Tempel der Bildung, der Erziehung und vor allem der GCottesfurcht zu machen. Er schloß mit den Worten:„Möge dieser Grundstein sein ein Sinnbild des Geistes, der in diesem Hause herrschen soll, eines Geistes des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, der Geist der Liebe aber sei der größte unter ihnen“.
Je drei Hammerschläge taten dann noch Herr Stadtverordnetenvorsteher Professor Dr. Beck mit dem Wunsche:„Unserer heranwachsenden Jugend zum Heile und Segen“; Herr Stadtbaurat Thiel mit den Worten:„Lotrecht wie des Baues Stein, klar wie der Sonne Schein; Deutsche Jugend, du sollst Gott befohlen sein“«; und Herr Maurermeister A. Maurer mit den Worten:„Deutsche Jugend mit deutschem Glauben und deutscher Treue möge in diesem flause aus- und eingehen“.
Hierauf wurde die Urkunde, welcher ein Verzeichnis der städtischen Behörden, ein Ver-— waltungsbericht von 1906/07, eine Biebricher Tagespost vom 12./8. 08, ein Schulbericht der Real- schule 1908, ein Plan der Stadt und einige Münzen beigefügt wurden, versenkt, und der Grund- stein, welcher sich in dem Fundamente der beiden östlichen Säulen des Hauptportals befindet, ein- gemauert. Mit dem gemeinsamen Gesang„Deutschland, Deutschland über alles“ schloß die Feier.
Die Maurerarbeiten konnten bis zum 24. Dezember 1908 fortgesetzt und der Bau bis zur Höhe des Erdgeschosses aufgeführt werden, dann mußten jedoch die Arbeiten wegen eintretenden starken Frostwetters eingestellt werden. Am 24. März 1909 wurden die Arbeiten mit frischer Kraft wieder aufgenommen und derart gefördert, daß am 1. August das Gebäude vollständig unter Dach gebracht werden konnte.


