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Kleinod sein. Wahrheit ist die Lebenssonne, deren Glanz Leben weckt und Liebe lehrt, deren Strahl das Dunkel unseres Erdenlebens allgewaltig durchbricht und klärt, deren Wesen offen und doch unerreichbar erhaben über uns waltet. Sie ist der Kern, den wir suchen, Schüler und Meister, Alt und Jung. Der jahrelange Unterricht, theure Zöglinge, den Eure Jugend geniesst, er ist nur die Bahn, die wir Euch führen, die Wahrheit zu suchen,— nur das Rüstzeug, das wir Euch geben wollen, zu kämpfen gegen, die Macht der Finsterniss,— nur der Wunsch, den Trieb nach Wahrheit Euch als das Höchste in die jungen Herzen zu pflanzen.— Wehe dem Menschen, der das Streben nach Wahrheit verloren hat, er hat sich selbst verloren! Scheut nicht den Kampf, den es wohl kostet, wenn der eigene Fehler eingestanden werden muss; er ist rasch überstanden und segensreich; dauernd dagegen und verderblich sind die Folgen der ersten Unlauterkeit. Die eine Unwahrheit ist die Quelle der andern und mit jeder neuen sinkt der Mensch in der Achtung seiner Mitmenschen und seines eigenen bessern Selbst.
..... Weh'! 0, weh' der Lüge! Sie befreiet nicht, Wie jedes and're wahrgesprochine Wort, Die Brust; sie macht uns nicht getrost; sie ängstet Den, der sie heimlich schmiedet und sie kehrt, Ein losgedrückter Pfeil, von einem Gotte Gewendet und versagend, sich zurück Und trifft den Schützen.»
Die Schule aber soll die Werkstätte des Geistes Gottes, des heiligen Geistes sein, und das ist der Geist der Wahrheit. Ach, dass doch Jeder von Euch reich an Gehorsam, Fleiss und Wahrhaftigkeit hinaustreten möchte in den Kampf der Welt und dort als Character stehe, fest wie der Fels im brausenden Meer, der Menschheit ein würdiges Glied, dem Vaterland eine Stütze und Zier. Dem Vaterlande aber sollt Ihr gehören!
Hat wohl jemals ein Zeitalter seine Schule so mächtig aufgefordert, zur Vater- landsliebe zu erziehen, wie unsere gewaltige Gegenwart? Und so möchte ich denn bei dem Einzuge in dies neue Gebäudſe es auch weihen zu einer Bildungsstätte guter deutscher Art, echten deutschen Sinnes, inniger deutscher Vater- landsliebe. Mit dem Dichter lasst mich mahnen:»An'’s Vaterland, an's theure, schliesst Euch an, das haltet fest mit Eurem ganzen Herzen; hier sind die starken Wurzeln Eurer Kraftly Wir sind Zeuge gewesen, wie zwei Nachbarvölker, beanlagt und berufen wie kaum zwei andere zum friedlichen Wettkampfe in Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, in Todesfeindschaft einander gegenüber standen. Das eine Volk, seit Jahrhunderten bald der Schrecken bald der Ab- gott Europa's,— das andere, das stille Volk der Denker, der Geduld, der Ideale; jenes übermüthig, siegesbewusst und lärmend zu den Waffen rufend,— dieses nur gezwungen und zögernd das Schwert ziehend. Wer ahnte wohl, dass Gottes Strafgericht so jäh, so furchtbar den Angreifer niederschmettern würde? Und doch, musste es denn nicht so kommen? Die Zeit, dass die verschrobene höhere Bildung unter uns das Deutsch-Volks- thümliche verachtéte, sich nur in welschem Tand gefiel, sie musste ja zuletzt auch von der Hohlheit desselben überzeugen; die Zeit, dass unser gutes, deutsches Volk ein so masslos ideales war, für Ideen schwärmte, für Ideen hungerte, für Ideen litt und starb, sie musste ja doch einmal ihr Ende erreichen; die Schule der Trübsal, durch die es Jahrhunderte lang hin- durch geführt worden, sie musste es doch endlich geläutert haben. Endlich, ja endlich, musste die körperliche und geistige Tüchtigkeit, die unser Volk in so hohem Grade besitzt, ihm untern den Völkern des Erdkreises den Rang sichern, den es wahrlich verdient.— Weit entfernt, in dem ausbrechenden Kriege, der uns so furchtbare Opfer kosten sollte, unsererseits einen Siegeszug zu ahnen, stehen wir heute mit dem Bewusstsein und der Ruhe des guten


