Gewissens, dass dieser erzwungene Riesenkampf die Frage nicht unentschieden gelassen hat, weder dass deutsche Kriegskunst der französischen gewachsen, noch dass germanisches Wesen gallischem Scheine überlegen ist. Unserem Volke aber sehen wir seinen Kaiser und mit ihm die Weltstellung gegeben, welche Geistestüchtigkeit, Literatur, Glaube ihm seit tausend Jahren versprochen haben.— Und dieses Volk sollte nicht getrost ergreifen den Preis des theurén Sieges, seine zwei Landschaften, in der Zeit der Ohnmacht dem Kaiser und dem Reich geraubt? Der alte Volkskern ist dort noch lange nicht verdorben und gestorben; was Deutschlands Schwert erworben, wird Deutschlands Geist zu behaupten wissen und wenige Jahre deutscher Schule, deutscher Zucht werden genügen und jene Stämme werden den Tag segnen, der sie dem geeinten. grossen Vaterlande wieder zuführte.
Wohl darf ein gerechter Volksstolz uns jetzt erfüllen und diesen edlen Stolz soll und will auch unsere Schule pflegen. Der ganze uns aufgedrungene Krieg ist bis zur Stunde ein Beweis gewesen, dass unsere deutsche Bildung kein Flitterwerk, unsere Hu- manität kein leerer Schall, die Urkraft unseres Volkes keine hohle Phrase ist. Als unser ruhmsüchtiger Nachbar in eigener Selbstüberschätzung dem uneinigen, träumenden Deutsch- land ungestraft den Fehdehandschuh hinzuschleudern vermeinte— als dann unser greiser Heldenkönig im Vertrauen auf Gott und sein Volk den Aufruf erliess:»Ich bin gezwungen, in Folge eines willkürlichen Angriffs das Schwert zu ziehen, um denselben mit aller Deutschland zu Gebote stehender Macht abzuwehren!« da wurde der 16. Juli 1870 der Morgen des Erwachens der deutschen Einheit. Was Walther von der Vogelweide gesungen und geklagt von Deutschlands Grösse und Leid, was der Urahne vor Jahrhunderten dem Enkel erzählt,— was der Enkel, grau geworden, dem Urenkel begeistert gesagt,— was die Schule mit Vorliebe in Vaterlandsliedern und Sagen gehegt und gepflegt als das süsse, unerreichte Engelsbild: Deutschlands Morgenröthe, Deutschlands heller Sonnentag leuchtete mit einem Zauberschlage von den Alpen zu dem Meer, von der Mosel zu der Memel. Ein einig Volk von Brüdern, Fürsten, Völker, standen wach und bereit, für des Vaterlands Ehre mit Gut und Blut einzustehen. Und als unsere Hunderttausende von Helden aus- zogen, der Heimat Liebstes, Weib und Kind zurücklassend, da erhoben sich Millionen, soweit das deutsche Auge die Sonne grüsst, in opferfreudiger Liebe, um die Sorge daheim auf sich zu nehmen.— Wem sollte da das Herz nicht hoch schlagen? Wer könnte dem Himmel den Dank schuldig bleiben, dass er ihn diese wunderbare Zeit zu erleben würdigte? Wahrlich, Grossartigeres hat kaum je die Geschichte in ihre Blätter eingezeichnet!
Und wo liegen die Quellen dieser Begeisterung. dieses Volkskernes, dieser Volks- kraft? Es ist die durchgängige wahre Bildung deutscher Schule, die edle Sittlichkeit, die ganze Tiefe echter deutscher Religiosität. Auf diese hehren, heiligen Güter sollt Ihr, lieben Zöglinge, dürfen und wollen wir Alle stolz sein und unsere Schule soll und will sie wahren, dass die Gegenwart eine glückliche, die Zukunft eine reich gesegnete sein möge.
Sie aber, Hochverehrteste Festversammlung, insonderheit Sie, Hochverehrtesten Vertreter unserer Hohen vorgesetzten Königlichen Behörden, Hochverehrtester Herr Bürger- meister und Gemeinderäthe, Sie alle hochverehrtesten Eltern und Freunde der Jugender- ziehung, erhalten Sie uns Ihr Vertrauen und Wohlwollen und lassen Sie uns Hand in Hand das schöne Werk der Jugendbildung fördern! Lassen Sie uns vereint streben nach dem Ideal, dass unsere neue Schule sei ein Tempel, in welchem der Glaube führt, die Liebe wirkt und die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft lebendig ist.
Und Du, Vater im Himmel, schenke zur Arbeit das Gelingen und lass uns streben in Deiner Furcht, denn sie ist der Weisheit Anfang. Gott, erhalte uns den Frieden und lass alle Segnungen des Friedens reihich auch auf dieses Werk des Friedens herabkommen!
Herr, schütze unsern Kaiser und König! Herr segne unser Vaterland! Amen!


