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erzog ihn zum Gehorsam, zum Fleiss, zur Wahrhaftigkeity. Nun, meine lieben Zöglinge, Eure Eltern, Eure Geschwister, Eure Lehrer, Eure Freunde, ja jeder wohldenkende Mensch ist von dem gleichen Wunsche beseelt, jeden von Euch dereinst tüchtig und geachtet seine Stelle in der menschlichen Gesellschaft ausfüllen zu sehen. So sei denn mein erstes Wort an Euch: dieses Haus, in welchem wir von jetzt an gemeinschaftlich das Werk Eurer Ausbildung fortsetzen wollen es sei vor Allem eine Stätte des freien, echten Gehorsams! Zum Gehorsam wollen wir Euch erziehen. Nicht zu jenem sclavischen Gehorsam, der kaum scheu aufzublicken wagt zu seinem Gebieter— nein, zu dem freien, selbstdenkenden, willigen Gehorsam, der hervorleuchtet aus dem klaren Auge, der herab strahlt von der freien Stirne, der hervortönt von der die ganze Wahrheit frisch redenden Lippe. Jeder von Euch Jünglingen soll wissen, dass das gebietende Wort des Lehrers keine Forderung an Euch stellt, die nicht in göttlichen und menschlichen Gesetzen ihre Begründung hätte. Was aber dem Vogel die Luft, was dem Fische das Wasser, das ist der Schule eine gesunde Disciplin— Gesetzlichkeit. Gesetze sind es, welche die Familien glücklich, die Gemeinde wohlstehend, den Staat mächtig machen sollen. Blickt hin auf unser Erhabenes Königshaus, wie es reich ist an diesem Gehorsam, wenn der Ahne spricht:»Ich und mein Haus wollen dem Herrn dieneny. Schaut hin auf unser sieg- gekröntes Heer, das unter Entbehrungen und Mühsalen unverdrossen seine Heldenthaten vollbrachte, indem es seiner Führung gehorchte, das dann auf fremdem Boden männlich ausharrte, so mächtig auch des Herzens Sehnen nach der Heimat rief;— seht hin auf unser herrliches Vaterland, das den Völkern der Erde ein Vorbild wird, indem es dem Gesetze genügt: Dies ist der Gehorsam, der das Sonderinteresse dem allgemeinen Wohle unterzuordnen weiss und der deshalb hinauf führt zur ewigen, wahren Freiheit.
Das Zweite, was ich mit unauslöschlichen Zügen bei der heutigen Feier in Euere Herzen eingraben möchte, ist die Mahnung: dies Haus sei eine Stätte des Fleisses. Mag auch Manchem von Euch zuweilen unsere Forderung hart dünken, mag auch der Eine oder Andere meinen, es bleibe doch gar zu wenig Zeit zur Erholung— es darf Euch dies nicht zurückschrecken, uns soll es nicht irre machen. Jeder Classe ist ihr wohlberechnetes Ziel gesetzt, das erreicht werden muss und recht wohl erreicht werden kann bei gewissenhaftem Streben. Freilich muss Euer Fleiss ein aufrichtiger sein! Nicht zühlen wollen dürft Ihr die Minuten und Stunden, die Ihr bei der Arbeit sitzt, sondern fragen müsst Ihr Euch stets, ob Ihr mit ganzem Herzen bei der Arbeit seid, ob sich alle Eure Gedanken in dem Gegenstande Eures Lernens zusammen finden. Das Leben fordert Austrengung und hartes Arbeiten, gewöhnt Euch zeitig daran. Wisset:
»Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born; Nur des Meissels schwerem Schlag erweichet Sich des Marmors sprödes Korn!«
Dass aber alles Lernen für das Leben und zu Eurem eignen Besten geschieht— dass Ihr mit Eurem Fleisse Euch selbst, nicht der Schule dient, davon haltet ELuch doch stets überzeugt. Fleiss aber verlangen wir nicht bei Euren geistigen Arbeiten allein, sondern ebensowohl bei Euren körperlichen Erholungen. Fliehet alles tändelnde, läppische Spiel; lernt, frisch, gesund, würdig und glücklich leben; haltet auf Euren Körper. lehrt ihn Anstrengungen ertragen und nehmt mit Fleiss jede Gelegenheit wahr, denselben zu kräftigen und auszubilden. Macht ihn zu einem gesunden Gefässe, in welchem ein ge- sunder Geist wohne, denn solcher Männer bedarf das Vaterland!
Die dritte Perle, welche den echten Schmuck unseres neuen Ge- bäudes, unserer ganzen Schulgemeinschaft bilden soll, ist die Wahr- haftigkeit. Sie muss des Kindos Nahrung, des Jünglings Leitstern, des Mannes höchstes


