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wesentliche Erweiterung erfahren, die Oberclassen haben sich entwickelt und, will es Gott, so wird dieser innere Ausbau immer noch weiter gedeihen. Wir sind dadurch mit den übrigen höheren Schulen unseres grossen Vaterlandes in engem Organismus verbunden.— Hohes Cultus-Ministerium hat, wir erkennen es hier mit dem schuldigem ehrfurchtsvollen Danke an, der Anstalt die Berechtigung zu Ahgangsprüfungen ertheilt und diese Wohl- thaten werden sich in unserem Schulwesen noch mehr und mehr geltend machen und uns auch über die mancherlei Schwierigkeiten hinweg helfen, die uns noch entgegen stehen. Wir gehören einer öffentlichen Schule an, einer Landesanstalt zum allgemeinen Besten, einer Anstalt für die Mit- und Nach-Welt. Unsere Auſgabe ist damit eine streng zuge- messene, erhaben in ihrem Ziele, voller Mühe in ihrer Lösung, lohnend durch innere Befriedigung in ihrem Gelingen. Unsere Aufgabe ist es, mitzuarbeiten an dem grossen Werk, das die vaterländische Schule verfolgt, zu helfen und zu bauen in dem schönen Garten deutscher Bildung und Sitte.
Wenn wir daher heute diese neue der Bildung geweihte Stätte betreten, so ge- denken wir zunächst an die Wichtigkeit dieser Arbeit, ähnlich dem Gärtner, der mit dem neuen Frühling den Garten betritt. Wohl dünkt ihm da die Arbeit mitunter viel und schwer, wenn er seine jungen Stüämmchen pflegt. Da will der Boden gelockert sein, dass Luft und Wärme eindringen und der Thau und Regen des Himmels die Wurzeln erreichen mögen; lästiges Unkraut muss ausgerottet, der Wildling veredelt, der Schwächling gestützt.
wuchernde Aeste müssen ausgeschnitten werden,— und dann, wann alle Arbeit gethan, alle Mühe aufgewendet ist, dann überlässt er in frohem Aufblicke dem Himmel das Weitere in dem festen Glauben:»van Gottes Segen ist Alles gelegen!“— Unsere Arbeit,
verehrteste Eltern und werthe Collegen, und unsere Hoffnung ist sie nicht die gleiche? Und wie der Gärtner unverdrossen jedes Reis pflegt, unbekümmert, ob ihn die Früchte dereinst erquicken werden, ja ob es ihm auch nur beschieden sein werde, sich des Anblicks der Blüten zu erfreuen, so wollen auch wir keine Mühe verloren glauben. Wir wirken in der Gegenwart und für die Gegenwart, zumeist aber für die Zukunft, denn ihr gehört die Jugend. Lohnarbeiter, Miethlinge wollen wir nicht sein und was wir hier in Mannes- kraft wirken, es gehöre der Stadt, dem Staate, der ganzen Menschheit und möge mit der zunehmenden Wissenschaft und Humanität wachsen, blühen und Früchte reifen! Wann dann längst des Todes Hauch uns abgestreift und unsere Spur verweht haben wird in dem sich immer wieder verjüngenden Garten der Menschheit, dann wird auch unsere Schule fortblühen und die Menschheit und mit ihr all' das Schöne und Gute, das zu pflegen auch wir uns hier zur Aufgabe stellten.— Es segne Gott den Vorsatz, den wir uns heute hier erneuern, unser Werk zu thun mit Freuden und nicht mit Seufzen, in der frohen Ueberzeugung zu leben und zu lehren, dass alle wohldenkenden Bürger der Stadt, alle edelgesinnten Menschen mit uns eins sind in unserm Thun und Streben!
Zu Euch nun wende ich mich, meine lieben Schüler! Ihr seid die theurèén Pfänder, von sorgenden Elternherzen unserer Führung übergeben, über die wir dereinst Rechenschaft ablegen sollen; Ihr habt das Anrecht auf unsere ganze Liebe, auf unsere ganze Sorge, auf unser ganzes Leben und Streben. Bei solchen Rechten können Pflichten nicht fehlen. Ihr kennt sic, denn gar oft werden sie in Euer Gedächtniss zurück gerufen. Aber auch die heutige Feier benutze ich dazu, möchte ich doch so gerne, dass so manches Alte noch abgelegt, dass Ihr so recht als neue Menschen in neuem, gewissen Geiste in die neuen Räume einziehet. Zu Euch wende ich mich in der feierlichen Stunde der Einweihung mit dem Zurufe:»Obedientia, diligentia, veritasl», mit dem Aus- spruche der Mutter eines Mannes, dem es beschieden war, sein Vaterland gross zu machen und gross zu sehen. Es war George Washington's Mutter. Befragt, wie sie
ihren Sohn zu einem so ausgezeichneten Manne gebildet habe, antwortete sie: Ich 3*


