Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

19

ihm vorgetragenen Bitte entſprechend durch Entſchließung vom 16. d. Mts. zu genehmigen geruht, daß das Seminar in Bensheim ſeinen Namen tragen dürfe. Die Anſtalt führt hiernach in Zukunft die amtliche Bezeichnung:Ernſt⸗Ludwigs⸗Seminar in Bens⸗ heim, und gebe ich der hoffnung Raum, daß ſie ſich dieſer Allerhöchſten Kuszeichnung allezeit würdig erweiſen werde.

In der offiziellen Feſtrede brachte der Direktor nach herzlicher Begrüßung der er⸗ ſchienenen Behörden und Feſtgäſte Gefühle des Dankes gegen Gott zum AKusdruck, unter deſſen gnädigem Schutz der ſtattliche Bau ohne Unglücksfälle für die vielen Meiſter und Ar⸗ beiter innerhalb dreiundeinhalb Jahren errichtet wurde. Er ſtattete dann im Ramen der Anſtalt untertänigen Dank dem Erlauchten Landesherrn ab, der durch die gnädige Verleihung des Ramens:Ernſt⸗Ludwigs⸗Seminar einen erneuten Beweis ſeines Intereſſes für das Bildungsweſen und ganz beſonders für die Volksſchule gegeben und dadurch das Seminar ſtets mahne, ſich der ehrenvollen Kuszeichnungen würdig zu erweiſen und eine Stätte ernſter pädagogiſcher Bildung, religiös⸗ſitllicher Erziehung, reiner Sitte und reichen Lebens zu ſein.

Rach weiteren Worten des innigen Dankes an Großh. Staatsregierung, die Land⸗ ſtände und die Stadt Bensheim für ihre Opferwilligkeit, den Erbauer, ſowie an alle an der Entſtehung, Ausführung und Vollendung Beteiligten, verbreitete er ſich über die neu⸗ zeitlichen Forderungen der Lehrerbildung und die heutige Aufgabe der Lehrerſeminare. Er lenkte den Blick auf die weitere Entwickelung dieſer Unſtalten, aus denen vielleicht einſt⸗ mals pädagogiſche Akademien werden können, und redet der gemeinſamen Tätigkeit von Staat und Rirche bei der intellektuellen, praktiſchen und ſittlichen Bildungsarbeit das Wort.

Im weiteren Verlauf ſeiner Rede brachte er die hoffnungen und Wünſche zum Aus⸗ druck, die man an die zu erwartende Umgeſtaltung des heſſiſchen Volksſchulgeſetzes und den künftigen Seminarlehrplan knüpft. Er ſkizziert hierfür kurz die Ziele der einzelnen Unterrichtsfächer und verſpricht die treue Mitarbeit des Ernſt⸗Ludwigs⸗Seminars zu der Verwirklichung aller gehegten hoffnungen zur heranbildung eines wiſſenſchaftlich tüchtigen Lehrernachwuchſes und ſelbſtändig denkender, ſelbſttätig wirkender Lehrer die national⸗ geſinnte, religiös⸗ſittliche und fürs Leben brauchbare Menſchen heranzubilden beſtrebt ſind.

Die Worte des Direktors klangen aus in dem Wunſche, daß das neue haus allzeit erleuchtet von dem reinen Lichte der Wiſſenſchaft, ſeine Bewohner beſeelt von inniger Liebe zu Gott und den Menſchen und begeiſtert für erſprießliche Tätigkeit ſein mögen.

Kuf die Glückwünſche der herren Prälat D. Dr. Flöring für die evangeliſche RKirchen⸗ behörde, Prälat Dr. Selbſt für das biſchöfliche Ordinariat, Direktor Geh. Schulrat Dr. Kieſer für das hieſige Gymnaſium, Direktor hemmes für die Caubſtummenanſtalt, Kreis⸗ rat Eckſtein im Namen der Kreisſchulkommiſſion, Bürgermeiſter Dr. Frenay namens der Stadt Bensheim, Direktor Dr. Schäfer für die Schweſterſeminarien Friedberg und Alzey dankte der Direktor in bewegten Worten..

Der Vortrag des markigen Feſtmarſches,Sur Weihe des hauſes, den herr Seminar⸗ muſiklehrer Döbert komponiert und den jetzigen und ehemaligen Schülern des Bensheimer Seminars gewidmet hat, bildete den Schluß der ſchönen und herzerfreuenden Feier.

n die akademiſche Feier ſchloß ſich eine Beſichtigung des neuen Seminargebäudes durch die geladenen Gäſte an, während am ganzen Rachmittag das haus für den allgemeinen Beſuch geöffnet war.

Zum Jeſteſſen um 2 Uhr waren 257 Teilnehmer erſchienen. Da der Speiſeſaal des Seminars nicht alle faſſen konnte, mußte den Zöglingen und einigen herren des Lehr⸗ kollegiums im Feſtſaale das Mahl gedeckt werden. Die Bewirtung lag in den händen des Beſitzers des Bahnhofhotels herrn Adam Baumgart, der ſich ſeiner nicht leichten Kuf⸗ gabe zur allgemeinen vollſten 5ufriedenheit entledigte.

Das hoch auf den Landesherrn brachte Se. Exzellenz der herr Miniſter v. hombergk aus. Er feierte Se. Kgl. hHoheit als Schutzherrn und Förderer der Schulen und des Lehrerſtandes, dem wir von herzen Dank und innige Liebe und Verehrung zollen.