Jahrgang 
1897
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des Innern ſpreche ihm heute die freudigſte Anerkennung und den herzlichſten Dank aus und verknüpfe damit den Wunſch, daß es dem hochverdienten Manne, den die Großh. Regierung nur mit Bedauern aus dem Amte ſcheiden ſehe, noch lange vergönnt ſein möge, ſich der wohl⸗ verdienten Ruhe in friſcher Geſundheit zu erfreuen. Herr Geheimer Schulrat Mühr dankte tief ergriffen für dieſe ehrenvolle Anerkennung ſeines langjährigen Wirkens und ſprach ſeinerſeits der hohen vorgeſetzten Behörde und ſeinen Mitarbeitern im Seminar, den Lehrern, für die Unter⸗ ſtützung in ſeinem Amte herzlichſten Dank aus Nun widmete noch Herr Profeſſor Flegler namens des Lehrerkollegiums dem ſcheidenden Chef herzliche Abſchieds⸗ und Dankesworte und verſicherte, daß die Lehrer ihres hochverdienten Direktors ſtets in treueſter und aufrichtigſter Ergebenheit gedenken würden. In launigen Worten feierte dann beim geſelligen Beiſammenſein Herr Oberſchulrat Dr. Eiſenhuthden alten Freund Mühr, der dies nicht nur ihm ſo lange Jahre hindurch in Freud und Leid geweſen ſei, ſondern auch den ihm unterſtellten Beamten. Ihm und ſeiner Gemahlin, die ja noch als treue Gefährtin an ſeiner Seite weile, widmete er die herzlichſten Wünſche für die Zukunft. Abends brachten die Seminariſten Herrn Geh. Schulrat Mühr unter Leitung des Herrn Seminarlehrers Sailer ein Ständchen und ließen dabei durch den Seminariſten Weber ihre Abſchiedswünſche ausſprechen. So iſt Herr Geh. Schulrat Mühr aus ſeiner langjährigen Thätigkeit geſchieden, bereits morgen verläßt er ſeine Wohnung im Seminar, um am 1. Oktober endgültig in den Ruheſtand einzutreten. Die Liebe und Verehrung aller derer, die ihm nahe geſtanden, folgt ihm, und aufrichtige Freundſchaft wünſcht ihm einen glücklichen Lebensabend, der dem trotz ſeiner 77 Jahre noch außerordentlich rüſtigen Manne noch viele Jahre im Genuß ſtillen Glücks dauern möge.

Während der Dauer der Beurlaubung des Direktors war Seminarlehrer Prof. Flegler mit der Führung der Direktionsgeſchäfte beauftragt.

In den Tagen vom 17. bis 20. Juni machten Lehrer und Schüler einen größeren Ausflug, der den oberen Schwarzwald zum Ziele hatte und die Reiſegeſellſchaft bis an den Rheinfall zu Schaffhauſen führte. Die vielfältigen mächtigen Eindrücke, die die Teilnehmer von der durch günſtiges Wetter ausgezeichneten Tour mit nach Hauſe brachten, werden ihnen noch lange in Erinnerung bleiben.

Am 29. Juli 1896 waren ſeit Gründung des Bensheimer Schullehrerſeminars 75 Jahre verfloſſen. Von einer beſonderen Feier des Tages innerhalb der Anſtalt wurde abgeſehen. Doch fand die Thatſache in öffentlichen Blättern Erwähnung, ſodaß das Lehrerkolleg durch ver⸗ ſchiedene freundliche Glückwünſche erfreut und geehrt wurde.

Der Sedantag wurde zu einem halbtägigen Schulausfluge benutzt. In Reichenbach i. O. vereinigten ſich die drei Klaſſen, deren jede bis dahin einen beſonderen Weg eingeſchlagen hatte, zu einer einfachen Feier, bei der Herr Seminarlehrer Werner in einer kurzen Anſprache auf die Bedeutung des Tages hinwies.

Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, erhielt Herr Seminarlehrer Werner zum Zweck weiterer Ausbildung in der franzöſiſchen Sprache einen vierwöchigen Urlaub, den er im Monat Oktober in Paris verbrachte.

Der an Stelle des Herrn Geheimen Schulrats Mühr durch Allerhöchſtes Dekret vom 7. Juli 1896 zum Seminardirektor ernannte Realgymnaſiallehrer Joh. Wilhelm Geiger aus Gießen wurde am 1. Oktober durch Herrn Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth aus Darmſtadt in ſeinen neuen Dienſt eingewieſen. Bei dieſer Feier, zu der außer den Lehrern und Zöglingen der Anſtalt auch die Spitzen der Behörden, die Vertreter der Geiſtlichkeit und der hieſigen Schulen erſchienen waren, wurde ſeitens des Herrn Oberſchulrats noch einmal in höchſt anerkennender Weiſe der langjährigen ſegensreichen Thätigkeit des ſeitherigen Leiters der Anſtalt gedacht und dem neuen Leiter ſeine Pflichten als Seminardirektor vorgezeichnet. Seitens des Lehrerkollegiums und de Anſtalt begrüßte Herr Seminarlehrer Profeſſor Flegler in herzlichen Worten den neuen

ire ktor.

Johann Wilhelm Geiger, geb. am 20. Juni 1859 zu Rhein⸗Dürkheim im Kreiſe Worms, Sohn des Beigeordneten Johann Geiger I., beſuchte von 1869 an die Schwarz'ſche Anſtalt in Oſthofen, die Realſchule zu Worms und das Realgymnaſium zu Darmſtadt, woſelbſt er im Herbſt 1877 die Reifeprüfung beſtand.

Nach 4 jährigem Studium auf der techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt und auf der Landesuniverſität in Gießen beſtand er am 2. Juni 1881 die Staatsprüfung in Phyſik, Mathematik und Chemie und wurde