Jahrgang 
1897
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F. Gottesdienſt.

Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienſt ihrer Konfeſſion teil und ſangen mehreremals während desſelben geiſtliche Chöre.

G. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Das bedeutſamſte Ereignis des abgelaufenen Schuljahres war der Wechſel in der Leitung der Anſtalt, der durch die Penſionierung des verdienten ſeitherigen Direktors veranlaßt wurde. Herr Seminardirektor Mühr fühlte ſich ſchon während des ganzen Winters 1895/96 durch fortwährende Schmerzen, die ihm ein Steinleiden verurſachte, körperlich angegriffen; nach Neujahr vermochte er nur mit großer Anſtrengung und unter Anſpannung ſeiner ganzen Willensſtärke Unterricht zu erteilen und die übrigen dienſtlichen Geſchäfte zu erledigen. Noch vor Schluß des Schuljahrs verſchlimmerte ſich ſein Befinden derart, daß ihm eine Fortſetzung ſeiner Berufs⸗ thätigkeit unmöglich wurde. Er nahm zwar mit Aufbietung aller Kraft an der vom 23. bis 25. März dauernden Abgangsprüfung der Oberklaſſe bis zu deren Ende teil; aber er vermochte nicht mehr, dem feierlichen Schlußakte beizuwohnen und dabei die Entlaſſung der Abiturienten zu vollziehen. Herr Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth hatte die Güte, einer Bitte des Lehrerkollegs zu entſprechen und den Wünſchen und Hoffnungen, die die Austretenden bei ihrem Weggang von der Anſtalt begleiteten, in einer warmen Anſprache Ausdruck zu verleihen. Am Anfang des Aprils erhielt Herr Direktor Mühr den von ihm nachgeſuchten Urlaub zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit; er begab ſich dann beim Eintritt der wärmeren Jahreszeit in das Bad Wildungen, um ſich daſelbſt der Behandlung des bekannten Spezialiſten Sanitätsrats Dr. Marck zu unter⸗ ziehen. Eine von dieſem vorgenommene Operation gelang überraſchend gut, ſodaß der Patient nach einigen Wochen von den quälenden Schmerzen befreit heimkehren konnte. Doch hatte das ſchwere Leiden ſeine Körperkraft derart geſchwächt, daß er ſich trotz der erzielten Beſſerung ver⸗ anlaßt ſah, um ſeine Verſetzung in den Ruheſtand einzukommen. Dieſe wurde ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog durch Dekret vom 7. Juli unter Anerkennung ſeiner mehr als 50 jährigen treuen und ſehr erſprießlichen Dienſte mit Wirkung vom 1. Oktober 1896 gewährt, zugleich geruhten Seine Königliche Hoheit dem in den Ruheſtand Tretenden in An⸗ betracht ſeiner Verdienſte den CharakterGeheimer Schulrat zu erteilen. Von ſeiten des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, wurde dem ſcheidenden Direktor am 24. Auguſt noch eine beſondere Ehrung zu teil, über die wir einen Bericht der Darmſtädter Zeitung hier folgen laſſen.

Zu Ehren des demnächſt aus dem aktiven Dienſte ſcheidenden Herrn Geheimen Schulrates Mühr, des verdienſtvollen Leiters des hieſigen Schullehrerſeminars, fand heute Nachmittag eine würdige und erhebende Abſchiedsfeier ſtatt. Zu derſelben waren als Vertreter der Großh. Regierung die Herren Wirklicher Geheimerat Dr. Knorr von Roſenroth, Exz., und Ober⸗ ſchulrat Dr. Eiſenhuth hierhergekommen, die ſich mit dem geſamten Lehrerkollegium des Seminars nach 3 Uhr in die Wohnung des Herrn Geheimen Schulrates begaben. Hier hielten Seine Erzellenz eine herzliche Anſprache an den ſcheidenden Leiter der Anſtalt und betonten beſonders die außergewöhnliche Pflichttreue, die Herr Geheimer Schulrat Mühr während ſeiner überaus erfolgreichen Thätigkeit im heſſiſchen Schuldienſte, dem er nun ſeit 57 Jahren ſeine Kräfte weihe, bethätigt habe. Die Großh. Regierung und die Abteilung für Schulangelegenheiten im Miniſterium