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hierauf bis Herbſt 1882 Acceſſiſt am Realgymnaſium zu Gießen. Nach Beendigung ſeiner einjährig⸗freiwilligen Dienſtzeit in Worms war er 3 ½ Jahre lang Lehrer an der höheren Bürgerſchule in Groß⸗Gerau und wurde im Mai 1887 an das Realgymnaſium nach Gießen verſetzt, wo er 3 Wochen ſpäter definitiv angeſtellt wurde. Hier wirkte er hauptſächlich als Phyſiklehrer bis zu ſeiner Ernennung zum Seminardirektor in Bensheim.
Am 1. Oktober ſtarb nach langem Leiden der frühere Schüler der Mittelklaſſe Seminariſt Georg Scheuch aus Crumſtadt. Derſelbe war im Frühjahre nach dieſer Klaſſe verſetzt worden, konnte aber wegen Krankheit den Unterricht nicht beſuchen und trat deshalb zu Anfang des neuen Schuljahres aus. Eine Deputation von etwa zwölf Schülern der Anſtalt beteiligte ſich an dem Begräbnis ihres verſtorbenen Mitſchülers in Crumſtadt, und das Lehrerkollegium drückte den Eltern ſchriftlich ſeine Teilnahme an dem Verluſte des braven und begabten Schülers aus.
Der gemeinſame Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Groß⸗ herzogin wurden in herkömmlicher Weiſe durch Vortrag patriotiſcher Lieder und Gedichte gefeiert. Die Feſtrede, welche die Entwicklung des heſſiſchen Volksſchulweſens behandelte, wurde von dem Direktor gehalten und endete in einem Hoche auf die Allerhöchſten Herrſchaften.
Am 21. Dezember beehrte Herr Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth die Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte in allen Klaſſen dem Unterrichte bei.
Zwiſchen den Präparandenanſtalten und den Schullehrer⸗Seminarien wird künftig ein engerer Zuſammenhang und ein lückenloſer Übergang möglich ſein, da durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 1. Februar die Beauf⸗ ihinnd und Verwaltung der Präparandenanſtalten den Seminardirektionen übertragen worden iſt.
Einem andern allgemeinen Wunſche wurde im vergangenen Schuljahre dadurch entſprochen, daß die Seminarien in die Zahl derjenigen Schulanſtalten aufgenommen worden ſind, welche den Zöglingen nach beſtandenem Schlußexamen Berechtigungsſcheine zum einjährig⸗freiwilligen Dienſt ausſtellen können
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 3. Februar 1897 wurde der proviſoriſche Seminarlehrer, Lehramtsaſſeſſor Werner, definitiv zum Lehrer an dem Seminar angeſtellt.
Heinrich Werner, Sohn des Großh. Hoftheater⸗Direktors Werner in Darmſtadt, iſt am 20. November 1870 geboren. Nach dem Beſuche des Ludwig⸗Georg⸗Gymnaſiums in Darmſtadt ſtudierte er auf den Univerſitäten zu München und Gießen Geſchichte und Germaniſtik und beſtand an letzterer Hochſchule am 4. März 1893 das Staatsexamen.
Den vorgeſchriebenen Acceß abſolvierte er an dem mit einem pädagogiſchen Seminar verbundenen Neuen Gymnaſium in Darmſtadt und am Realgymnaſium daſelbſt. Nach einigen dienſtlichen Ver⸗ wendungen am Gymnaſium und der Realſchule zu Worms, ſowie am Realgymnaſium und dem Ludwigs⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt wurde er am 1. Oktober 1895 mit der proviſoriſchen Ver⸗ waltung einer Lehrerſtelle am Schullehrer-Seminar zu Bensheim beauftragt.
Während des Winterhalbjahres wurden ebenfalls einige Spaziergänge mit den Zöglingen unternommen und zweimal das Großherzogliche Hoftheater in Darmſtadt gelegentlich der Auf⸗ lihunnden von Leſſings:„Minna von Barnhelm“ und Schillers:„Die Jungfrau von Orleans“ eſucht.
Als Abſchluß der an den Sonntag⸗Abenden im Winter abgehaltenen Vorträge des Kollegen Lenhart über Anſtand und Höflichkeit wurde am 21. Februar eine größere Abendunterhaltung veranſtaltet, an der alle Kollegen mit ihren Familien teilnahmen, und bei welcher theatraliſche Auf⸗ führungen und muſikaliſche Vorträge ſeitens mehrerer Seminariſten den Zuhörern geboten wurden.
Der hundertjährige Geburtstag Seiner Majeſtät des verewigten Kaiſers Wilhelm I. wurde in feſtlicher Weiſe begangen. Herr Seminarlehrer Profeſſor Flegler hielt dabei die Gedächtnisrede und ſchilderte das Leben und die Thaten des Begründers des Deutſchen Reiches in trefflichen Worten. Deklamatoriſche und muſikaliſche Vorträge durch die Seminariſten trugen dazu bei, die Feier zu einer würdigen zu geſtalten.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war während des Sommerhalbjahres ein guter. Während des Winters kamen jedoch viele Halsentzündungen und 2 Blinddarmentzündungen von längerer Dauer vor, ſodaß die von letzterer Krankheit geneſenden Seminariſten für längere Zeit Erholung im Elternhauſe ſuchen mußten. Für das der Anſtalt auch im letzten Jahr durch Überweiſung von Büchern, Zeitſchriften und anderen Geſchenken bewieſene Wohlwollen ſagen wir den gütigen Gebern hiermit verbindlichſten Dank.


