Alle erinnerte, welche ſich um das Seminar verdient gemacht haben. Beſonders wurde des großmüthigen Gründers der Anſtalt, Sr. Königlichen Hoheit Ludewig I. und deſſen Nachfolger in der weiſen Regierung unſeres Großherzogthums, ſowie der wohlwollenden Be⸗ hörden, der verſtorbenen und der noch lebenden Directoren und Lehrer des Seminars gedacht. Zugleich war er auch der Schüler eingedenk, welche durch ihr Wirken der Anſtalt Ehre gemacht haben. Da aber Viele von denen, welche ſich Verdienſte um das Seminar erworben haben, ſchon in ein beſſeres Jenſeits eingegangen ſind, ſo fand die Aufforderung, am zweiten Jubiläumstage in einem beſon⸗ deren Trauer⸗Gottesdienſte der verſtorbenen Gönner, Vorgeſetzten und Schüler der Anſtalt in Liebe zu gedenken, in den Herzen der Zuhörer tiefen Anklang. Von der Vergangenheit lenkte der Direc⸗ tor ſeine Worte auf die Zukunft, um den gegenwärtigen Zöglingen des Seminars in dieſem feierlichen Augenblicke die Wichtigkeit ihres Berufes ans Herz zu legen und beſonders zu zeigen, wie in unſerer Zeit erhöhte Anforderungen an die Volksſchule geſtellt werden und daß es daher die heiligſte Pflicht aller Seminariſten iſt, an dem Jubiläumstage den feſten Vorſatz zu machen, nicht bloß in der An⸗ ſtalt ihre Zeit gut zu benutzen, ſondern auch draußen in der Praxis ſtets weiter zu ſtreben und ihrem Stande, wie dem Seminare überall Ehre zu machen.
Hierauf beſtieg Herr Oberſtudienrath Beyer die Rednerbühie, um im Namen der Großherzoglichen Oberſtudien⸗Direction den Ver⸗ anſtaltern des Feſtes zu danken und ſeine Freude über die große Betheiligung des Lehrerſtandes an dieſer Jubelfeier auszuſprechen. Daran knüpfte er einen ſehr ſchönen Vortrag über die große Auf⸗ gabe der Schule und über die Mittel und Wege zur richtigen Löſung dieſer Aufgabe in unſerer Zeit. Alsdann richtete Herr Domcapitular Ohler, der 15 Jahre lang Director des Seminars zu Bensheim geweſen war, ergreifende Worte an ſeine ehemaligen Böglinge und an die übrigen Anweſenden und zeigte, wie beſchwerlich zwar die Arbeit der Lehrer und Zöglinge einer ſolchen Anſtalt iſt, wie loh⸗ nend und erfreulich aber auch dieſe Wirkſamkeit ſich geſtaltet, wenn viele brave und tüchtige Lehrer aus dem Seminare hervorgehen. Zum Schluſſe erfreute noch Herr Rector und Muſterlehrer Lippert die anweſende Verſammlung mit einem poetiſchen Feſtgruße, der,
Mein lieber Seminar⸗Director Weinheim!
Das von Ihnen Mir überſendete Exemplar Ihrer Schrift habe Ich mit
wahrem Vergnügem empfangen, und indem Ich Ihnen für dieſe Zuſendung
und die Mir hierdurch bewieſene Aufmerkſamkeit freundlich danke, ſpreche Ich
Ihnen zugleich Meine volle Anerkennung über dieſe intereſſante Schrift aus.
Gern ergreife Ich auch dieſe Veranlaſſung, Sie Meines aufrichtigen Wohl⸗ wollens zu verſichern.
Friedberg, den 18. Anguſt 1871.. gez. Ludwig.


