Jahrgang 
1872
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wohnte Herr Kreisrath Knorr mit der ganzen Kreisſchulcommiſſion dem Feſte bei; ferner waren die Geiſtlichen und Beamten von Bensheim, ſowie Vertreter des Gymnaſiums und der Stadtgemeinde andefend, auch beehrten mehrere Adelige und ſonſtige Freunde aus dem geiſtlichen und weltlichen Stande von nah und von fern das Feſt mit ihrer Gegenwart. Das Hochamt, unter welchem die Seminariſten eine mehrſtimmige Meſſe ſangen, celebrirte Herr Domcapitular Ohler, und Herr Generalvicar Dr. Hein rich hielt nach dem Evangelium eine tiefergreifende Feſtpredigt, in welcher er überzeugend nachwies, daß Chriſtus unſer Aller Lehrmeiſter und deßhalb das erhabenſte Vorbild des guten Lehrers iſt. Die kirch⸗ liche Feier wurde mit einem Pe Deum geſchloſſen, wobei man ſich an dem kräftigen und harmoniſchen Geſange von ſo vielen muſika⸗ liſch gebildeten Männern wahrhaft erbauen konnte.

Bald nach dem Gottesdienſte fand im großen Saale des Semi⸗ nars eine Verſammlung ſtatt, welcher ſämmtliche Feſttheilnehmer beiwohnten. Zuerſt ergriff der Director des Seminars das Wort, um im Namen des Feſteomités und des ganzen Seminarperſonals die Anweſenden bei der Jubelfeier von Herzen willkommen in heiſenr Nachdem er darauf von der Erhabenheit und Wichtigkeit des Lehrer⸗ ſtandes geredet und dadurch auch die hohe Bedeutung eines Schul⸗ lehrer⸗Seminars gezeigt hatte, entwarf er dem Jubiläum entſprechend ein Bild von der Wirkſamkeit der Anſtalt während ihres fünfzigjährigen Beſtandes,*) wobei er in dankbarer und ehrender Anerkennung an

*) In dieſer Zeit haben 732 Schulamtscandidaten ihre Ausbildung im Semi⸗ nare erhalten. Anfangs fanden nur alle 2 Jahre Entlaſſungsprüfungen ſtatt; vom Jahre 1840 an trat eine Aenderung mit dem zweijährigen Curſus in der Weiſe ein, daß mit jedem Jahre neue Zöglinge aufgenommen wurden, welche nach einem zweijährigen Unterrichte ihre Abgangsprüfung machen konnten. Seit 1868 iſt ein dreijähriger Curſus eingeführt und daher auch die Zahl der Seminariſten ſehr ge⸗ ſtiegen. Die Anſtalt hatte während ihres fünzigjährigen Beſtandes ſechs Directoren; die zweite Lehrerſtelle war neun Herrn decretmäßig verliehen, von denen aber einer bald zu einer anderen Berufsthätigkeit überging. Die übrigen 3 Lehrerſtellen ſind erſt nach und nach im Laufe der Zeit entſtanden. Das Nähere hierüber findet ſich in einer beſonderen Schrift, welche Director Weinheim für den Inbiläumstag verfaßte und allen Feſttheilnehmern als Andenken an die Feierlichkeit übergab. In dieſer Broſchüre iſt auch die ältere Geſchichte des Hauſes berückſichtigt. Die Veran⸗ laſſung zur Zuſammenſtellung der hiſtoriſchen Daten über das frühere Kloſter hatten Se. Königliche Hoheit, Großherzog Ludwig III. von Heſſen, am 14. October 1870 bei Gelegenheit einer Andienz des Seminar⸗Directors gegeben. Damals ge⸗ ruhten Se. Königliche Hoheit, weil gerade die deutſchen Truppen in Frank⸗ reich ſiegreich vorgedrungen waren, mit dem Director über die Invaſion der Fran⸗ zoſen im Jahre 1689 und beſonders über deren Verhalten an der Bergſtraße zu reden und denſelben aufzufordern, in den Seminar⸗Akten zu forſchen, ob nicht etwas Sicheres über die Schonung der Stadt Beusheim wegen der guten Pflege eines kranken franzöſiſchen Generals in dem damaligen Kapuzinerkloſter zu finden ſei. Da Se. Königliche Hoheit Nachricht wünſchten, ſo erlaubte ſich der Director ein Exemplar der Jubiläumsſchrift zu überſenden, worauf ihm folgendes Allerhöchſtes Handſchreiben zu Theil wurde: