Jahrgang 
1872
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wohlwollende Theilnahme an dem Feſte wahrnehmen konute. Daß die Mitglieder des Comités und die Zöglinge des Seminars in mannigfacher Beziehung für die Verherrlichung des Feſtes thätig waren, dies braucht nicht beſonders hervorgehoben zu werden.

Endllich brach der ſchöne und bedeutungsvolle Tag an. Sobald die goldnen Strahlen der Morgenröthe die Spitzen der Berge mit ihrem Glanze beleuchteten, ertönten auch ſchon von den in der Nähe der Stadt Bensheim befindlichen Anhöhen zahlreiche Bällerſchüſſe und verkündeten die Freude des Feſtes weithin nach allen Rich⸗ tungen, und als ſpäter die Sonne am blauen Himmel weiter em⸗ porgeſtiegen war, da zeigte ſich deutlich, daß auch das heiterſte Wetter das Feſt begünſtigen werde. Viele Gäſte waren ſchon am Vor⸗ abende des Jubeltages eingetroffen; aber am Tage ſelbſt brachten die Bahnzüge aus allen Gegenden zahlreiche Feſttheilnehmer. Das Seminar bot nun ein prächtiges Schauſpiel dar; denn jetzt trafen daſelbſt treue Freunde und Bekannte in großer Zahl und in beſter Stimmung zuſammen. Der Ort ſelbſt weckte in den ehemaligen Lehrern und Zöglingen der Anſtalt viele Jugenderinnerungen in friſchem Reize. Männer, die ſchon weit an Fahren vorgeſchritten waren, vergaßen da für einige Auugenblicke die Stürme des Lebens, welche zwiſchen ihrem erſten und ihrem jetzigen Aufenthalte im Seminare an ihnen vorübergeeilt waren. Mit herzlicher Freude begrüßten ſich die ehemaligen Mitſchüler aus den älteſten, wie aus den jüngſten Curſen; denn ſelbſt die Lehrer aus den früheſten Curſen waren berhältnißmäßi zahlreich erſchienen, freilich um auch mit der Freude über das Wiederſehen ihrer lebenden Freunde zu⸗ gleich ein wehmüthiges Gefühl über die Vergänglichkeit alles Ir⸗ diſchen beim Andenken an die ſchon längſt dahin geſchiedenen Curs⸗ Genoſſen zu empfinden.

Als um 9 Uhr die Jubelfeier dem Programme gemäß mit einem Feſtgottesdienſte in der Seminarkirche begann, bot die zahl⸗ reiche Verſammlung einen impoſanten Anblick dar; denn nicht bloß die Mehrzahl aller katholiſchen Lehrer des Landes war dabei an⸗ weſend, ſondern auch Männer aus verſchiedenen anderen Ständen, welche früher Zöglinge des Seminars geweſen waren, hatten ſich eingefunden, um an der Stelle zu beten, wo ſie als Jünglinge ſchon mit Andacht verſammelt waren. Außerdem waren auch ſchon die Repräſentanten der höchſten Behörden unſeres Landes und viele Gönner und Freunde der Anſtalt beim Feſtgottesdienſte zugegen. Als Vertreter der Großherzoglichen Oberſtudien⸗Direction waren Herr Oberſtudien⸗Director von Willich und Herr Oberſtudienrath und Pfarrer Beyer erſchienen; im Namen des Hochwürdigſten Herr Biſchofs v. Ketteler von Mainz war Herr Domdekan und

eneralvicar Dr. Heinrich und Herr Domcapitular Ohler, ehe⸗ maliger Director des Bensheimer Seminars, zugegen; außerdem