Kategorien die Feier kein bloß äußerliches Gedenken ſein, ſondern muß werden zu einem Erinnern von weit tieferer Bedeutung. Für ſie muß es ſein ein Anlaß zu ernſtem Beſinnen und tiefinnerlichem Erfaßtſein, indem jeder einzelne ſich die Frage vorzulegen faſt naturnotwendig gezwungen wird: Was hatteſt du zu tun und wie haſt du es getan? Was alſo war deine Pflicht und wie biſt du ihr nachgekommen?
Glücklich auf beiden Seiten der, welcher dieſer Frage mit ruhigem Gewiſſen gegenüberſtehen und ſich bewußt ſein kann, daß er allezeit von dem Beſtreben erfüllt und geleitet war, den an ihn geſtellten Anfor⸗ derungen nach ſeinen Kräften zu entſprechen.
Iſt ſchon das Leben überhaupt ein Kampf, ſo iſt nicht minder ge⸗ rade auch alle Unterrichtstätigkeit ein Kämpfen und Ringen und zwar, wie man wohl ſagen darf, der edelſten Art, da es ja einem hohen Preiſe gilt, zugleich das Zeichen eines Werdens, das ſich wohl ab und zu recht ſchmerzhaft bemerkbar macht, wie nun einmal jede Geburt. Iſt doch die Schule die geiſtige Arena, in der ſich Kräfte betätigen, um neue Kräfte zu werken, zu entwickeln und zu ſtählen. Da gilt es Wider⸗ ſtände mit immer wieder neuer Geduld zu überwinden, nicht nur anderer, ſondern auch eigener Schwäche zu begegnen, ſodaß es manches⸗ mal nicht ohne ſtärkere Stöße abgeht, die aber keineswegs nur ein⸗ ſeitig empfunden werden. Und das Endergebnis? Es iſt ſchließlich das erſtrebte und mit aller vorangegangenen Mühſal verſöhnende, das neben der ſo berechtigten hellen Freude kein anderes etwa niederſtimmendes Gefühl mehr aufkommen läßt oder laſſen dürfte.
Denn am Ende des mühevollen, gemeinſamen Ringens erſchien dann für die, die das Endziel angeſtrebt hatten, der Zeitpunkt der gro⸗ ßen Geſamtabrechnung, wo das Fazit gezogen wurde und die geſtreute und in der Folge pfleglich behandelte Saat zur Reife gelangte. Reife⸗ prüfung und Abiturientenentlaſſung, ſie bildeten die Krönung des Werkes der Schule, und beſonders die letztere in ihrer feierlichen Ausgeſtaltung läßt auch die Oeffentlichkeit erkennen, was die höhere Schule will und zu leiſten vermag. Schaue man ſich die jungen Männer an, die an einem ſolchen Tage vor uns ſtehen und die man ſich in der verſchiedenſten Weiſe betätigen ſieht, und vergegen⸗ wärtige ſich dabei das Bild des ehemaligen kleinen Rekruten, der nach gjährigem Tirocinium zu dieſer heutigen Geſtalt ſich entwickelte. Welch eine Fülle von Inhalt liegt in dieſer Zeitſpanne beſchloſſen, der nur
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