Jahrgang 
1914
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Zwei Tage vorher hielt Herr Medizinalrat Dr. Langermann den Abiturienten einen lehrreichen Vortrag über die Verheerungen, welche Alkoholmissbrauch und sittliche Verfehlungen an der Jugend anrichten können. Für seine beherzigenswer- ten Mahnungen sei ihm auch an dieser Stelle aufrichtiger Dank ausgesprochen.

Das abgelaufene Schuljahr war reich an vaterländischen Erinnerungen und Gedenktagen. So wurde das 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers Wil- helm II. am 16. Juni, und das Gedächtnis der Völkerschlacht bei Leipzig am 21. Ok- tober durch entsprechende Schulfeiern festlich begangen. Oberlehrer Goehle wür- digte in seiner Festrede die grossen Verdienste des Kaisers um das materielle, natio- nale und geistige Wohl unseres deutschen Volkes, und Oberlehrer Dr. Ruhl die treibenden Kräfte der Erhebung des Jahres 1813 sowie die hohe Bedeutung der Leipziger Völkerschlacht auch noch für unser jetziges Geschlecht. Bei einer Feier des 18. Oktober durch die Stadt Bensheim, besonders bei dem grossartigen Lampi- onszug durch die festlich erleuchteten Strassen und dem Festakte am Abend beteilig- ten sich, soweit angängig, unsere ortsanwesenden Schüler nebst mehreren Lehrern.

Apm Sedantag unternahmen die einzelnen Klassen grössere oder kleinere Aus-

flüge, wobei auch vaterländische Lieder und Ansprachen nicht fehlten.

Der Geburtstag unseres Grossherzogs wurde mit einer geschlossenen Schul- feier durch Gesang, Deklamation und Instrumentalmusik begangen. In seiner An- sprache behandelte Oberlehrer Adler ein Thema aus der näheren Heimat, nämlich die Geschichte des Fürstenlagers zu Auerbach.

Am 27. Januar fand in unserer Turnhalle eine öffentliche Kaiserfeier statt. Zur Aufführung gelangten Musikstücke unter dankenswerter Mitwirkung von Freunden der Anstalt und insbesondere sechs altniederländische Volkslieder, bear- beitet von Kremser, mit verbindendem Text. Die Festrede des Professors Kull- mann warf einen Rückblick auf die Zeit nach der Leipziger Schlacht und erörterte eingehender Blüchers Obergang über den Rhein in der Neujahrsnacht 1813/14 mit seinen nächsten Folgen.

Einem Ersuchen des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Ju- gendspiele entsprechend, teilen wir gemäss Verfügung der obersten Schulbehörde vom 24. November 1913 hierdurch mit:

1. Ausser den lehrplanmässigen Turnstunden besteht kein freiwilliger Spielnach- mittag, weil zur Zeit ein geeigneter Spielplatz fehlt. Doch sind wir wegen Be- schaffung eines solchen Platzes mit der Bürgermeisterei der Stadt Bensheim erneut in Unterhandlungen getreten, und ist eine glückliche Lösung der schwie- rigen Frage in greifbare Nähe gerückt. Dagegen haben die unsere Schule be- suchenden Zöglinge des bischöflichen Knabenkonviktes(55) einen eigenen Spielplatz, auf dem bei günstiger Witterung Reckturnen, Stabhochsprung, Ten- nis-, Fussball-, Faustball-, Schlagball- und Baarspiel fleissig geübt wird; auch eine eigene Kegelbahn erfreut sich guten Besuchs.

2. An Schülervereinen besteht eine Gymnasialgruppe desJungdeutschland-Bun- des, die, soweit möglich, alle 14 Tage Märsche, Kriegs- und andere Spiele veranstaltet und ca. 60 Mitglieder umfasst, zu denen die unter 1 genannten nicht gehören und grösstenteils auch die anderen auswärtigen Schüler nicht(ca. 80), die täglich zu Fuss oder mit der Bahn in ihren Heimatsort zurückkehren.

3. Schauturnen, Spielfeste u. dergl. fanden bisher nicht statt, weil kein geeigneter Schulhof oder Spielplatz dafür vorhanden ist.

4. Die einzelnen Klassen machten in der Regel monatlich mehrstündige Sparier- gänge oder auch Tageswanderungen.

Der Gesundheitszustand unserer jJugend war im allgemeinen recht befriedi- gend. Doch hatten wir den Tod eines braven Schülers, des Obertertianers Friedrich Deister aus Gau-Algesheim, zu beklagen, der Herbst 1912 wegen eines Lungen- leidens ausgetreten war und entgegen seiner sehnlichen Hoffnung auf eine Wieder-