Jahrgang 
1914
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr begann Donnerstag, den 3. April 1913 mit der Aufnahme- prüfung der neu angemeldeten Schüler.

Der Leiter der Anstalt musste wegen Erkrankung vom 1. Mai bis 5. Oktober ganz beurlaubt und von da bis Schluss des Schuljahres von seiner unterrichtlichen Tätigkeit entbunden werden. Die Amtsgeschäfte des Direktors versah mit Geneh- migung Grossh. Ministeriums Prof. Dr. Biel, während die Vertretung im Unterricht Oberlehrer Dr. Ruhl übernahm. Beiden Herren sei auch an dieser Stelle für ihre liebenswürdige Bereitwilligkeit herzlich gedankt.

Zur Entlastung des Oberlehrers Dr. Ruhl übernahm im Sommerhalbjahr Lehramts- referendar Dr. Kurt Weissmann den lateinischen, und im Winterhalbjahr Lehramts- assessor Dr. Heyl den lateinischen und deutschen Unterricht der Quarta.

Durch Allerhöchstes Dekret wurde der Lehramtsassessor Dr. Robert Köhler mit Wirkung vom 31. Mai 1913 zum Oberlehrer an unserem Gymnasium ernannt. Da er ab 17. Juni eine achtwöchige militärische Obung mitmachte, wurde lt. Vfg. vom 12. Juni Lehramtsassessor Wilhelm Stein zu Friedberg mit seiner Vertretung bis zu den Juliferien betraut.

Für den gleichfalls einberufenen Lehramtsassessor Wolf wurde durch Vfg. vom 8. August 1913 Lehramtsassessor Spitznagel zu Grünberg für die Zeit vom 13. Au- gust bis 4. Oktober als Vertreter bestellt.

Am 290. September leitete der Direktor als Regierungsvertreter eine ausseror- dentliche mündliche Reifeprüfung, der sich ein Schüler mit Erfolg unterzog.

Zum 1. Oktober wurden die Lehramtsreferendare Dr. Kurt Weissmann von Lindenfels und Gustav Zwissler von Bensheim nach Beendigung ihres 2. Vorberei- tungsjahres zu Lehramtsassessoren ernannt. Ersterer verliess dann unsere Anstalt, um eine Privatlehrerstelle zu übernehmen, letzterer wurde durch Vfg. vom 22. Oktober zu weiterer Beschäftigung als Volontär bei uns zugelassen.

Durch Verfügung vom gleichen Tage wurde auch der Lehramtsassessor Franz Kieffer von Bensheim uns als Volontär zugewiesen.

Am 8. November fand eine Konferenz der Direktoren höherer Lehranstalten zu Darmstadt statt, an der auch der Unterzeichnete teilnahm.

Durch die Gnade seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs wurde zum 25. November 1913 dem Oberlehrer Prof. Kullmann das Ritterkreuz IJ. Klasse des Ver- dienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.

Sonntag, den 18. Januar 1914, abends 0 Uhr, starb allen unerwartet nach nur fünftägigem Krankenlager der Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Giessen Prof. Bodenstein an Rippenfellentzündung und Herzlähmung. Derselbe hatte von Okto- ber 1807 bis Ostern 1913 unserem Lehrkörper als Amtsgenosse angehört und sich durch peinliche Gewissenhaftigkeit, unbestechliche Wahrhaftigkeit und grosses Lehrgeschick die Anerkennung aller wirklichen Freunde unserer jJugend erworben. Die Anstalt ehrte den langjährigen Mitarbeiter, indem das Lehrerkollegium an seiner Beerdigung in Darmstadt teilnahm und in Vertretung des verhinderten Direk- tors durch Prof Dr. Glaser einen ehrenden Nachruf widmen sowie eine Kranz- spende an seinem Grabe niederlegen liess. Auch mehrere Abordnungen unserer Schüler aus den Klassen, die der Verewigte zuletzt unterrichtet hatte, bekundeten ihre Dankbarkeit und Teilnahme durch Niederlegen von Blumenkränzen am Gra- be des Verstorbenen. Möge ihm die Erde leicht sein.

Mittwoch, den 4. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel aus Darmstadt als Regierungsvertreters die mündliche Reifeprü- fung statt. Sämtlichen 21 Schülern der Oberprima wurde das Reifezeugniss zu- erkannt. Darunter waren 12 ganz und 2 in einzelnen Fächern von der mündlichen Prüfung befreit.