Das Schulfest am 30. Juni nahm in Abwesenheit des erkrankten Direktors unter Leitung des Professors Knobeloch seinen gewohnten Verlauf, alle Schulen mit der Bürgerschaft zu gemeinsamer Festfreude vereinend. Auch die vaterländischen Feiertage wurden nach altem Herkommen von der Stadtschule und Realschule gemeinsam begangen. Am Sedan- tage, 2. September 1912. entrollte Herr Stadtschullehrer Schreff den Scnülern ein auschauliches Bild von dem Werden, der Einrichtung und der Bedeutung des Kruppschen Werkes. Zum Ge- burtstage des Landesfürsten, 20. Januar 1913, erzählte der Direktor von der Fürsorge des Fürstenhauses für die Jugendbildung und der Entwicklung des Wildunger Schulwesens seit der Reformation. Am Geburtstage des Kaisers, 27. Januar 1913, führte Oberlehrer Böttger den Schülern die grossen Tage der Erhebung von 1813 lebendig vor Augen Vorträge der Schüler selbst schlossen sich an, und Gesänge des gemeinsamen Schülerchors gaben den Feiern ihre Rahmen. Am 2. März 1913 beteiligte sich die Realschule an einer allgemeinen Erinnerungs- feier an die Erhebung von 1813 in der Turnhalle des Turnvereins, an welcher alle Kreise der Einwohnerschaft Wildungens den lebhaftesten Anteil nahmen. Die Feier begann mit einem geistlichen Gesang des Schülerchors unter Leitung des Stadtsc hullehrers Frese. Der Direktor der Realschule weckte in einer Ansprache die Erinnerung an die wichtigsten Vorgänge jener er- eignisvollen Zeit und wies auf die Bedeutung dieser Gedenktage für die Gegenwart hin. Die Primaner Braunschweig. Gülich, Lippe und Reinhard trugen im Wechsel mit Schülerinnen und Turnern Gedichte uad Prosastücke aus der Zeit vor hundert Jahren vor Ferner stellten Schüler der Realschule und Schülerinnen der Höheren Mädchenschule eines der 3 lebenden Bilder, welche die Ereignisse des Frühjahrs von 1813 den Nachkommen auschaulich machen sollten: Rückkehr von Versprengten der grossen Armee aus Russland.— Die Bedeutung des 1 0. März wurde unter Ausfall des Unterrichts in allen Klassen den Schülern in geeianeter Weise nahegebracht.
Bei der Feier von Kaisersgeburtstag wurde ein im Anftrage des Kaisers vom Königl. Provinzialschulkollegium überreichtes Exemplar des Werkes von Wisſicenus,„Deutschlands See- macht“ nach Beschluss der Konferenz dem Primaner Karl Lippe in Anerkennung seiner Führung und Leistungen übergeben. Ferner erhielt der Primaner Gülich ein Exemplar des„Bismarck- kalenders 1913“ als Auszeichnung ausgehändigt. 10 Exemplare der Festschrift von Dr. Weddigen, welche Herr Sanitätsrat Dr. Rörig für fleissige Schüůler der Realschule überwies, wurden am 10. März verteilt. Ausserdem werden auf Kosten der Gemeinde sämtliche Schüler kleinere Erinnerungsschriften an 1813 zum bieibenden Gedächtnis erhalten.
Von Anregungen und Belehrungen anderer Art, zu denen sich im Laufe des Schuljahrs Gelegenheit bot, sind zu nennen: Die Beobachtung der Sonnenfinsternis am 17. April 1912, ein öffentlicher Vortrag des Herrn Majors a. D. Langheld über Kamerun am 24 April, ein Licht- bildervortrag des Herrn Leutz-Spitta für die Schulen über die Ostmarken in alter und geuer Zeit am 9. Mai, ein Lieder- und Lautenvortrag des Herrn Hunyady aus Detmold am 15. Mai, eine Besichtigung der Fritzlarer Bau- und Kunstdenkmäler unter Führung des Direktors am 23. Mai, ein Aufstieg des bemannten Freiballons Hansea am 22. August, eine Reuter-Rezitation des Herrn K. Maurice am 26. August, ein Tanzkursus des Herrn P. J. Lenz aus Rolandseck vom 4. September bis 12. Oktober, die Beobachtung des über Ungedanken nach Cassel fliegenden Zeppelin-Luftschiffes„Viktoria Luise“ am 29. September, ein öffentlicher Vortrag des Haupt- manns a. D. Richelmann über die Behandlung der Eingeborenen in Afrika am 5. November, ein Lichtbilder-Vortrag des Herrn G. Louvrier aus Charlottenburg über Paris in der Aula der An- stalt am 14. Februar 1913.
Die Angelegenheit des Realschul-Neubaues rückte im Laufe des Jahres soweit vor, dass eine von Herrn Stadtbaumeister Berthold entworfene vorläufige Bauskizze dem Kgl. Provinzial- schulkollegium vorgelegt werden konnte. Auch bewilligte der Gemeinderat am 31. Januar 1913 die Mittel zur Ausarbeitung eines genauen Bauprojekts auf dieser Grundlage.


