Jahrgang 
1930
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primaner Ernst⸗Ludwig Koch das von dem Herrn Kultusminister gestiftete Gedenkbuch der Reichsregierung:Deutsche Einheit, deutsche Freiheit.

Durch Verfügung des Hess. Kultusministeriums wurde am Mittwoch, dem 4. Septem⸗ ber 1920, der Unterricht zu Ehren des von seiner Slückhaften Weltfahrt nach Deutschland zuriickgekehrten LuftschiffesGraf Zeppelin ausgesetzt. In den Klassen wiesen die Lehrer bei Beginn der ersten Stunde auf die hervorragende tech-

nische Leistung und die völkerbindende Bedeutung der Luftfahrt hin.

Am 23. November, vormittags 9 Uhr fand in den Klassen eine Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkriegs statt. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.

Der Weihnachtsfeier wohnten am Donnerstag, dem 19. Dezember 1929, nachmittags 4 ½ Uhr die Schüler und geladene Gäste bei. Am 20. Dezember abends 8 ¼l Uhr fand eine Wiederholung der Feier für die Eltern und Freunde der Anstalt statt. Im Mittelpunkt der Feier standen die Aufführung des TanzmärchensSnee- wittchen und das WeihnachtsspielDas Licht von Bethlehem. Das Tanzmärchen von Anna Helms nach Musik von Carl Maria von Weber hatte Frau Johanna Waldt geschickt und feinsinnig mit den Schülerinnen unserer Anstalt (Ruth Hanke IIIa als Schneewittchen) eingeiübt. Die Klavierbegleitung lag in den Händen des Primaners Franz Huber.Das Licht von Bethlehem brachte Herr Studienrat Bertram lebendig und ausdrucksstark mit Schülern der Oberklassen zur Darstellung. Die Chorgesänge unter Leitung des Herrn Oberreallehrers Bechtolsheimer ver- tieften die weihnachtliche Stimmung.

Bei der Entlassungsfeier der Abiturienten am 1. März 1930 erinnerte der Klassenführer der Oberprima, Herr Studienrat Waldt, an den bleibenden Ge⸗ winn der höheren Schulbildung, der unabhängig von der Anhäufung der Kenntnisse in der Entwicklung und Stärkung der geistigen und seelischen Anlagen beruhe. In der philosophisch gerichteten Schlußbetrachtung sprach er den Wunsch aus, daß die Abitu⸗ rienten immer von dem Schein zum Wesen der Dinge vordringen möchten. Der Sprecher der Klasse, Hohe, dankte allen Lehrern für ihre Bildungsarbeit, worauf der Direktor in seiner Schlußansprache die scheidenden Schüler ermahnte, auf ihrem ferneren Lebens- weg immer eine aufsteigende Linie einzuhalten. Chorgesänge umrahmten die schlichte Feier, zu der die Eltern der Abiturienten erschienen waren.

Mit Beginn des neuen Schuljahres rief Herr Studienrat Karl Unverzagt ein Schülerorchester ins Leben, nachdem wir durch eine Umfrage festgestellt hatten, daß sehr viele Schüler selbst Musik ausüben. Allerdings stellte sich auch heraus, daß Blasinstrumente kaum gespielt wurden. Das verhinderte auch schon früher die Auf⸗ stellung eines geschlossenen Orchesters. Wir regten deshalb bei den Eltern an, ihre Söhne und Töchter auch andere Instrumente als Klavier und Violine erlernen zu lassen und kamen dem Streben musikliebender und musikbegabter Schüler dadurch entgegen, daß wir für die Schule eine Anzahl Instrumente erwarben, die wir eifrigen Schülern leihweise übergaben. Bei dem Jugendfest am Waldhaus trat die Schülerkapelle zum ersten Mal hervor. Die Zahl der Mitglieder ist inzwischen auf 26 gestiegen. Der Leiter, Professor Unverzagt, spricht sich über den Eifer und die Hingabe seiner jugendlichen Musikanten bei den regelmäßigen wöchentlichen Ubungen sehr lobend aus und betont mit Recht, daß wir mit der Gründung eines Schülerorchesters einem sehnlichen Wunsche der Jugend nachgekommen sind.

Künstlerkonzerte: Das 4. Künstlerkonzert am 7. Mai 1920 war den Kom⸗ positionen Goethescher Gedichte gewidmet. Der Leiter der Darbietungen, Herr Oberstudienrat Prof. Dr. Karl Schmidt⸗Friedberg, suchte durch klare, auch der geistigen Reichweite der Jugend zugängige Erläuterungen zum Erfassen des musikalischen Kunstwerks hinzuführen. Der Vortragende ließ erkennen, daß Goethe in musikalischen Dingen ganz ein Kind seiner Zeit war. Die ersten Komponisten seiner Lieder, Reichardt und André, fügten sich ganz der Auffassung des Dichters, nach der die Musik in der Zucht der Poesie zu stehen habe. Daher auch die gleiche Melodie für jede Strophe, der äußerlichen architektonischen Gliederung der Gedichte entsprechend. Eine Anpas- sung der musikalischen Mittel an den Gedanken war dabei nur unvollkommen möglich. Die großen Musiker Schubert, Mozart und Beethoven strebten darüber hinaus. Sie er⸗