Jahrgang 
1929
Einzelbild herunterladen

20

Die gegenseitige Unterbringung und Verpflegung der Schüler ist unentgeltlich. Für Wan- derungen und Reisen vom Gastort aus versorgen die Eltern ihre Pflegebefohlenen mit Lebensmitteln.

Alle Ausgaben, die durch Theaterbesuche, Besichtigungen und Fahrten am Austauschorte entstehen, haben die Schüler mit ihrem eigenen Taschengeld zu bestreiten.

Zur Pflege des Gemeinschaftsgeistes empfehlen wir den Eltern dringend, ihren Kindern nicht mehr Geld mitzugeben, als von der Schule als notwendig bezeichnet wird. Für weniger begüterte Schüler stellt uns die Stadt Bad-Nauheim Mittel zur Verfügung, so daß keiner hinter dem anderen zurücksteht.

Gegen Unfälle, die sich auf Unterrichtsgängen und Wanderungen unter Führung eines Leh- rers ereignen, sind unsere Schüler durch die Nassauische Landes-Versicherungsbank in Wiesbaden versichert. Trotzdem ist den Schülern erhöhte Vorsicht, besonders im Straßenverkehr einer Groß- stadt, anzuraten.

Gastfreundschaft bringt Pflichten mit sich. Jeder Schüler soll sich dankbar bewußt bleiben, daß die Eltern mit dem Austausch persönliche Opfer auf sich nehmen und dem Gastschüler mit der gleichen Freundlichkeit und Fürsorge begegnen wie dem eigenen Kinde. Proben einer guten Erziehung zu geben, soll das eifrige Bestreben jedes Schülers im fremden Hause sein.

Es ist ein dringender und berechtigter Wunsch, daß die Gasteltern ihren Schützling am Abend in der Familie behalten und ihm nur zu Veranstaltungen der Schule Urlaub gewähren. Ueber den Hausschlüssel der Gasteltern darf der Schüler aus erzieherischen Gründen nicht frei verfügen.

Unstimmigkeiten und Unzuträglichkeiten sind dem führenden Lehrer oder dem Direktor mit- Zuteilen.

Die letzten Bestimmungen sind nur aus dem Bewußtsein der hohen Verantwortung entstan- den, die der Führer einer Klasse übernimmt. An dieser Verantwortung nehmen auch die Gasteltern teil. Nach unseren seitherigen günstigen Erfahrungen dürfen wir annehmen, daß die auf Freiheit und Einsicht gegründete Zucht uns vor Enttäuschungen bewahren wird, und daß auch künftige Fahr- ten harmonisch und ohne Zwischenfälle verlaufen werden.

Elternbeirat und Elternversammlung.

Am 28. Juni 1928 wurde die Neuwahl des Elternbeirats vorgenommen. Die Eltern waren leider trotz unserer dringlichen Einladung nur in sehr geringer Zahl erschienen: 28 Eltern bei einer Schule mit 278 Schülern ist nicht gerade imponierend. Die schwache Beteiligung der Elternschaft mag zum Teil mit der für Bad-Nauheim ungünstigen Zeit des Wahltages zusam- menhängen. Wir werden deshalb künftig die Wahlversammlung erst Ende September einberufen.

Nach dem Wahlergebnis vom 28. Juni gehören für die Schuljahre 1928 und 1920 dem Eltern- beirat an:

Herr Rechtsanwalt und Notar Dr. Brücher, Bad-Nauheim

Herr Hoteldirektor Hanke, Bad-Nauheim

Frau Förster Jakob, Ober-Mörlen

Herr Oberbademeister Karn, Bad-Nauheim

Frau Dr. Schäcker, Bad-Nauheim

Herr Amtsgerichtsrat Schneider, Bad-Nauheim

. Herr Oberstleutnant a. D. Schrobsdorff, Bad-Nauheim.

Außerdem sind von dem Lehrkörper Mitglieder des Elternbeirats die Herren Prof. Fuld- ner, Dr. Magsaam und Dr. Becker.

Eine Elternversammlung der Onterprima fand am 3. Juli 1928 statt. Der Plan des Klassenaustausches mit der Dürerschule wurde ausführlich von dem Unterzeichneten und Herrn Waldt dargelegt. Herr Stadtverordnete Wiedermann beantragte Benutzung der 3. Wagenklasse D-Zug(es gab damals noch 4. Kl. b. P.), um den Schülern unnõtige Strapazen und Zeitverlust zu ersparen. Die Eltern stimmten diesem Antrag zu. Wir konnten auch eine Unterstützung der Schüler durch die Stadt in Aussicht stellen und überließen es schließlich der Selbstverantwortung der Eltern, von Herrn Waldt für die Reise die Zuschüsse anzufordern, welche die Eltern nur schwer aufbringen konnten. Von 13 Schülern nahmen 10 Eltern an der Versammlung teil.

299

Verschiedenes.

Mit Urkunde vom 31. März 1928 wurde dem Landgestütsaufseher Ludwig Mersch- roth aus Darmstadt die Amtsgehilfenstelle an der Ernst-Ludwig-Schule übertragen. Zur Einführungindieenglische Umgangssprache eröffnete Herr Studien-