Bad-Nauheim wie geschaffen ist.
Zu unserem letzten Klassenaustausch mõögen aus einem Briefe des Herrn Dr. Trögel, Dresden vom 18. September 1928 noch zwei Stellen hier Platz finden:„Je mehr und je eingehender ich mich mit der Klasse zusammen mit der Sichtung und Vertiefung der Anschauungs- und Erlebnisschätze unseres Aufenthalts in Bad-Nauheim beschäftige, desto stärker kommt mir wie jedem einzelnen Schü- ler zum beglückenden Bewußtsein, welch tiefwirkenden, bleibenden Lebenswert solch ein Austausch von Stadt zu Stadt, Landschaft zu Landschaft der Bildung des werdenden Menschen hinzufügt“.
„Daß ich Sie bitte, auch den Pflegeeltern meiner Schüler nochmals ausdrücklich zu danken, ist kein Akt bloßer Höflichkeit; ich habe gesehen und gehört, wie wohl sich alle„daheim“ in Nau- heim gefühlt haben, und ich kann nur hoffen, daß auch die verehrten Eltern Freude an ihren Dres- dener Töchtern und Söhnen gehabt haben. Der Abschied an jenem Montag fiel uns allen nicht leicht, obwohl es„heim“ ging. Kann es einen besseren Beweis für das Vorhandensein der feinen und tiefen Wirkungen des Austauschs geben, die sich nicht im bloß Unterrichtlichen erschöpfen?“
Dank schulden wir der Bad-Nauheimer Zeitung für die freundliche Förderung unserer Bestre- bungen durch wiederholte Aufnahme mehrerer Schüleraufsätze, die als sichtbare Ergebnisse des Austauschs auch für weitere Kreise Interesse beanspruchen durften. Dem Austausch 1928 widmete die Zeitschrift der Dürer-Schule mehrere Blätter. An dieser Stelle sei auch dankbar der Hilfsbereit- schaft des Kollegiums der Dürer-Schule gedacht und besonders der unermüdlichen Bemühungen ihres Mitleiters, des Herrn Studienrat Martin Leistner, im Dienste gegenwartbetonter Jugendbildung.
Grundsätze für den Klassenaustausch.
Um die Eltern unserer Schüler mit dem Verfahren vertraut zu machen, nach dem sich der Klassenaustausch vollzieht, haben wir in Uebereinstimmung mit der Dürer-Schule in Dresden allge- meine Richtlinien für die Pflegeltern und die am Austausch teilnehmenden Schüler und Schülerin- nen aufgestellt.
Der Klassenaustausch ist eine Fortsetzung des Unterrichts, eindringliche Schularbeit auf der Grundlage der Anschauung. Er ist eine Unterrichtsfahrt, die große Werke der Kultur und die Eigen- art der deutschen Landschaft in den Bereich ihres Studiums zieht und junge Menschen beiläufig auch für das spätere Leben anleitet, wie man mit wahrem Genuß und eigenem Erleben Reisen unternimmt.
Vor der Reise laden wir die Eltern der zum Austausch bestimmten Schüler zu einer Besprech- ung ein, bei der wir über alles Nähere Auskunft geben.
Die vorbereitenden Belehrungen und Besprechungen in der Klasse bringen die Schüler zur richtigen Einstellung auf Ziel und Wert des Austauschs. Je freier und williger sich die Schüler dem Austauschgedanken unterordnen, um so sicherer und fruchtbarer sind die Ergebnisse der Reise.
Ueber die zweckmäßige Ausnützung der Zeit an den Zielorten entwerfen die Lehrer der bei- den Schulen vorher einen Plan, dessen Einzelheiten von der Altersstufe der Austauschklassen und den unterrichtlichen Absichten der Führer abhängen.
Während der Austauschtage stellen die beiden Schulen den Cästen einen Unterrichtsraum mit Lehrmitteln zur Verfügung. Die Lehrer sind zu jeder Förderung der Besuchsklasse gern bereit und übernehmen auch selbst Führungen. Außerdem sind wir bei Fahrten nach weiter entfernten Orten bemüht, sachkundige Führer zu gewinnen.
Die Zöglinge werden nach Möglichkeit von Familie zu Familie ausgetauscht. Die Führer der Klassen verständigen sich über die Unterbringung und werden besondere Wünsche der Eltern dabei berücksichtigen..
Die Strapazen der Reise werden durch die Annehmlichkeiten des häuslichen Lebens am Gast- orte gemildert. Die Schüler bleiben dadurch frischer und aufnahmefähiger, als wenn sie etwa in Jugendherbergen Zuflucht suchen müssen. Anstrengende geistige Arbeit verträgt sich nicht mit kör- perlichen Nöten.
Die Schüler treten gegenseitig vor Beginn der Reise in Briefwechsel, damit sie sich bei ihrer Ankunft am Zielort bereits in die Gastfamilie eingeführt haben.
Jeder Führer trägt dafür Sorge, daß die Schüler nur in gesunden Familien untergebracht werden.
Wer keinen Schüler beherbergen kann, hat einen angemessenen Verpflegungssatz zu bezahlen und dem Führer Vorschläge zu machen, wie seinem Partner Kost und Wohnung gesichert werden kann. Bei bedürftigen Schülern kann von jeder Bezahlung abgesehen werden. Bei ungleichen Klassenstärken haben sich seither stets gastfreundliche Eltern gefunden, die zwei Kinder aufnahmen. Auch ist es immer gelungen, einige Schüler in Familien unterzubringen, die selbst mit ihren Kindern am Austausch nicht beteiligt waren.


