Jahrgang 
1929
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ren wird, so soll unsere Bühne die Jugend stets an ihre geistige Sendung mahnen, die Darbie- tungen sollen das persönliche Leben bereichern, sie sollen auch das Reich des Sinnlichen durch- drungen und überhöht zeigen von dem Reich der geistigen Ideale. Wenn es uns gelingt, der Jugend neben dem wissenschaftlichen Denken auch eine freudige und willige Aufgeschlossen- heit für die nichtwissenschaftlichen Werte des Lebens einzupflanzen, wird auch die Bühne an diesem Erfolg ihren Anteil haben. Die erstrebte Einheit von Geist und Seele soll die heran- wachsende Jugend unserer Schule für die friedlichen Werke des Lebens stark machen und ihr die Wahrheit des Wortes von Peter Hille bewußt werden lassen:Wie schön ist es, Mensch zu sein oder zu werden!

Der selbsthilfefrohen Arbeit der Ernst-Ludwig-Schule gedachte Herr Bürgermeister Dr. Ahl in der Stadtverordnetenversammlung vom 21. Dezember 1928 und betonte, daß sich die Schule aus eigener Kraft eine Bühne geschaffen habe, eine Tatsache, die in der heutigen Zeit, in der man meist nur gewohnt sei, auf öffentliche Mittel zurückzugreifen, ganz besonders lobend erwähnt werden müsse.

Am 22. Januar 1920 jährte sich zum 200. Male der Tag, an dem Gotthold Ephraim Lessing geboren wurde. Die Deutschlehrer würdigten an diesem Tage in den Klassen die Be- deutung des einzigartigen Mannes für das deutsche Geistesleben.

Die Abschiedsfeier der Abiturienten fand am 1. März, vormittags 11 Uhr statt. Der Klassenführer der Oberprima, Herr Studienrat Dr. Knieriem, wies in seiner Festrede auf die erhöhte Verantwortung der ins Leben hinaustretenden jungen Menschen hin und ermahnte sie zu freudiger Uebernahme ihrer Pflichten gegenüber Volk und Staat. Der Sprecher der Abiturien- ten, Werner Jüdell, dankte für die Bildungsarbeit der Lehrer und für das Wohlwollen, das seine Klasse stets erfahren habe. Dann sprach der Direktor seinen herzlichen Dank für die Spende der Abiturienten zu Gunsten der Schulbühne aus und ließ seine Ratschläge an die von der Schule Scheidenden in den Wunsch ausklingen, daß Hoffnung und Vertrauen sie auch auf ihrem künftigen Lebensweg begleiten möge. 3

Bei der Aushändigung der Reifezeugnisse überreichte der Direktor dem Abiturienten Ernst Rinne in Anbetracht seiner anerkennenswerten Leistungen, besonders in den schriftlichen Prüfungs- arbeiten, die alle das Prädikatsehr gut erhalten haben, als Geschenk der Schule die Werke von Friedrich Hebbel. Mit dem traditionellen Gesang des LiedesNun zu guter Letzt schloß die Feier, zu der die Eltern der Abiturienten und einige Freunde der Anstalt erschienen waren.

Am 22. März, am Todestag Goethes, wurde vor den versammelten Klassen der Tag des Buches durch Herrn Studienrat Waldt gefeiert. Der Redner führte aus: die Stunde des Buches soll den Schüler auf das wertvolle Buch hinweisen. Indem die Schule nur inhaltlich wertvolle Lektüre behandelt und durch ihre wohlausgerüsteten Schülerbüchereien auch zur häuslichen Lektüre anregt, arbeitet sie das ganze Jahr im Sinne dieser Stunde des Buches. Deshalb soll heute mehr das zur Geltung kommen, was als Kultur der äußeren Erscheinung des Buches bezeichnet werden kann. Es wurden mit Hilfe des Epidiaskops gezeigt Beispiele der mittelalterlichen Schrift, Schrift- anordnung und Buchausstattung, Schönheit und gepflegte Aufmachung der frühen Drucke und die Zeit des Verfalls im 10. Jahrhundert. Daran schlossen sich an Beispiele einer aufstrebenden Buch- kultur moderner Verlage.

Künstlerkonzerte. Am 15. Juni 1928 fand das 3. Künstlerkonzert statt. Herr Kon- zertmeister Lenzewski erläuterte den Ursprung der Geigen und sprach mehr ins einzelne gehend über Bau und Wesen der Violine. Im zweiten Teil seines Vortrags veranschaulichte er durch Proben den Werdegang der für die Violine bestimmten Musikstücke. Von der einfachen Vokalmusik eines Corelli und Tartini ging er über zu den alle Möglichkeiten des Instruments ausschöpfenden Werken von Bach und Dittersdorf und schloß mit Kreisler. Herr Lenzewski hielt sich in seinen Ausführungen bewußt von fachlichen Ausdrücken fern, es gelang ihm dadurch, zu dem jugendlichen Verständnis vorzudringen, und für viele wurde sein Vortrag ein Erlebnis. Die Klavierbegleitung des Herrn Professor Schmidt-Friedberg klang in sicheren und klaren Akkorden und brachte zum Bewußtsein, wie unentbehrlich die Ergänzung der Violine durch die unterstreichenden Töne des Klaviers ist. Für die Veranstaltung sind wir beiden Künstlern zu großem Dank verpflichtet.

Das Konzert hat für unsere Bestrebungen programmatische Bedeutung. Es kann nicht unsere Absicht sein, den vielen musikalischen Veranstaltungen, zu deren Besuch unsere Schüler hier in Bad-Nauheim den ganzen Sommer über Gelegenheit haben, neue Konzerte hinzuzufügen; wir wol- len vielmehr uns in der Hauptsache auf didaktische Konzerte beschränken, die den Schüler durch