Jahrgang 
1928
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den Kombinationen in den technischen Fächern den Stundenplan schon stark genug. Parallel- unterricht in U II würde den Plan noch verwickelter machen und schließlich dazu führen.

daß wichtige Stunden aus der Zeit der besten Leistungsfähigkeit der Schüler herausgedrängt würden.

5) Aeußere Hemmungen sollten bei der Lösung einer pädagogischen Frage nicht entschei- dend sein. Doch wird zu überlegen sein, ob die wenigen für den Ersatzunterricht in Betracht kommenden Schüler(voraussichtlich 4) den Aufwand an Kosten und die Störung des Ge- samtplans der Schule rechtfertigen. Das könnte nur behauptet werden, wenn der Latein- unterricht im ersten Jahr zu einem so dürftigen Ergebnis führen müßte, daß die darauf verwandte Zeit nutzlos vertan wäre.

6) Der Lateinunterricht in U II wendet sich an reifere Schüler, die durch gründliche Er- lernung des Französischen und Englischen fremdsprachlich gut geschult sind. Das Lehrbuch Lingua Latina, das zur Einführung bestimmt uu genehmigt ist, beginnt mit der konsonan- uischen Konjugation und nach der Durcharbeitung des ersten Jahrespensums ist wenigstens die Ahnungslosigkeit, die der Oberrealschüler dem Latein gegenüber oft genug empfinden wird. behoben. Schon im ersten Jahr werden sich tiefere Einblicke in den Bau der lateini- schen Sprache gewinnen lassen und die Vergleiche mit dem Deutschen und den beiden an- deren groſten Kultursprachen werden den Schülern das Verständnis für die synthetische und analvtische Borachstuke erschließen. Wenn man die Schüler anleitet, die Satzbeziehungs- mittel der verschiedenen Sprachen gegenüberzustellen, wird ihnen auch die Bedingtheit der französischen und englischen Wortstellung klar werden. Die freiere Wortstellung im Deut- schen wird sich als Folge der noch stark in der synthetischen Sprachstufe festgehaltenen Schriftsprache erkennen lassen, im Unterschied zu der Mundart, welche die Endungen abge- streift hat und zur Analyse übergegangen ist. Auch über die große Bedeutung, die dem Schriftlatein bei der Ausbildung der französischen und englischen Schriftsprache zukommt, wird dem Untersekundaner schon ein Licht aufgehen. Die meisten abstrakten Wörter in den modernen Fremdsprachen sind aus dem geschriebenen Latein entnommen. Die Wortgruppen wie oeil oculaire(témoin oculaire), père patrie paternel; engl. father paternal werden sich leicht als Zeugen der mündlichen Ueberlieferung und des gelehrten Einflusses deuten lassen.

Es kann nur auf einige wichtige sprachliche Erscheinungen hingewiesen werden, die auch dem Fassungsvermögen eines Untersckundaners schon zugänglich sind. An positiven Kennt- nissen wird der aus U II abgehende Schüler doch so viel mit ins Leben nehmen. daß er lateinischen Zitaten, gefligelten Worten und Inschriften gegeniber nicht ganz hilflos ist: prinzipiis obsta. vestigia terrent, do ut des. pro patria.

Das allgemein-sprachliche Verständnis wird auch durch ein Lateinjahr wesentlich ver- tieft. und der Bildungszuwachs ist so bedeutend. daß die Beibehaltung des Lateinischen in U II auch für die ausscheidenden Schüler wohl begründet ist.:

7) Um zu erfahren, wie man an anderen Reformrealgymnasien. die sich in ähnlicher Lage wie unsere Ernst-Ludwig-Schule befinden, die Frage des Ersatzunterrichts gelöst hat, haben wir bei den Direktionen folgender Anstalten angefragt:

Bad Pyrmont(Koedukation) Bad Freienwalde Oder(Koedukation) Spremberg Crossen/Oder(Koedukation) Hennigsdorf/Osthavelland Oschersleben/Bode

Neuhaldensleben Staßfurt

Reichenbach i. Schles. Trebnitz Schles.

Clausthal-Zellerfeld/Schles.(Koedukation) Neumarkt/Schles.

Die Reformrealgymnasien, die als höhere Schulen in den genannten Städten allein stehen und zum Teil, wie die Ernst-Ludwig-Schule, Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichten, haben ausnahmslos keinen Ersatzunterricht in U II eingeführt. Gewiſfz Wird die Kostenfrage iiberall eine Rolle gespielt haben, aber den Ausschlag kann sie bei all diesen 12 Schulen nicht gegeben haben. Man muß vielmehr annehmen,. daß die schwerwiegenden inneren Gründe, die wir unter Ziffer 6 dargelegt haben, für die Durchführung des Lateinischen als allgemein verbindliches Fach bestimmend gewesen sind. Das wird auch durch einzelne Zu- schriften ausdricklich bestätigt. So berichtet beispielsweise der Direktor des staatl. Reform- realgymnasiums in Claustahl in Schlesien. daß die Eltern groſten Wert darauf legten. daſt